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Digitalisierung gibt der Teamarbeit Auftrieb

Sich verändernde Berufswelt könnte mehr Frauen nach oben spülen - 21.07.2017 20:07 Uhr

Frauen verzichten oft auf Führungspositionen, weil sie sich nicht in das männerdominierte Haifischbecken begeben wollen. Doch die Digitalisierung könnte ihnen zuspielen: Teams werden gefragt sein – nicht nur beim Synchronschwimmen. © F: dpa


Noch ist es Zukunftsmusik, dass Teams bei Bosch Produktionsaufträge per Smartphone erhalten und diese in eigener Regie auftrags- sowie termingerecht ausführen. Das Modell, das die Personalleiterin des Nürnberger Werkes, Giannoula Petroglou, beim "Talk aus dem efF" beschreibt, hat etwas mit individueller Zeitsouveränität von Arbeitnehmern zu tun. Und das spielt Frauen, die familiären Verpflichtungen haben, in die Hände: Arbeiten in virtuellen Welten ist weder zeit- noch ortsgebunden und spart zudem Wegezeit.

Die Digitalisierung ändert in den Unternehmen vieles grundlegend – was auch zu mehr Chancengleichheit führen könnte. Das haben Forschungsprojekte von Kira Marrs, Wissenschaftlerin am Institut für Soziale Forschung (ISF) München, zum Thema "Frauen und Karriere" ergeben.

Demnach brauchen die Manager der Zukunft nicht nur Durchsetzungs-, sondern auch Einfühlungsvermögen, soziale Intelligenz, Flexibilität und Kreativität. Außerdem die Fähigkeit, Wissen zu teilen und anderen im Unternehmen zugänglich zu machen. Alles das hätten Frauen – neben fachlicher Kompetenz – zu bieten, so Marrs. Global vernetzes Arbeiten leite einen Kulturwandel ein, der das Team in den Mittelpunkt rücke und sich vom Bild des "egoistischen Machers" mit Herrschaftswissen verabschiede. Unter den Bedingungen einer digitalen Arbeitswelt könnten die "weichen" Faktoren zu "harten" werden und Frauen helfen, neue Rollen im Arbeits- und Innovationsprozess einzunehmen.

"Jetzt entscheidet sich, ob Frauen die digitale Zukunft gestalten werden und welche Rolle sie in der digitalen Arbeitswelt spielen werden", betont die Referentin. Es gelte, alte gesellschaftliche Strukturen aufzubrechen und in dem Umbruch, den die Digitalisierung mit sich bringe, die richtigen Weichen zu stellen, "um nicht wieder in einen Reparaturbetrieb zu gelangen".

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Denn bisher scheuten sich Frauen oft noch vor einer Führungsposition, weil sie sich nicht in das männerdominierte Haifischbecken begeben wollten. "Aber es gibt ein neues Führungsverständnis und es ist möglich, Führung auszuprobieren – Führung auf Zeit", ermunterte die Wissenschaftlerin. Und sie prognostiziert, dass sich Unternehmen zunehmend von der Vorstellung verabschieden, dass Karrieren linear verlaufen müssten. "Dann wird auch nicht mehr der geschäftliche Aufenthalt in China ein Karrierebaustein sein, sondern die Familienzeit."

Schon jetzt hielten Vorstände hiesiger Unternehmen im kalifornischen Silicon Valley Ausschau nach neuen Leitbildern, die auch für deutsche Industrie gelten könnten. Dumm nur, dass in der Hightech-Schmiede zwar viele Frauen beschäftigt sind, aber bei genauerem Hinsehen deutlich wird, dass es vor allem junge Frauen sind und nur wenige eine Führungsposition innehaben.

Im Silicon Valley ist Selbstausbeutung nach deren eigener Anschauung nach wie vor ein Thema. Und auch hierzulande nimmt durch die Digitalisierung Arbeit im Leben mehr Raum ein - Stichwort "mobiles Arbeiten". Betriebsvereinbarungen könnten verhindern, dass der Segen nicht zum Fluch wird, sagte Marrs. Geknackt werden müsse auch das System "permanente Bewährung", was lediglich Selbstdarsteller begünstige. Auch müsse der Gewohnheit, Teilzeit mit voller Arbeit bei halbem Gehalt gleichzusetzen, eine Absage erteilt werden. Das entspreche auch der Forderung der neuen Generation von Mitarbeitern nach einer besseren Balance zwischen Arbeit und Privatleben.

In der Arbeitswelt von morgen hängt laut Marrs alles mit allem zusammen. Die Digitalisierung sei ein offener Prozess mit offenem Ausgang und viel Raum für Möglichkeiten, die Frauen unbedingt nutzen sollten. 

Uschi Assfalg

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