Virtuelles Dialogforum

Wie sehen die Haltestellen der StUB in Erlangen und ERH aus?

2.12.2021, 12:23 Uhr
Die Nürnberger Straßenbahn endet derzeit im Norden an der Haltestelle Am Wegfeld. Hier soll es eines Tages mit der Stadt-Umland-Bahn weiter nach Erlangen und Herzogenaurach gehen.  

© Heinz Wraneschitz Die Nürnberger Straßenbahn endet derzeit im Norden an der Haltestelle Am Wegfeld. Hier soll es eines Tages mit der Stadt-Umland-Bahn weiter nach Erlangen und Herzogenaurach gehen.  

Je weiter die Planungen für die StUB voranschreiten, desto wichtiger wird es, auch die Details des Projektes unter die Lupe zu nehmen. Bei der virtuellen Zusammenkunft, an der mit Marcus König (Nürnberg), Florian Janik (Erlangen) und German Hacker (Herzogenaurach) auch die (Ober-) Bürgermeister der eines Tages vom StUB-Netz verbundenen Städte zugeschaltet waren, wurde das Thema "Haltestellen" aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Pläne im Grundsatz vorgestellt

Zunächst wurden die StUB-Pläne im Grundsatz vorgestellt: Es geht um ein neues Straßenbahnnetz, das in seiner ersten Ausbaustufe, zu realisieren bis zum Anfang der 2030er Jahre, Nürnberg mit Erlangen und Herzogenaurach verbinden soll.

Vom L zum T

Dieses sogenannte L-Netz soll später zum T-Netz erweitert werden, mit dem auch der Osten des Landkreises Erlangen-Höchstadt angebunden wird. In Eckental könnte eines Tages der Lückenschluss zur Gräfenbergbahn vollzogen werden.

Gestaltung, Anordnung und Zahl

Dem Haltestellenthema kommt insofern eine zentrale Rolle zu, als es dabei nicht nur um die Gestaltung geht, sondern auch Anordnung und Zahl zum Teil noch mit Fragenzeichen in den Plänen stehen.

Anbindung oder Tempo im Vordergrund?

Wenn, wie es in Erlangen der Fall sein könnte, auf rund zwei Kilometer Strecke im Stadtgebiet eine Vielzahl von Haltestellen kommt, dann verbessert dies einerseits zwar die Anbindung bestimmter Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsquartiere vom Siemens Campus bis zu den Arcaden, bremst die StUB aber auch ein: Mit durchschnittlich 35 Sekunden Zeitverzug pro Haltepunkt kalkulieren die Verkehrsplaner.

Wetterschutz und Barrierefreiheit

Florian Janik formuliert zum Start in das virtuelle Forum ein paar jener Eckdaten, die zu einer modernen Haltestelle im ÖPNV gehören. Sie muss gut erkennbar und barrierefrei erreichbar sein, Wetterschutz ebenso bieten wie Abstellplätze für Fahrräder. Dass es die "ideale Haltestelle" als austauschbaren Baustein nicht gibt und die StUB eine Vielzahl individueller Lösungen fordert, ist auch Janik klar.

Dezidierter Stadtbahnplaner

Mit Stephan Besier hat sich der Zweckverband StUB einen dezidierten Stadtbahnplaner ins Boot geholt, der an der TU Kaiserslautern und an der University of Strathclyde in Glasgow (Schottland) Raum- und Umweltplanung studierte und mittlerweile ein Beraterbüro in Leipzig betreibt.

Bestehende Systeme angeschaut

Im Vorfeld der StUB-Planungen hatten die Macher des neuen Verkehrsmittels sich bestehende Stadtbahnen unter anderem in Straßburg und Karlsruhe angeschaut. Funktionierende Systeme, die ähnlich der StUB im ländlichen Raum ebenso wie im städtischen Umfeld unterwegs sind und einen gewichtigen Anteil an der verkehrstechnischen Vernetzung von Ballungsräumen haben.

Ungewöhnliche Lösungen

Eine alles andere als einfache Aufgabe, bei der man, so Besiers Botschaft, auch ungewöhnliche Lösungen nicht von vornherein verwerfen sollte. Bezogen auf die Haltestellen-Gestaltung zeigte Stephan Besier gelungene Beispiele, aber auch daneben gegangene Konstruktionen, wie man sie bei der StUB vermeiden will.

Transparentes Design

Allgemein soll ein "luftiges", transparentes Design der Haltestellen die Akzeptanz des StUB-Netzes steigern und so die Fahrgastzahlen erhöhen. Deshalb spielen der Wetterschutz und die Barrierefreiheit zentrale Rollen.

Verschiedene Arbeitsgruppen

Um dem Namen "Dialogforum" auch gerecht zu werden, wurde das Plenum in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt. So beschäftigten sich etwa Erlanger, Tennenloher und Nürnberger Bürgerinnen und Bürger unter Leitung des Kaufmännischen Leiters des Zweckverbands, Daniel Große-Verspohl, intensiv mit der Anordnung der Haltestellen zwischen dem derzeitigen Nürnberger Straßenbahn-Endhaltepunkt "Am Wegfeld" bis zur StUB-Haltestelle Erlangen-Hauptbahnhof. Welche potenziellen Fahrgastströme müssen abgeholt werden? Wie viel Fußmarsch kann man der jeweiligen Klientel zumuten?

Spürbare Sachkenntnis

Diskutiert wurde mit spürbarer Sach- und Ortskenntnis und ohne ideologische Scheuklappen. Manche Haltestellen-Planung ist der Streckenführung geschuldet, die wie mehrfach berichtet einem Katalog von Sachzwängen folgt. Wo viele Menschen leben, beispielsweise in Boxdorf oder Tennenlohe, werden die Orte entlang der Strecke mit jeweils zwei Haltestellen angebunden.

Nicht in Stein gemeißelt

Ob es allerdings in Erlangen die Haltestellen Erlangen-Süd, Freyeslebenstraße (Siemens Campus), Gebbertstraße/Südkreuzung, Stinzingstraße, Ohmplatz, Werner-von-Siemens-Straße, Sieboldstraße, Langemarckplatz, Arcaden und Erlangen Hauptbahnhof auf knapp 2000 Metern Trassenlänge tatsächlich geben wird, ist nicht in Stein gemeißelt.

Entwicklungen Rechnung tragen

Der Zweckverband, das betonte Große-Verspohl, ist offen sowohl für zusätzliche Haltestellen als auch für sinnvolle Zusammenlegungen. Zumal aktuellen Bevölkerungs-Entwicklungen Rechnung getragen werden muss. So erinnerte beispielsweise Thomas Röhrich vom Vorstadtverein Alt-Gründliach daran, dass in Boxdorf aufgrund umfangreicher Wohnbauprojekte die Einwohnerzahl in absehbarer Zeit um gut 1000 Menschen anwachsen wird.

Feinjustage notwendig

Nach gut drei Stunden Konferenz blieb abseits einer detaillierten Stoffsammlung zum Thema "Haltestellen" ein zentrales Fazit: Bis die StUB fährt, ist noch ein großes Pensum an Feinjustage notwendig.

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