Europawahl 2024 in Franken

Grüne brechen ein, AfD legt in bestimmten Stadtteilen zu: So hat Nürnberg abgestimmt

Johannes Lenz

Nordbayern-Redaktion

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12.6.2024, 11:53 Uhr
Über 200.000 Nürnbergerinnen und Nürnberger haben ihr Kreuz bei der Europawahl gesetzt (Symbolbild). 

© VNP Über 200.000 Nürnbergerinnen und Nürnberger haben ihr Kreuz bei der Europawahl gesetzt (Symbolbild). 

64,8 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland haben an der Europawahl am Sonntag teilgenommen - so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. In Nürnberg lag die Wahlbeteiligung mit 59,9 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. Dennoch haben über 200.000 Menschen in Frankens Metropole ihre Stimme abgegeben, prozentual gesehen etwas mehr als bei der letzten Europawahl (58,7 Prozent). Mit Abstand stärkste Kraft wurde die CSU, gefolgt von den Grünen und der SPD. Auf dem vierten Platz landete die AfD, die bundesweit zweitstärkste Kraft wurde und auch in Nürnberg ihr Wahlergebnis von 2019 verbessern konnte.

Dabei war der Wahlkampf der AfD von Skandalen und Unruhen geprägt, etwa um ihren Spitzenkandidaten Maximilian Krah. Doch in den Ergebnissen haben sich diese kaum bemerkbar gemacht: 15,9 Prozent aller Stimmen in Deutschland konnte die AfD erzielen, in Nürnberg waren es glatt elf Prozent. Damit hat die Partei zwar knapp zwei Prozentpunkte weniger erzielt als bei der Landtagswahl 2023 in Nürnberg, aber 2,2 Prozent mehr als noch bei der letzten Europawahl im Jahr 2019.

Dass die AfD in Nürnberg nicht zweitstärkste Kraft wurde, liegt auch daran, dass die Grünen und die SPD in der Frankenmetropole weniger Stimmen verloren haben als im bundesweiten Durchschnitt. Zwar lag das Ergebnis der Grünen mit 16,5 Prozent auch in Nürnberg deutlich unter dem aus dem Jahr 2019 (24,1 Prozent), doch der Absturz fällt mit 7,6 Prozentpunkten niedriger aus als auf Bundesebene, auf der die Partei sogar 8,6 Prozentpunkte einbüßte. Die SPD erzielte in Nürnberg mit 12,8 Prozent fast genau so viele Stimmen wie im Jahr 2019 (13 Prozent), deutschlandweit verlor die Partei aber 1,9 Prozent der Stimmen.

CSU in den meisten Stimmbezirken vorn - Grüne und SPD im Zentrum am stärksten

Beim Blick auf die Ergebnisse in den einzelnen Urnenstimmbezirken zeigt sich, dass die CSU in der überwältigenden Mehrheit der Stimmbezirke die meisten Stimmen geholt hat. Vor allem in den Bezirken in Stadtrandlage schnitt die Unionspartei stark ab: In Brunn und im Bezirk Buch / Almoshof / Flughafen holte die CSU mehr als 45 Prozent aller Stimmen, insgesamt knackte die Partei in 15 Bezirken die 40-Prozent-Marke. In der Innenstadt schnitt die CSU dafür weniger erfolgreich ab - in den Bezirken Altstadt (St. Lorenz) und Marienvorstadt blieben die Christsozialen sogar unter 15 Prozent.

Im Zentrum der Stadt konnten die Grünen und die SPD traditionell ihre besten Ergebnisse einfahren. Die Grünen erzielten in 22 Bezirken über 20 Prozent Stimmanteil, die meisten Stimmen holten sie in den Bezirken Himpfelshof (26,8 Prozent), Tafelhof / Gostenhof (25,9 Prozent) und St. Johannis (25,4 Prozent). Die SPD konnte in keinem einzigen Stimmbezirk die 20-Prozent-Marke erreichen. Die meisten Stimmen erhielten die Sozialdemokraten noch in den Bezirken Gartenstadt (19,3 Prozent) und Rangierbahnhof-Siedlung (19,2 Prozent).

AfD überzeugt im Südosten - großer Stimmgewinn in Hochburgen

Was der SPD misslang, schaffte die AfD: Im Bezirk Langwasser Nordwest holte die Partei, die in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, 20 Prozent der Stimmen. Überhaupt schnitt die Partei im Südosten Nürnbergs gut ab: Im Bezirk Beuthener Straße / Altenfurt Nord / Langwasser Südost erzielte die AfD einen Stimmanteil von 19,8 Prozent, in Langwasser Südwest 18,6 Prozent. Am schwächsten schnitt die Partei in den Innenstadtbezirken ab, dort blieben die Ergebnisse oft einstellig. Zumindest in ihren "Hochburgen" hätte die AfD ohne die Briefwähler noch stärker abgeschnitten - dort stimmten 28,8 Prozent aller Urnenwähler für die Rechtspopulisten.

Auffällig ist, dass die AfD besonders in den Bezirken stark ist, in denen die Wahlbeteiligung am niedrigsten ist: In den Nürnberger Hochburgen der Partei liegt die Wahlbeteiligung im Schnitt bei gerade einmal 40,9 Prozent - also deutlich unter der gesamten Wahlbeteiligung. Am höchsten war die Wahlbeteiligung in den Hochburgen der Grünen und der FDP (70,9 Prozent). Die AfD war die einzige Partei, die bei den Europawahlen in Nürnberg in ihren Hochburgen Gewinne verzeichnen konnte. Und das nicht zu knapp: Ihr Stimmenzuwachs dort beträgt 10,4 Prozent. Alle anderen größeren Parteien haben in ihren Hochburgen an Stimmen eingebüßt, selbst die CSU (minus 1,4 Prozent).

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