Montag, 24.02.2020

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Rhythmus, Koordination und Kastagnetten:: Neue Schule für Flamenco

15.10.2007

«Üben und mit dem Herzen tanzen»: Andrea Grüner mit ihren Schülerinnen. © Weigert


Nürnberg ist zwar nicht Sevilla, Flamenco kann man hier aber auch lernen. Schon seit Jahren unterrichtet Flamencotänzerin Andrea Grüner in verschiedenen Räumlichkeiten in Nürnberg und Umgebung. Sie selbst studierte den ausdrucksstarken Tanz in München, vor allem aber in Spanien.

Auch heute noch fährt die Tänzerin, die wegen ihrer Haarfarbe den Künstlernamen «La Rubia» - «Die Blonde» - trägt, regelmäßig nach Sevilla, um für ihre Choreografien die neuesten Entwicklungen des Flamenco mitzubekommen. Denn der befindet sich ständig im Wandel. «Der Flamenco ist sich seiner andalusischen Heimat stets bewusst, aber gleichzeitig offen für andere Einflüsse», erklärt Andrea Grüner. Man tanzt ihn inzwischen auf der ganzen Welt, und so treffen sich in den spanischen Hochburgen des Flamenco Tänzer aus Israel, Kanada und Australien, die den Tanz nicht nur studieren, sondern ihm wiederum neue Impulse geben.

Genauso passen die Bewegungsabläufe nach Franken, denn «alle Menschen, die Gefühle in sich tragen und sie ausdrücken wollen, sind beim Flamenco richtig», findet Grüner. Dass sie hier geblieben ist, wo ihre Wurzeln liegen, und nicht nach Spanien auswandern wollte, entspricht für sie einem andalusischen Lebensgefühl: «Ein Andalusier würde nie seine Heimat verlassen, und auch insofern bin ich ganz Flamenco. Ich bin gerne zu Hause in Nürnberg.»

Ihre eigene Tanzschule «Aire Flamenco», in der man außerdem Spanischkurse besuchen und Kastagnettenspiel lernen kann, gibt es seit September. Willkommen ist jeder, denn «beim Flamenco muss man nicht irgendetwas erfüllen, er hat Platz für alle Richtungen und alle Niveaus», so die Schulleiterin.

Eigener Ausdruck ist wichtig

Rhythmus, Koordination und eigener Ausdruck sind die Kernelemente des andalusischen Tanzes. «Die Musik macht strenge Vorgaben, an die man sich halten muss», erklärt die Kennerin. Deshalb achtet sie genau auf eine saubere Fußtechnik, denn schließlich sind es die Füße, die die Musik machen.

Entsprechend laut kann es werden, wenn zwölf Schülerinnen in Schuhen mit hohen Absätzen unermüdlich dieselbe Schrittkombination wiederholen. Diese Genauigkeit ist notwendig, denn ein Flamencotänzer ist zugleich auch Musiker. Stimmt die Form, also das rhythmische Gerüst für den Tanz, kann der Inhalt, also der jeweils geforderte Ausdruck, sich frei entfalten.

«Bei der Bewegungsausführung ist der Flamenco nicht so streng», erklärt «La Rubia», «es gibt mehr Platz für individuellen Ausdruck als beim klassischen Ballett.» Vielleicht ist es ja gerade die Mischung aus Formstrenge und Ausdrucksfreiheit, die diesen Tanz so anziehend macht, und einer der Gründe, weshalb «Flamenco von der Erfahrung lebt», wie Andrea Grüner sagt.

Bei «Aire Flamenco» ist momentan die jüngste Schülerin zehn, die Älteste 70 Jahre alt. Während manch andere Tanzkultur keinen Tänzer über 40 mehr auf die Bühne lässt, würdigt der Tanz das Alter. Man tanzt also nicht nur, um zu lernen und wegen der reicheren Erfahrung gerne mit einem älteren Tänzer.

Was zählt ist ja der individuelle Ausdruck: Deshalb kann der Flamenco einer 80-Jährigen, deren gesamte Lebenserfahrung aus ihren Bewegungen spricht, fesselnder sein, als der eines 20-Jährigen, der vielleicht viel Kraft, aber noch nichts erlebt hat. «Nicht der Talentierteste kommt am weitesten», so Grüner, «sondern wer übt und mit dem Herzen dabei ist.»

Männer erwünscht

Momentan gibt es mehr Schülerinnen als Schüler. Männer und Frauen lernen die gleichen Grundtechniken, die Bewegungen werden nur auf verschiedene Art ausgeführt. Besonders für die Sevillana, einen Paartanz, «wären ein paar Männer schön», wünscht sich Grüner. Die widmet sich nicht nur der eigenen Schule und Auftritten. Kürzlich wurde sie in den Vorstand der «Internationalen Gesellschaft für künstlerisches Kastagnettenspiel» gewählt, die es sich zum Ziel gemacht hat, Kastagnetten in die allgemeine Tanzwelt einzuführen. Denn «Kastagnetten sind die schönste Nebensache der Tanzwelt», sagt die Nürnberger Tänzerin.

Und wer weiß, vielleicht könnte es durch weitere Flamenco- und Kastagnetten-Begeisterte in Nürnberg irgendwann eine echte «Peña» geben, eine Art Tanzclub, wo bis in die frühen Morgenstunden Flamenco getanzt wird. ELKE ROEDER

Aire Flamenco, Hintermayrstr. 28,

Telefon: 0911/6887707; www.aire-flamenco.de

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