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Ein kurzer Weg von Sachsen nach Bayern

In der einstigen Enklave rund um Königsberg ist eine idyllische historische Route ausgeschildert - 28.05.2015 18:54 Uhr

An Fachwerk mangelt es Königsberg nicht. Die Häuser aus der Zeit der Salzstraße sind oft als Ferienwohnungen zu haben. © Foto: Haßberge Tourismus/A. Hub


Auf dem Königsberger Marktplatz vor dem schmucken Rathaus heben die Bläser aus dem benachbarten Hofstetten die Instrumente, als just im Augenblick ihres Einsatzes die Glocken der benachbarten Marienkirche mächtig das Ende des Gottesdienstes verkünden. Da gibt es kein Zurück mehr, aus voller Lunge nehmen die Musikanten den ungleichen Wettbewerb auf.

„Bisher hat’s noch immer hingehauen“, grummelt ein Mensch im Gehrock und mit Gamsbart, die Kakophonie im Ohr. In seiner historischen Gewandung ist er leicht als Schützenmitglied auszumachen. „Der Pfarrer war rechtzeitig fertig, all die Jahr‘“. 2015 hat ein neuer Geistlicher sein Amt angetreten . . .

Die Wanderer, die der musikalischen Einlage zuhören, sind amüsiert und genießen die klangvolle Ruhepause, der eine kleine Radtour vorausging: Bis Hassfurt fuhr die Bahn, dann ging es über die stillgelegte und geteerte frühere Bahntrasse bis nach Königsberg geradelt. Das bedeutete einen acht Kilometer langen komfortablen Radweg, zwar sanft bergan, aber dafür gings durch eine liebliche Acker- und Wiesenlandschaft.

Wer in Königsberg die Räder parkt, hat viel Schönes vor sich. Da ist zum einen die wunderbare Fachwerkstadt: Der Weg über den romantischen Salzmarkt, mit dem Wohnhaus des Mathematikgenies Regiomontanus, dem die Königsberger voller Stolz auch in ihrem Glockenspiel ein Denkmal setzten, bringt eine Zeitreise in Gang.

In Regiomontanus’ Kammer können mittlerweile auch minderbegabte Kopfrechner ihr Haupt betten, wenn sie das gründlich renovierte Haus als Ferienwohnung mieten. Wer den Salzmarkt weiter hinaufläuft und sich an seinem Ende rechts hält (ausgeschildert!), gelangt auf den schmalen Steig zur Burgruine Schlossberg und von dort offenbart sich der unvergessliche Panoramablick aufs Maintal, Steigerwald und Rhön.

Die Burgruine Schlossberg ist nach 70 Höhenmetern erstiegen und wartet mit solider Gastronomie. © Foto: Haßberge Tourismus / A.Hub


Die Burg war im Seckendorff-Besitz, ist nun frisch renoviert und in der Hand tüchtiger Gastronomen, jedenfalls lassen die Schäuferle auf den Tellern im Biergarten den Schluss zu. „Saulecker“ steht über der Kuchenvitrine und ihr Inhalt sieht auch ganz so aus.

Wir beschließen, die Kalorien nicht zu uns zu nehmen, sondern sie loszuwerden und schreiten wacker weiter auf dem „Historischen Rundwanderweg“, der vorbildlich unübersehbar ausgeschildert wartet: Eine schwarze Burg auf gelbem Grund leitet Wanderer im Abstand von höchstens 500 Metern durchs Gelände.

Wir werden durch lichtgrünen Buchenhain geführt, auf eine blumenübersäte Wiese, auf der Wiesenschaumkraut, Butterblumen, Nelken und Lupinen, Margeriten und Mohn um die Wette blühen. Wir passieren den Keltensteig und kommen an einem Mini-See vorbei, an dessen Ufer unter einer ausladenden Eiche eine Familie picknickt.

Sonst ist nicht viel los auf diesem Wanderweg, was verwundert, denn selten ist eine Route von acht Kilometern so abwechslungsreich wie dieser Rundweg über den „Rennweg“. Der ist eine mittelalterliche Handelsstraße. Königsberg verdankt seine schmucken historischen Häuser dem Salzhandel.

Zwischendurch erinnert immer wieder ein Grenzstein daran, dass Königsberg aufgrund des napoleonischen Zwischenspiels in Sachsen lag, unser Ziel, das Weindorf Unfinden, aber Bayern untertan war.

Der Weg ins Bayrische ist markant: Kurz vor Unfinden passieren die Wanderer eine schmale Gasse, an deren Seiten die Sandsteinfelsen mannshoch aufragen. Nach der Engstelle dann geht es hinauf zum schneeweißen Huthhäuschen, einem weiteren Aussichtspunkt, diesmal inmitten von Weinreben. Und dann warten Abstieg (70 Höhenmeter) und glückliche Einkehr.

Im „Schwarzen Adler“ fließt der Müller-Thurgau aus dem Fass wie er hier wächst und die Rouladen kommen frisch aus der Küche. Nach Königsberg zu den Fahrrädern sind es auf der Rückroute nur noch zweieinhalb Kilometer und im sonnenheiteren Sonntagslicht ist auch die Kakophonie der Glocken und Bläser längst Vergangenheit. 

Von Ursula Persak

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