Freitag, 15.11.2019

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Entschleunigung pur

Gerhard Probst geht mit seinem Traktor auf große Fahrt durch Tschechien - 03.06.2019 10:09 Uhr

Startklar für die nächste große Tour: Der Gailnauer Gerhard Probst mit seinem Traktor samt mobilem Zuhause. © Rößler


Mal eben schnell in die USA fliegen, ein Wochenend-Trip auf die Lieblings-Ferieninsel Mallorca oder mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV in gut drei Stunden nach Paris. Höher, schneller und weiter ist ein eindeutiger Trend beim Reisen. Die meisten Urlauber möchten einfach nur schnellstmöglich an ihrem Wunschort ankommen um sich dort von der Hektik und Schnelllebigkeit des Alltags zu erholen.

Ganz im Gegensatz dazu stehen die Ausfahrten der Oldtimerfreunde Zenngrund aus Wilhermsdorf, zu denen auch der 71-jährige Gerhard Probst aus Gailnau gehört. Die Leidenschaft für Oldtimer, besonders für alte Traktoren teilen die Oldtimerfreunde Zenngrund mit vielen anderen Liebhabern der alten landwirtschaftlichen Zugmaschinen.

Doch während sich die meisten stolzen Traktorbesitzer damit begnügen ihre Fahrzeuge bei Oldtimertreffen oder Umzügen im näheren regionalen Umkreis zu präsentieren starten die Zenngründer alljährlich zu einer großen mehrtägigen oder auch mehrwöchigen Ausfahrt mit ihren Traktoren. Angesteckt von seiner ersten Ausfahrt mit den Oldtimerfreunden zum Großglockner, dem höchsten Berg im österreichischen Kärnten vor einigen Jahren, war es für Gerhard Probst keine Frage, auch bei der 18. Ausfahrt der Traktor-Enthusiasten teilzunehmen.

Nach dem Motto "der Weg ist das Ziel" machten sich die Oldtimerfreunde mit sechs Gespannen, also Traktor mit Wohnanhänger, und insgesamt acht Teilnehmern auf die Reise rund um Tschechien. Auf der geplanten, etwa 2000 Kilometer langen Fahrstrecke über das Erzgebirge, mehrere Gebirge des Sudetengebirgszuges, durch das frühere Schlesien und entlang der Karpatenwaren aber auch viele Höhenmeter zu überwinden. Für diesen Anspruch war der eigene Traktor von Gerhard Probst, ein 1962er Fahr Güldner mit 20 Pferdestärken und einer maximalen Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern, nicht geeignet. Doch auch dafür war schnell eine Lösung gefunden. Hermann Wolf aus Röckingen hat dem Gailnauer einen 40PS starken John Deere Traktor aus seiner Sammlung zur Verfügung gestellt und somit stand der Teilnahme nichts mehr im Weg.

Kiste mit Werkzeug gehört unbedingt ins Reisegepäck

Leider musste ein Teilnehmer bereits bei Bayreuth wieder umkehren, da sein Eicher Öl verloren hat und dieser Schaden nicht direkt repariert werden konnte. Andere kleine Schäden wie ein Kabelbrand oder ein defektes Zündschloss wurden von den routinierten Oldtimer-Spezialisten ohne Probleme an Ort und Stelle in Ordnung gebracht, denn eine Kiste mit Werkzeug und einpaar Ersatzteilen gehört bei so einer Tour unbedingt ins Reisegepäck.

Nach zwei Wochen kehrten die Abenteurer nach tatsächlich gefahrenen 2000 Kilometern über den Böhmerwald, den Bayerischen Wald und die Oberpfalz wieder in ihre fränkische Heimat zurück. Eine entschleunigte Reise bei der es viel zu sehen und zu erleben gab, erzählte Gerhard Probst nach der Rückkehr.

Und auch neue Erkenntnisse brachte er mit, wie zum Beispiel, dass es durchaus sinnvoll ist auch im Sommer dicke Handschuhe dabei zu haben, wenn man mit einem Traktor in die Berge fährt oder auch, dass es manchmal ein wenig langweilig war mehrere Stunden täglich mit 25 Stundenkilometern auf der Landstraße zu fahren und ständig das gleiche Hinterteil eines Wohnwagens vor sich zu sehen, was aber seine Begeisterung für die Reise nicht geschmälert hat.

Bei dieser Reisegeschwindigkeit kann man bedenkenlos seine Blicke auch links und rechts der Fahrbahn schweifen lassen und so nimmt man Natur, Landschaft und Architektur entlang der Reiseroute viel intensiver war. Reiseeindrücke, die den schnell Reisendenvorenthalten bleiben. Infiziert von dieser Art zu reisen macht Gerhard Probst mit ein paar befreundeten Oldtimerfans jetzt wieder eine Traktortour.

Die geplante Reiseroute verläuft dieses Mal die ersten Tage immer nur Richtung Norden, über den Harz bis an die Ostseeküste und auf die Insel Rügen. Anschließend geht es ins polnische Kolberg an der Ostsee und dann über Schwiebus (die polnische Heimat der weltgrößten Christusfigur) wieder Richtung Süden. Entlang der deutsch-tschechischen Grenze kehrt die Reisegruppe dann wieder Richtung Heimat zurück. Pünktlich um 8.30 Uhr am Mittwoch, 5. Juni, wollen sie mit ihren Traktorgespannen in Gailnau starten und auch bei dieser Tour werden die alten Motoren und ihre Lenker wieder an die 2000 Kilometer absolvieren müssen.

Bei einer durchschnittlichen Tagesleistung von etwa 100 bis 150 Kilometern werden sie wohl zwei bis drei Wochen unterwegs sein und wieder viele neue Eindrücke und Erkenntnisse im Gepäck mit nach Hause bringen

mr

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