Lokales TV bangt um Finanzen

4.1.2010, 16:00 Uhr

© Thomas Scherer

Am Anfang stand der Kabelgroschen, eine mit den Rundfunkgebühren erhobene Abgabe, die das Kabelfernsehen in Bayern anschieben sollte. Dieses „Teilnehmerentgelt“ sah das Verfassungsgericht als verfassungswidrig an, es durfte bis längstens 2008 eingezogen werden. Nachdem ein Gutachten bestätigt hatte, dass sich das Lokalfernsehen in bestehender Form „ohne Zuschüsse nicht tragen kann“, sprang zunächst der Freistaat ein und sicherte jährlich neun Millionen Euro zu. Sie wurden 2009 zur Hälfte vom Staat Bayern und der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) finanziert, 2010 um zehn Prozent gekürzt. 2011 wird der Betrag auf 7,3 Millionen und 2012 auf 6,5 Millionen sinken.

Das bringt die privaten Anbieter in die Bredouille. Sie leben von einer Mischfinanzierung, die sich aus dem Entgelt für die Sendeminuten, der Produktionsförderung – sprich Geld für die technische Verbreitung und Herstellung – und der Programmförderung zusammensetzt. Letztere muss jährlich neu beantragt werden und macht für Spartenanbieter wie die Nürnberger Medienwerkstatt und die Fürther Medien Praxis mit Beträgen von 30000 und mehr Euro einen erheblichen Teil des Etats aus.

Medien Praxis e.V. fürchtet unter den geänderten Bedingungen um ihr Fortbestehen. Auch die Medienwerkstatt, die zwei Sendeplätze belegt, muss mit einem Minus von 10000 Euro zurechtkommen. Dieses könne der Verein jedoch durch Einnahmen aus Auftragsproduktionen, beispielsweise für die Stadtmission oder das Down Syndrom Info Center, ausgleichen, sagt Geschäftsführer Kurt Keerl. Zudem sind Autoren und Kameraleute der Medienwerkstatt – das Team umfasst zehn Personen plus eine Auszubildende – Freiberufler und haben ein zweites Standbein.

Kritisch blickt Christoph Winschuh, Geschäftsführer von Franken Fernsehen, auf die angekündigten Kürzungen: „Das wird uns massiv treffen.“ Er rechnet mit einem Viertel weniger Einnahmen. Kompensiert werden sollen sie durch Einsparungen, die Produktion von Imagefilmen und Werbung sowie den Verkauf eigenen Materials an nationale Sender. Und was passiert 2013, wenn kein Geld mehr fließt? Im Südwestpark machen immerhin 15 Redakteure, zwei Volontäre und 33 weitere Mitarbeiter Programm — täglich von 14 bis 24 Uhr. „Ich gehe davon aus, dass es eine Anschlussfinanzierung geben wird“, sagt Winschuh.

Hinter den Kulissen wird gekurbelt. „Ohne Förderung wird es ab dem 1. Januar 2013 kein lokales Fernsehen in Bayern mehr geben“, hatten die Betreiber von derzeit 16 Sendern gedroht. Immerhin: Ihre Einschaltquoten im RTL-Fenster liegen oft noch vor denen von ARD und ZDF. Dennoch: Es muss gespart werden. „Da sind durchaus die Anbieter gefordert, sagt Wolfgang Flieger, Pressesprecher der BLM. Er sagt auch: „Die Spartenanbieter stehen für Vielfalt, die wollen wir erhalten.“