Puma und Adidas: Wie Frankens Designer Trends kreieren

12.4.2018, 05:47 Uhr
Puma und Adidas: Wie Frankens Designer Trends kreieren

© Peter Roggenthin/Andre De Geare

Schluss mit Hemd, Krawatte und Jackett: Die beiden Vorstandschefs der Herzogenauracher Sportausrüster tragen stets die Teile der jeweils aktuellen Kollektion. Für Adidas-Chef Kasper Rorsted ist das lockere Outfit nach vielen Jahren an der Spitze des Waschmittelherstellers Henkel immer noch etwas ungewohnt. Sein Kollege bei Puma dagegen, Björn Gulden, hat schon jahrelange Übung im "Modeln" und bewegt sich in der Trainingsjacke, als hätte er nie etwas anderes angehabt. Am Donnerstag steht er vor den versammelten Puma-Aktionären.

So viel zur Gegenwart. Aber was bieten die Kollektionen der nächsten Saison? Heiko Desens unterscheidet nach Zielgruppen und Kategorien. Im Lifestyle-Segment dürfen die Kunden mit sehr kräftigen Farben aus den 90ern rechnen, sagt der Kreativdirektor von Puma Sportstyle. "Retro ist angesagt." Werden wir mehr Provokantes sehen, etwa Stilbrüche wie: oben elegant, unten schlabberig? "Ich finde das Wort Stilbruch nicht wirklich passend. Millennials oder die Generation Z gehen damit viel spielerischer um. Was heute ein Stilbruch ist, wird morgen schon ein neuer Trend." Pumas Hauptzielgruppe ist 16 bis 24 Jahre alt und spielt gerne — auch im Stil.

Neonfarbige Akzente

Der 90er-Einfluss bringt extreme Proportionen. So kombiniert man superweite Hosen mit ganz engen Tops. Oder trägt umgekehrt weite, lange Jacken auf Shorts. Für die Herbst-/Winterkollektionen dominieren gedeckte Farben wie Bordeaux und Braun, gebrochen mit neonfarbigen Akzenten. "Das macht das Frische aus", meint der Designer.

Ziemlich extrem im Design kommen auch die neuen Schuhe daher. Die Puma-Designer schauen sich auch einiges ab von anderen Sphären, etwa von den Tanzschuhen des New York City Ballet. Die Produkte heißen "Echo Muse" oder pfirsichfarbene "En Pointe" mit Satin-Schnürung und femininem Touch: Trotz der Zartheit kann ihre Besitzerin tatsächlich auch darin trainieren. Weniger zart sind Jodhpur-Stiefel, Boots bis Knöchelhöhe. Darunter eine dicke Sohle, die aus zwei Teilen konstruiert ist. "Wir schaffen so Kontraste des neuen Sportstyle-Look", sagt Desens.

Lässig-schick auf dem Laufsteg

Längst ist Sportmode auf den Laufstegen angekommen, man denke nur an Puma-Aushängeschilder, Stars wie Rihanna oder Selena Gomez. Desens: "Der Outdoor-Trend in Bekleidung und Schuhen hat maßgeblich die letzten Modenschauen beeinflusst, was bedeutet, dass man Styles mit extremen Profilen bei Schuhen und Bekleidung in sportlichen Farbkontrasten häufiger sehen wird."

Die Bequemlichkeit komme dabei nicht zu kurz, auf jeden Fall würden wir vermehrt Kleidung auf der Straße sehen, die Bequemes und Multifunktionales vereint, wie beispielsweise Leggings oder Hosen im Sweatpants-Stil. Zudem: Auf der Straße und im Büro sind nicht nur die engen Stretch-Hosen angesagt, sondern auch der Buggy-Style mit hängendem Hosenboden. Zu diesen weiten Baumwollhosen werden elegantere Oberteile getragen: weiße Bluse oder auch Hoodies mit einer edlen Lederjacke darüber.

Im Sportdress steckt Hightech

Freilich steckt im hochwertigen Sportdress viel Hightech. Bei den Schuhen setzen Puma wie adidas auf Sohlen aus Polyurethan (PU). Diese Kunststoffe kommen aus der chemischen Industrie. Sie bestehen aus vielen Kügelchen, die in Formen gegossen werden. Bei Sportartikeln angewendet, werden die Sohlen bei jedem Schritt zusammengepresst, so dass sie dem Träger beim Anheben des Schuhs im Rücksprung Auftrieb geben sollen.

Der Drei-Streifen-Konzern freut sich über die steigende Zahl von Läuferinnen, für die etwa der Ultra Boost X erfunden wurde. Der Schuh passt sich dem Fußgewölbe an und gibt dank der Sohle — so adidas — Energie zurück. Andere Sohlen kommen aus dem 3D-Drucker, die hochpreisigen aus der Pilotfabrik "Speedfactory" in Ansbach.

Kein Schnickschnack: Im Design ist das rasterförmige Netz tonangebend, das sich an Formen der Stadtplanung und Architektur orientiert. Das gab es schon mal. Erstmals wurde es als Element beim Adidas-Marathon-Schuh 1980 verwendet. Ein gutes Gedächtnis ist auch in der Sportmode Gold wert.

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