Taschen, Olivenöl, Wein

Fürther Stern-Apotheke als Concept Store: Frankenkonvoi verkauft Mitbringsel aus Krisenregionen

Benjamin Jungblut

Redakteur

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12.5.2024, 04:50 Uhr
In der ehemaligen Fürther Sternenapotheke bietet "Frankenkonvoi"-Gründer Tom Geisbüsch Mitbringsel aus diversen Krisenregionen an.

© Jonathan Kromer In der ehemaligen Fürther Sternenapotheke bietet "Frankenkonvoi"-Gründer Tom Geisbüsch Mitbringsel aus diversen Krisenregionen an.

Tom Geisbüsch ist mit seinen ehrenamtlichen Helfern seit Jahren in den Krisengebieten der Welt unterwegs. Der 62-Jährige hatte den "Frankenkonvoi" 2016 als eingetragenen e.V. gegründet. Für ihn war wichtig, dass der Verein, der mittlerweile knapp 80 Mitglieder fasst, kein reiner Flüchtlingshilfeverein ist: "Der Frankenkonvoi hilft Menschen in Not. Und das Nationalitäten übergreifend, Glaubensformen übergreifend, Mensch ist Mensch." Geisbüsch betont, dass auch ein Fürther Nachbar in Not von der Hilfe des Vereins profitieren soll. Er ist sich sicher, dass Mitmenschlichkeit, gegenseitige Hilfe und Empathie der Schlüssel zu einer besser funktionierenden Gesellschaft ist.

Die Idee für einen Concept-Store mitten in der Fürther Innenstadt kam ihm, als er 2016 ein halbes Jahr in Griechenland geholfen hatte. Geisbüsch brachte Hilfsgüter in Flüchtlingslager - dass er auf der Fahrt zurück nach Fürth mit einem leeren Transporter unterwegs war, war ihm wegen "Umweltverschmutzung, Geldverschwendung und und und" ein Dorn im Auge. So entstand die Idee, Mitbringsel einzupacken.

Das erste Produkt waren Taschen aus alten Fahrradschläuchen und Jacken aus alten UNHCR-Decken, aus dem Nähprojekt "Naomi" in Thessaloniki, die unter anderem auf dem AEG Winterkiosk angeboten wurden. Geflohene bekommen hier einen Arbeitsplatz und können sich so ihren Lebensunterhalt verdienen - ausgebildet von professionellem Nähern. Nach drei Monaten bekommen sie dann ein Zertifikat als ausgebildete Näher und können sich zum Beispiel selbst eine kleine Nähwerkstatt eröffnen.

Mittlerweile sind zahlreiche Produkte aus verschiedenen Krisenherden dazu gekommen, die in der ehemaligen Stern-Apotheke verkauft werden. Geisbüsch hatte die Räumlichkeiten bereits 2010 nach der Quelle-Insolvenz gemietet. Als freiberuflicher Fotograf war er auf der Suche nach einem Studio und hatte sich in die Räumlichkeiten verliebt. Drei Jahre lang hatte er die ehemalige Apotheke mit einem befreundeten Handwerker renoviert und restauriert. "Als es mit dem Franken-Konvoi losging, war das mehr oder weniger unser Lager. Wir haben hier die Sachspendenannahmen gemacht, haben hier Kartons bis unter die Decke gestapelt und dann von hier aus entweder mit unserem Van oder mit Speditionen, mit kleinen Fahrzeugen Sachen in die Welt geschickt", erklärt der 62-jährige. 2022 hat der Verein dann nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister ein Lager an der Hardhöhe zur Verfügung gestellt bekommen.

Der Verkauf von Waren wie dieser Seife aus der türkischen Erdbebenregion soll den Betroffenen ein Einkommen sichern.

Der Verkauf von Waren wie dieser Seife aus der türkischen Erdbebenregion soll den Betroffenen ein Einkommen sichern. © Jonathan Kromer

Jetzt ist in der ehemaligen Stern-Apotheke Platz für die zahlreichen "Mitbringsel" – doch der Laden soll nicht nur Einkaufsmöglichkeit, sondern auch Begegnungsstätte sein. Geisbüsch möchte Menschen für das Leid anderer sensibilisieren – benennt was seiner Meinung nach in der Politik falsch läuft. Ihm ist wichtig, Dinge differenziert zu betrachten: "Ich bin überhaupt gar nicht der Meinung, dass wir ein rassistisches Land sind. Aber es gibt bei uns eine Ausländerfeindlichkeit, die schwebt über allem drüber, die aber meiner Meinung nach nichts damit zu tun hat, dass die Leute, was gegen Ausländer zu tun haben, sondern Angst vor Unbekannten. Und dieses Ding ist für mich ganz schnell zu brechen. Weil man muss keine Angst haben in dem Moment, wo man vor jemandem steht, den man als Ausländer bezeichnet."

In dem Laden befindet sich auch eine Galerie. Hier gibt es immer wieder Ausstellungen, im Juni aus einem langjährigen Projekt zur Unterstützung von Flüchtlingen in Athen. Kayra Martiness, die Gründerin betreibt dort seit 2016 ein Kunstprojekt für geflohene Künstler – mittlerweile mit Galerie und Wanderausstellung, die auch Halt in der ehemaligen Apotheke machen wird.

Der Verein ist aktuell auf der Suche nach weiteren aktiven Helfern. Geisbüsch erklärt: "Aktive Helfer heißt aber bei uns nicht unbedingt Kisten zu schleppen oder in Krisengebiete fahren, sondern es gibt ja in so einem Verein auch einen Bereich Verwaltung oder den Social-Media Auftritt. Es gibt viele Leute, die zu mir zum Beispiel hier im Laden sagen, ich würde dir auch gerne helfen, aber ich kann ja nichts. Jeder kann irgendwas und vielleicht ist genau die Tätigkeit, die derjenige da hat, für uns ganz wichtig." Wer den Verein unterstützen will, kann sich online unter https://frankenkonvoi.de/ informieren und per Mail an kontakt@frankenkonvoi.de wenden oder den Laden besuchen, der jeden Samstag von 12 bis 18 Uhr geöffnet ist.