Der eine entrümpelt, der andere freut sich

11.5.2014, 16:00 Uhr
„Nimm und gib“ ist das Prinzip beim Warenverschenktag. Auch diese Giraffen haben jetzt ein neues Zuhause.

„Nimm und gib“ ist das Prinzip beim Warenverschenktag. Auch diese Giraffen haben jetzt ein neues Zuhause. © Scherer

Geschirr- und Glasberge türmen sich auf, ebenso Haushaltsartikel und vor allem Keramikteller. Während dahinter im Gang A Fotoapparate, Sportartikel und vor allem Turnschuhe auf barmherzige Finder warten, sammeln sich im Gang B Bücher, Videos, Singles und Schallplatten. Was hat die Belletristik zu bieten? „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ von Simmel oder „Liebe auf heißem Sand“ von Konsalik. Die Rosamunde-Pilcher-Gemeinde tröstet sich derweil mit „Wechselspiel der Liebe“. Oder darf es ein Krimi sein? Bitteschön: „Eva starb im Doppelbett“.

Manch belletristische Wühlmaus sieht es pragmatisch: „Jetzt hab ich hier etwas von Heißmann und Rassau gefunden“, präsentiert eine Dame ihrer Freundin ein Buch, „das kann ich ja das nächste Mal wieder abgeben.“

Oh, da steht ein schöner großer Spiegel mit stilvollem Rahmen. Doch an allen vier Ecken klebt ein Band: „Inventar. Nicht zu verschenken!“ Mist. Dafür steigen uns beim Wühlen unter den Singles heiße Freudentränen hoch: Karel Gott, „Schiwago-Melodie“. Oder Vader Abraham mit „Was wird sein, fragt der Schlumpf“.

Unter all den Anlieferern und Wühlmäusen stechen die rund dreißig Helfer in ihren signalgelben Warnwesten sofort heraus. Während ein Team am Empfang mit Registrieren, Begutachten und Zuordnen beschäftigt ist, trägt ein weiteres Team die Artikel an die verschiedenen Tische in den Räumen. Über all dem behält die Mitorganisatorin Tatjana Roos den Überblick.

Spitzweg auf Keramik

„Nach dem 1. Warentauschtag voriges Jahr im Ärztehaus haben wir uns mit der Stadt und dem Schulamt zusammengesetzt, um für den zweiten Tag einen anderen Schauplatz zu finden, bei dem wir keine Miete zahlen müssen“, erzählt Roos. „Das Schulamt hat uns vier Schulen angeboten, und nach der Besichtigung haben wir uns für die Soldnerschule entschieden. Denn die hat den nötigen Platz, einen aufgeschlossenen Leiter und liegt zudem gut erreichbar. Das Angebot ist wie im Vorjahr: alles außer Kleidung, transportabel und gut erhalten. Es waren auch viele Fahrräder dabei und sogar eine ganze Computeranlage. Und Schuhe gehen weg wie die Sau!“

Kleiner Zeitsprung. Nachmittags um halb zwei hat sich das Getümmel gelegt. Nur noch wenige Waren liegen aus, Gläser, Bierkrüge, und die absoluten Ladenhüter. Wer will noch einen Keramikteller mit Spitzwegs „Liebesbrief“ drauf? Auch ein knallbunt bemalter Dürer-Hase aus Pappmaschee, schön poppig, hat noch keinen Liebhaber gefunden. Doch der Mümmelmann hat noch Chancen: „Es gab eine ganze Menge Leute, die unheimlich viel von ihrem alten Zeug anbrachten“, beobachtet Tatjana Roos. „Und als sie gingen, schleppten sie mindestens genauso viel andere Sachen wieder nach Hause.“

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