Wandel einer jahrhundertealten Metropole

10.7.2008, 00:00 Uhr
Der Vorsitzende Mao Zedong begrüßt das Volk auf dem von ihm neu geschaffenen Platz des himmlischen Friedens: Das Propagandaplakat von 1976, dem Todesjahr Maos, dokumentiert auch die Funktion des neuen Peking als politische Bühne.

Der Vorsitzende Mao Zedong begrüßt das Volk auf dem von ihm neu geschaffenen Platz des himmlischen Friedens: Das Propagandaplakat von 1976, dem Todesjahr Maos, dokumentiert auch die Funktion des neuen Peking als politische Bühne. © Karlheinz Daut

Don J. Cohn hat so ziemlich alles Gedruckte gesammelt, was er über China finden konnte. Der New Yorker fing schon in den 60er Jahren während seines Sinologie-Studiums an, Bücher, Landkarten, Fotos und andere Dokumente zu horten. Aus seinem Schatz, der sich in seiner New Yorker Wohnung und teilweise in Lagerräumen stapelt, hat Yan Xu-Lackner, die Leiterin des Nürnberger Konfuzius-Instituts, den Bereich über Peking ausgewählt und mit ihrem Team zu einer kleinen, feinen Ausstellung geordnet.

Reiz liegt im Alltäglichen

Der Reiz liegt vor allem im Alltäglichen: Cohn, der vorsichtig ist mit kritischen Anmerkungen, aber auch haarsträubende Anekdoten von seinen langen Aufenthalten in China erzählen kann, hat bebilderte Aufklärungs-Zeitschriften über die ordentliche Erziehung Jugendlicher ebenso zusammengekauft wie literarische Werke, Rezepte aus dem «Hotel Peking», Werbeanzeigen, eine Cartoon-Zeitschrift und Geschichtsbücher für Kinder. Sein Lieblingsstück ist ein Propagandabild, auf dem Völker aller Welt einen ziemlich verschüchtert am Boden liegenden Amerikaner mit Bombe unterm Arm vertreiben: «Das ist amüsant und erschreckend zugleich», so Cohn.

Zu sehen sind auch Stadtansichten und -Pläne aus verschiedenen Epochen, auf denen der Wandel von der kaiserlichen Residenz mit der «Verbotenen Stadt» im Mittelpunkt zur modernen Metropole mit dem von Mao geschaffenen «Platz des Himmlischen Friedens» als Zentrum ablesen kann. Mauern und Stadttürme fielen der kulturellen und politischen Erneuerung in den 1960er Jahren zum Opfer.

Sehenswerte Schau

Der immense Fundus, der über die persönliche Bekanntschaft zwischen Xu-Lackner und Cohn nach Nürnberg kam, wurde für die Ausstellung erstmals kommentiert. Um die zeithistorischen Feinheiten zu erkennen, wäre allerdings eine umfassendere Erläuterung sinnvoll gewesen. Dennoch: eine sehenswerte Schau, die Lust auf China macht.

Die Ausstellung «Peking - Beiping - Beijing» ist im Museum Industriekultur, Äußere Sulzbacher Str. 62, bis zum 21. September dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.