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Unter eine Mütze gebracht

Max Mutzke & Symphoniker in Nürnberg - 19.11.2017 17:24 Uhr

Gab den Symphonikern eine Stimme: Max Mutzke in Nürnberg. © F.: Roland Fengler


Es mag Dinge geben, an die man sich als Deutscher gern zurückerinnert; der Eurovision Song Contest gehört für gewöhnlich nicht dazu. Angesichts der Leistungen in den letzten Jahren erscheint der achte Platz, den Max Mutzke anno 2004 belegte, wie ein Triumph.

Seit diesem Durchbruch in Istanbul hat sich viel getan: Musikgenres von Pop bis Jazz wirbelt der markante Mützenträger inzwischen wesentlich virtuoser durcheinander als seine Garderobe. 2016 lotete er die Crossover-Grenzen weiter aus und veröffentlichte mit der NDR-Radiophilharmonie und dem baskischen Komponisten Enrique Ugarte ein erfolgreiches Arrangement-Album.

Ugarte ist es auch, der ihn am Samstagabend auf dem Podium der ausverkauften Meistersingerhalle empfängt, denn die beiden tingeln in diesem Jahr von Orchester zu Orchester – "Max Mutzke Experience" heißt die Tour. Gegeben werden viele Eigenkompositionen; es stehen aber auch Songs von Kenny Gamble und, natürlich, Stefan Raab auf dem Programm, so dass echte Fans in Hinblick auf das Konzert wohl ihr Idol zitiert haben: "Can’t wait until tonight!"

Und derer haben sich viele unter die beschlipsten Abonnenten gemischt. Entsprechend ekstatisch entlädt sich die Stimmung: "Jetzt können wir eigentlich wieder nach Hause gehen, denn besser kann es nicht mehr werden!", konstatiert Mutzke nach seiner viel bejubelten Begrüßungsnummer "IOU".

Lautstarke Unterstützung erhält er ferner von der Band monoPUNK. Sie trägt, wie auch die geschickte Illumination (Wann sah die Halle je so chic aus?), den wesentlichen Teil zum Durchschlagserfolg des Projekts bei.

Die Crossover-erfahrenen Nürnberger Symphoniker stellen sich derweil treu ergeben auf die Kollegen aus der Populärkultur ein. Kein Wunder, dass Mutzke die Kooperation als besonders "unzickig" lobt.

Die Ironie seiner Stimme kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Orchester hier tatsächlich nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk ist.

Der ohnehin nur dünn verstärkte Streicherklang wird meist von der Band übertönt; das Schlagwerk darf ein paar penetrante Akzente setzen, und für die Bläser gibt es das ein oder andere zehnsekündige Solo. Ugartes Reißbrett-Arrangements wirken umso blutärmer, als ihm bei manchen Liedern nur ein "tacet" für die Partitur der Musiker passend schien. Ansonsten ist es ein Abend, an dem alles stimmt: Die typischen Mutzke-Mätzchen mit ihrem Hang zur Frivolität kommen gut an, "Me & Mrs. Jones" und "So viel mehr" sind einfach Dauerbrenner, und am Ende greift der Dirigent zum Akkordeon, um im Duett mit dem Freund und Sänger den Abend mit einem innigen "You’re so Beautiful" abzurunden. 

Candid Stefan Depenheuer

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