Darum will das Engergiebündel den Klimanotstand ausrufen

Maria Segat

Nürnberger Nachrichten

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10.7.2019, 06:00 Uhr
Es sei höchste Zeit, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, warnt das Energiebündel.

© Julian Stratenschulte/dpa Es sei höchste Zeit, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, warnt das Energiebündel.

"Steinzeitdenken" – so nennt Werner Emmer die Mentalität, die bei vielen Politikern noch vorherrsche, wenn es um das Thema Klimaschutz gehe. Emmer ist Vorsitzender des Vereins Energiebündel Roth-Schwabach, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den gesamten regionalen Energiebedarf der Mitgliedskommunen im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen.

Dass das möglich sei, sei schon lange nicht mehr die Frage, meint auch Energiebündel-Sprecher Hermann Lorenz. "Es gibt wissenschaftliche Studien en masse, die das belegen", sagt er. Deshalb gehe es jetzt vor allem darum, ein dringend notwendiges Umdenken herbeizuführen. Die Maßnahme, die der Verein dafür ausgewählt hat, ist aktuell in aller Munde: Es geht um die Ausrufung des Klimanotstandes.

Unterschiedliche Bereitschaft

In seiner Jahresversammlung haben die Mitglieder des Vereins dafür gestimmt, die Politik genau dazu aufzufordern. Wie das geht, hat die Stadt Erlangen vor knapp zwei Wochen vorgemacht. Hier wurde die Ausrufung des Klimanotstandes aus einer Bürgersammlung heraus beantragt, bei der unter anderem "Fridays for Future"- Aktivisten beteiligt waren. Der Stadtrat solle "die Eindämmung des Klimawandels und seiner schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität" anerkennen, hieß es da. Der Erlanger Stadtrat folgte den Forderungen der Aktivisten und beschloss als erste Stadt in Bayern den Klimanotstand mit nur einer Gegenstimme.


Als erste Stadt Bayerns: Erlangen ruft den Klimanotstand aus


Ein großer Erfolg für die Klimaschützer. Ob auch das Vorhaben des Energiebündels so erfolgreich sein wird? Ungleich komplizierter wird es sicherlich. Denn es geht hier nicht um eine Kommune, sondern um die 16 Gemeinden des Landkreises Roth und die Stadt Schwabach. Sie alle sind Mitglieder des Netzwerkes – doch die Bereitschaft zur Ausrufung des Klimanotstands dürfte unterschiedlich ausfallen, meint Werner Emmer. "Die Gemeinden sind sehr unterschiedlich an den Themen dran", sagt er. Trotzdem erhoffen er und sein Mitstreiter sich Reaktionen auf ihre Forderung.

Es muss etwas passieren

Denn bei vielen Bürgermeistern, Unternehmen, aber vor allem privaten Bürgern habe sich die Erkenntnis inzwischen durchgesetzt, dass dringend etwas passieren müsse. Das ist auch der Grund, warum der Klimaschutz im Moment überhaupt politisch auf so großer Bühne diskutiert werde, meinen Emmer und Lorenz. Der Impuls komme sozusagen von der Straße. Für Emmer ist gerade bei den jungen Menschen ein völlig neues Bewusstsein entstanden, vergleichbar mit der 68er-Bewegung: Junge Menschen, die sich gegen etablierte Zustände auflehnen, die sie nicht länger hinnehmen wollen. "Diese Energie müssen wir nutzen", sagt der Vorsitzende.

Das gelte Hermann Lorenz zufolge auch für jeden Politiker der Region. Mit Blick auf die Kommunalwahlen im kommenden Jahr könne es sich niemand erlauben, das Thema Klimaschutz zu ignorieren: "Denn wenn einer meine Lebensgrundlage zerstört, ist er für mich doch unwählbar."

Wie geht es jetzt weiter?

Dass die Ausrufung des Klimanotstandes eine symbolische Geste ist, wissen die Energiebündel-Aktivisten. Rechtlich bindende Verpflichtungen oder konkrete Handlungsaufträge gehen damit nicht einher. Doch es sendet ein Signal, das sagt: Wir nehmen die Klimafrage ernst. Und darum gehe es laut Emmer und Lorenz: "Wir wollen, dass alle Entscheidungen der Gemeinden im Bewusstsein des Klimaschutzes gefällt werden", sagen sie. Zwar sei die Problematik den Gemeinden auch jetzt bewusst, aber der Klimaschutz müsse zukünftig Priorität bekommen.

Im Verlauf der Woche will der Verein seinen Beschlussvorschlag und Hintergrundinformationen an die Städte und Bürgermeister und auch ans Landratsamt Roth schicken. Beides werde nur jeweils etwa zwei Seiten lang sein, betonen sie, sei also "schnell zu lesen". Was das heißt, ist klar: Sie erwarten Rückmeldungen auf ihre Forderungen – und zwar schnell, denn die Zeit drängt.

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