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Erstmals in Bayern verbietet eine Molkerei Glyphosat

Berchtesgadener Land will Zulieferer extern überwachen lassen - 27.10.2017 18:07 Uhr

Wie schädlich ist Glyphosat wirklich? Experten streiten seit Jahren. © Patrick Pleul/dpa


Das Pestizid ist hochumstritten. Gleich mehrere wissenschaftliche Studien konnten nicht klären, ob das Unkrautvernichtungsmittel krebserregend sein könnte oder nicht. Klar scheint aber, dass Glyphosat eine Belastung für den Natur- und Artenschutz ist. Mitte Dezember läuft die Zulassung für das Mittel aus - und das politische Tauziehen um die Zeit danach läuft. Die EU-Kommission allerdings scheint gelähmt.

Eine deutsche Molkerei handelt jetzt. Berchtesgadener Land, eines der größten Milchwerke in Bayern, verbietet künftig seinen Zulieferern den Einsatz von Glyphosat. Der Beschluss im Aufsichtsrat fiel bereits am Donnerstag einstimmig. Das Verbot für die rund 1800 Milchproduzenten, die mit Berchtesgadener Land koopieren, gilt ab sofort und soll laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunk extern überwacht werden.

"Wir bringen da vielleicht einen Stein ins Rollen"

"Ein Verstoß wäre ein K.-o.-Kriterium und würde zur Beendigung der Milchabholung führen", sagt Geschäftsführer Bernhard Pointner im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk (BR). "Es war in der Sitzung nicht schwierig - Vorstand und Aufsichtsrat waren sich einig, dass wir Glyphosat in unserer Molkerei und in unserem Milcheinzugsgebiet nicht brauchen." Auch auf andere Totalherbizide wolle man in Zukunft verzichten, sagt Pointner.

Bei Berchtesgadener Land hofft man jetzt auf Nachahmer. "Wir bringen da vielleicht schon einen Stein ins Rollen und bauen Druck in Richtung der Politik auf", sagt Pointner gegenüber dem BR.

Ein Druck, den die Politik offenbar aber nicht zu spüren scheint. Die EU-Kommission schlug den Mitgliedsstaaten vor, "die Genehmigung für Glyphosat für fünf Jahre zu erneuern". Das teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Eine Abstimmung der Regierungen sei demnach am 9. November geplant. Die bisherige Zulassung läuft am 15. Dezember aus.

Die EU-Kommission strebt eigentlich eine zehnjährige Verlängerung an, droht dabei aber am Gegenwind der Mitgliedsstaaten zu scheitern. Das Europaparlament verlangte am Dienstag in einer Resolution ein endgültiges Aus für das Herbizid bis spätestens zum 15. Dezember 2022. Sollte es zu keiner Einigung kommen, dürfte Glyphosat maximal ein weiteres halbes Jahr im EU-Raum verkauft werden. 

Tobi Lang Online-Redakteur E-Mail

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