"Omas gegen Rechts" wollen Rechtsruck aufhalten

1.3.2020, 09:56 Uhr

"Omas gegen rechts" ist eine deutschlandweite und österreichweite Bewegung. © Christian Charisius, dpa

Neonazis, die AfD und salonfähiger Faschismus: Dagegen sowie gegen einen Rechtsruck in der Gesellschaft protestiert die Bürgerinitiative "Omas gegen Rechts". "Rechtes Gedankengut ist längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, und wenn man sich die Statistiken anschaut, ist es ganz klar, dass die größte Bedrohung von rechts kommt", sagt Kerstin Lange. Sie ist Sprecherin der "Omas gegen Rechts"-Ortsgruppe aus Ingolstadt. Fälle wie der rechtsextremistische Anschlag von Hanau zeigen, dass die "Omas" damit eine aktuelle Problematik in Deutschland ansprechen.

Mit Blick auf die Kommunalwahl am 15. März in Bayern spricht Lange sich dafür aus, dass es besonders jetzt wichtig sei, öffentlich für demokratische Werte Flagge zu zeigen. "Wir haben in Bayern nicht so viele Rechtsradikale, die sich aus der Deckung trauen, und man weiß nicht, wie sich das entwickelt. Wir wollen dagegen arbeiten, solange man noch etwas machen kann", sagt sie. Lange vergleicht den sogennanten Rechtsruck in der Gesellschaft mit einem Schneeball, der beim Abrollen immer größer wird und schließlich eine Lawine auslösen kann. Sie befürchtet, dass diese "Lawine nicht mehr aufhaltbar ist."


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Deswegen protestieren die Seniorinnen öffentlich unter dem Motto "Alt sein heißt nicht, stumm sein" und positionieren sich gegen Antisemitismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Faschismus, wie sie auf ihrer Website schreiben. "Von Norden bis Süden verbindet uns alle der Wunsch, mit wohlwissender Weisheit und unserer klaren Botschaft, alle wachzurütteln, um sich gemeinsam gegen den hässlichen und gefährlichen Rechtsruck in Europa einzusetzen", sagt Sabine Mairiedl, Sprecherin der Münchner Ortsgruppe.

Für die kommende Kommunalwahl wünscht sich Kerstin Lange: "Dass die AfD möglichst wenige Stimmen bekommt, und dass Wähler sich die Parteiprogramme genau anschauen - dann wissen sie, wen sie wählen können."

"Omas gegen Rechts", kurz OGR, nennen sich auf ihrer Website "eine zivilgesellschaftliche überparteiliche Initiative, die sich in den politischen Diskurs einmischen will". In Bayern gibt es neun Gruppen in verschiedenen Städten: Neben der Gruppe in München setzen sich die "Omas" in Füssen, Aschaffenburg, Rosenheim, Ebensfeld, Würzburg, Dachau, Ingolstadt und Nürnberg "gegen rechts" ein. Bundesweit gibt es der Website zufolge derzeit mehr als 60 Ortsgruppen. Nach Angaben der Münchner Sprecherin Mairiedl sind seit dem Anschlag in Hanau vom 19. Februar zwei Ortsgruppen hinzugekommen - "und es werden täglich mehr Mitwirkende".

Gründungsdatum der Gruppe ist der 27. Januar 2018. Der Tag, an dem die Initiative ihre eigene Facebookseite angefangen hat. Mehr als 2200 Menschen haben die Facebookseite "D - Omas gegen Rechts" abonniert. Regelmäßig veröffentlichen die Seniorinnen dort politische und satirische Artikel und Bilder.

Acht Oma-Gruppen in Österreich

Inspirieren ließen sie sich dabei von den benachbarten "Omas" in Österreich. Die eröffneten ihre Facebookseite schon im November 2017. Seitdem wurden acht "Omas gegen Rechts"-Gruppen in Österreich gegründet, wie der Website zu entnehmen ist. Weiter heißt es, dass nicht nur Seniorinnen bei dem Protest teilnehmen dürfen: "Willkommen sind aber auch Opas, Kinder, Enkelkinder, Freund*innen. Alle, die sich mit unserem Grundsatz identifizieren, können jederzeit mitmachen", schreiben sie auf ihrer Website.

Die Münchner Ortsgruppe war Mitte Februar bei der ZDF-Sendung "Die Anstalt" zu sehen. Sie sangen dort ihre ganz eigene Version des Kinderliedes "Hühnerstall" - ihre satirische Antwort auf Kritiker von Rechtsaußen an dem WDR-Kinderchorlied "Meine Oma ist 'ne Umweltsau". In der Sendung sangen sie: "Seid versichert, Oma ist 'ne coole Sau! - Und beleidigt nur, wenn anonyme Hetzer und Dummschwätzer sich vor uns werfen mit Protestgeschrei und so tun, als wär'n sie Oma-Polizei!". Weiter ging die Strophe mit den Worten "Der Spaß ist jedoch dann ganz schnell vorbei, benutzt man uns für rechte Heuchelei".

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