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Werden Schülerzeitungen zensiert?

Studie: Schulleitungen in Bayern lassen viele Artikel vor dem Druck streichen - 30.04.2012 15:38 Uhr

Der zwölfjährige Schüler Stephan Albrecht aus Denklingen im Kreis Landsberg (Oberbayern) sitzt in seinem Zimmer vor einem Laptop, auf dem die Schülerzeitung «Bazillus» zu sehen ist. Der Gymnasiast hat die bayerische Kultusbürokratie besiegt und vor Gericht das Verteilen einer Schülerzeitung erstritten.

Der zwölfjährige Schüler Stephan Albrecht aus Denklingen im Kreis Landsberg (Oberbayern) sitzt in seinem Zimmer vor einem Laptop, auf dem die Schülerzeitung «Bazillus» zu sehen ist. Der Gymnasiast hat die bayerische Kultusbürokratie besiegt und vor Gericht das Verteilen einer Schülerzeitung erstritten. © dpa


Ein Ministeriumssprecher erklärte am Montag in München, Hinweise des Schulleiters bedeuteten nicht automatisch Zensur. Sie dienten in vielen Fällen der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben wie Datenschutz, aber auch der Wahrung der Personenrechte. FDP-Medienpolitikerin Julika Sandt mahnte indes, einen „Maulkorb für die Schülerzeitungen“ dürfe es nicht geben. 

JPB-Vorstand Roman Kindl erklärte: „Pressefreiheit an Schulen gibt es nicht.“ In einer Studie hatten 37,1 Prozent der befragten Redakteure angegeben, dass die Schulleitung schon mal Artikel vor dem Druck gestrichen oder zensiert habe. 28 Prozent gaben an, sie müssten vorsichtig sein, was sie schreiben, ansonsten drohten ihnen Nachteile im Schulalltag. „Einige Schulleiter üben regelrecht Druck auf die jungen Redakteure aus“, sagte Kindl.  

Zwtl.: Viele Schulleiter greifen gezielt ein Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass viele Schulleiter eine kritische Berichterstattung gezielt unterbinden wollten, um den „guten Ruf der Schule“ nicht zu gefährden. Manche Direktoren und Lehrer seien aber auch mit den gesetzlichen Vorgaben zu den Schülerzeitungen nicht vertraut. 

Seit 2006 können Schülerzeitungsredakteure in Bayern wählen, ob ihr Blatt unter der Verantwortung des Direktors oder im Rahmen des Pressegesetzes erscheint. Kindl kritisierte, dass Schulleiter zwar laut Gesetz stets „Einwendungen“ erheben dürfen. Was darunter zu verstehen sei, sei jedoch nicht klar definiert seien. 

Die FDP-Politikerin Sandt versprach, die entsprechenden Passagen im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz nochmals zu prüfen. Die Schüler müssten einen verantwortungsvollen Umgang mit dem gedruckten Wort lernen. Dazu gehöre aber auch, dass man ihnen die nötige Freiheit für ihre ersten journalistischen Schritte gewähre.

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Für die Studie waren 220 Schülerzeitungsredakteure von 75 Gymnasien und 21 Realschulen in Bayern befragt worden. 

dapd

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