"Frischfleisch" aus der Ukraine

Angst vor Frauenhandel: Ukrainerinnen trauen sich nicht in Nürnberger Busse

vnp

10.3.2022, 20:29 Uhr
Auf der Flucht: Dennoch entscheiden sich viele Ukrainerinnen gegen das Hilfsangebot eines fränkischen Busunternehmers - aus Angst vor Frauenhändlern. 

© Sebastian Gollnow, dpa Auf der Flucht: Dennoch entscheiden sich viele Ukrainerinnen gegen das Hilfsangebot eines fränkischen Busunternehmers - aus Angst vor Frauenhändlern. 

Drei große Reisebusse mit Hilfslieferungen haben Marco Eichhorn und sein Team am ersten Märzwochenende an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht. Aus der Eigeninitiative heraus wollte der Nürnberger Busunternehmer von Crazy Tours die leeren Rückbänke der Busse nutzen, um Kriegsgeflüchtete nach Deutschland zu holen.

Doch während Spenden in Form von Kleidung und Medikamenten dankend entgegengenommen wurden, blieben rund 100 Plätze auf der Rückfahrt nach Franken leer. Der Grund? Die Angst vor möglichen Frauenhändlern sorgte dafür, dass sich viele Ukrainerinnen nicht trauten, das Hilfsangebot wahrzunehmen. "Sie haben es nicht gewagt, unsere Busse zu betreten", berichtet Eichhorn.

Angst vor Frauenhandel ist nicht unbegründet

Die Angst der Frauen sei gar nicht unbegründet, erklärt Maria Decker, die erste Vorsitzende der Organisation "Solidarity with women in distress", im Deutschen: Solidarität mit Frauen in Not. Decker berichtet, dass in einigen Freier-Foren von "Frischfleisch" aus der Ukraine die Rede ist. Ihr sei außerdem bekannt, dass einige Frauen seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine die Hilfsangebote "zwielichtiger Typen" angenommen haben und in die Zwangsprostitution geschickt wurden.

Maria Decker plädiert für offizielle Stellen, wo sich Helfende und Flüchtende melden können. Damit könnten sich Ukrainerinnen an seriöse Hilfsorganisationen wenden und wären keiner Gefahr ausgesetzt. Auch der Nürnberger Busunternehmer Eichhorn will einen weiteren Versuch starten. Er habe bereits 56 Frauen und Kinder nach Nürnberg gebracht.

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