Kritik an Vorstoß der Hochschule

2G an der FAU sorgt für Ärger: Ungeimpfte schreibt Brief an Söder - "Bildung ist Grundrecht"

Tobi Lang
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Online-Redakteur

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14.11.2021, 17:25 Uhr
Der Hörsaal ist für ungeimpfte Studierende an der FAU künftig tabu. 

Der Hörsaal ist für ungeimpfte Studierende an der FAU künftig tabu.  © Peter Kneffel, dpa

Die Friedrich-Alexander-Universität ist Vorreiter in so vielen Dingen, in der Forschung, beim veganen Essen in der Mensa - und jetzt auch bei der 2G-Regel. In den Hörsaal darf künftig nur noch, wer bereits gegen das Coronavirus geimpft oder von ihm genesen ist, das teilte die Leitung der Hochschule am Freitag in einer Rundmail mit. Die FAU ist die erste Uni in Bayern, die einen derart drastischen Weg geht.

Grundsätzlich, sagt das Wissenschaftsministerium, ist das möglich. Doch selbst dort plädiert man für einen maßvollen Umgang. Ressortchef Bernd Sibler etwa ist für Präsenzunterricht an allen Unis im Freistaat. "Die hohe Impfquote unserer Studierenden unterstützt die weitgehende Wahrnehmung des Präsenzangebots", sagte er erst kürzlich. Und dennoch macht die FAU schon ab kommenden Montag ernst.

Das stößt auf teils heftige Kritik, auf Twitter etwa, doch auch Studierendenverbände wie der konservative Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) sieht die "Entwicklung mit Sorge", sagte deren Landesvorsitzender der Deutschen Presse-Agentur. "Aus unserer Erfahrung ist die digitale Lehre vielerorts immer noch nicht ausgereift genug, um einzelne Studenten sinnvoll hybrid einbinden zu können."

Studentin fühlt sich unter Druck gesetzt

Jetzt reicht es einer Betroffenen der FAU. Laura, eine 18-Jährige, die erst seit einem Monat Rechtswissenschaften an der Erlanger Hochschule studiert, hat jetzt einen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder geschrieben. "Ich selbst bin umgeimpft und zwar nicht, weil ich an Verschwörungstheorien oder ähnliches glaube, sondern weil ich skeptisch bin und schlichtweg Angst vor Corona, sowie vor der Impfung habe", heißt es dort. "Aus diesem Grund und wegen Vorerkrankungen möchte ich auf einen Totimpfstoff warten, bei dem für mich weniger Risiken entstehen würde."

Eben diese Entscheidung setzt die junge Studentin jetzt aber unter Druck - sie dürfte ab Montag nicht mehr in den Hörsaal. Auch ein negativer PCR-Abstrich wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, teilt die Leitung der Hochschule mit. Die ohnehin bereits gültige Testpflicht, schreibt Laura, habe aus ihrer Sicht ausgereicht. "Der Einlass wird stichprobenartig kontrolliert. Zudem gilt eine FFP2 Masken-Pflicht in allen Räumlichkeiten der Universität. So weit so gut. Eigentlich!"

"Bildung ist ein Grundrecht"

"Ich besuche keine Diskotheken, Partys, Bars oder Restaurants. Es ist richtig, in solchen Situationen (...) auf 2G zu setzten, in diesen Fällen verzichte ich als Ungeimpfte bewusst auf diese Luxusgüter", schreibt Laura in dem Brief. "Trotzdem finde ich, dass Bildung und genauer gesagt der Zugang zu einer Universität nicht an einer Impfung scheitern sollte. Bildung ist ein Grundrecht und sollte für alle Menschen frei zugänglich sein."

Die Studentin sieht auch rechtliche Probleme. "'Bildung ist Ländersache - eine Aussage, die mir in meiner Schullaufbahn oft begegnet ist", schreibt sie. Dass nun eine Universität im Alleingang entscheiden kann, Ungeimpfte auszuschließen, wirft aus Sicht der 18-Jährigen Fragen auf. "Wie ist es rechtlich begründbar, dass eine Universität in Mittelfranken willkürlich Corona-Auflagen umwirft?"

Rechtlich möglich ist das Vorgehen der FAU wohl. Erst Ende Oktober kehrte die Hochschule nach drei Online-Semestern zur Präsenzlehre zurück - eine lange Zeit, besonders für die Studierenden. Ungeimpfte müssen ab Montag wieder digital an den Vorlesungen teilnehmen, heißt es in der Rundmail. Auf der Homepage schreibt die FAU: "Studierende mit einem Non-2G-Status können nicht an Präsenzveranstaltungen teilnehmen, den Inhalten allerdings online folgen – entweder im Rahmen einer Synchron-Übertragung oder einer Aufzeichnung."