Ein Leben für Badminton: Herttrich hat in Erlangen Heimspiel

Katharina Tontsch

Sportredakteurin in Erlangen

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3.12.2018, 18:00 Uhr
Kommt zur EM-Quali nach Erlangen: Isabel Herttrich (rechts) im Doppel mit Carla Nelte.

© Frank Friedrich Kommt zur EM-Quali nach Erlangen: Isabel Herttrich (rechts) im Doppel mit Carla Nelte.

Frau Herttrich, wird am Montag in einer Woche die Emmy-Noether-Halle noch stehen?

(lacht) Schauen wir mal. Ich denke schon. Es sind ja humane Fans.

Beim Länderspiel vor zwei Jahren in Erlangen hatten Sie viele Anhänger in der Halle.

Auch diesmal werden wieder viele bekannte Gesichter im Publikum sitzen, die lautstark die Deutschen — und vielleicht die Franken noch etwas mehr — unterstützen. Es wird einiges los sein.

Wer ist bei Ihnen dabei?

Meine Familie ist da, aus Lauf und Hersbruck, aus meinen ehemaligen Vereinen weiß ich, dass auch schon ein paar Karten gekauft wurden. Ein paar Schulfreunde kommen auch.

Sind Sie aufgeregt?

Ja, doch. Es ist immer etwas Besonderes, daheim zu spielen, da ist mehr Nervosität dabei. Bei mir äußert sich das aber positiv, meistens spiele ich besser, wenn ich nervös bin. Deshalb mache ich mir keine Sorgen. Ich freue mich riesig darauf. Gerade auch, weil mein Heimatverein es nun mehr miterleben kann als sonst, wenn man überall auf der Welt unterwegs ist.

Welche Rolle spielt die EM-Quali?

Es gibt diese Qualifikation zum ersten Mal. Deswegen bin ich gespannt, wie das wird, und auch, wie die anderen Nationen anreisen, welchen Hunger die darauf haben. Doch für mich: Das Jahr war lang, wir hatten sehr viele Turniere. Ich bräuchte jetzt kein Turnier mehr, aber da es in Erlangen stattfindet, habe ich richtig Bock. Ich denke auch, dass wir das gut meistern werden. Wir sind mit einem breiten Team da, die Belastung für jeden Einzelnen wird nicht zu hoch sein. Ich freue mich, bin aber auch froh, wenn das Wochenende vorbei ist und so langsam die Weihnachtsstimmung eingeläutet werden kann.

Sie spielen ein letztes Mal mit Carla Nelte. Ist das, als verliere man seinen Lebenspartner?

Carla hat Anfang August ihre Karriere beendet. Das kam für mich überraschend. Mittlerweile habe ich mich in meiner neuen Paarung mit Linda Efler gut eingefunden, wir haben zusammen schon sieben Turniere gespielt.

"Auf dem Feld haben wir uns wenig über den Haufen gelaufen"

Muss man mit einem neuen Partner alles neu lernen?

Es ist eine Umstellung, weil jeder individuell anders spielt, andere Ideen und Stärken hat. Carla und Linda sind sehr unterschiedlich, ich musste mich neu anpassen. Doch Linda und ich haben uns von Anfang an gut verstanden, wir haben uns auf dem Feld wenig über den Haufen gelaufen.

Warum spielen Sie nie im Einzel?

Im Badminton ist es normal, dass man sich spezialisiert. Doppel und Mixed sind halbwegs ähnlich. Die meisten entscheiden sich am Ende der Jugendzeit. Bei mir war es klar: Ich wollte nicht ins Einzel, war im Doppel und Mixed aber auch erfolgreicher.

Sie wollten nicht?

Mir macht es zu zweit auf dem Feld mehr Spaß. Ich bin mehr Teamplayer als Einzelkämpfer. Deswegen war das für mich immer spannender und reizvoller.

"Wir haben zum ersten Mal die Top Ten geknackt"

Was sehen Sie als Ihre größten Erfolge an?

Uh. (lacht) Das ist ganz schwierig. Ein Highlight meiner Karriere ist lange her: Das war Bronze bei der Jugend-WM 2010. Das ist und war bisher die einzige Medaille auf dieser Ebene für Deutschland. Dieses Jahr bei der EM haben Mark (Lamsfuss, d. Red.) und ich Bronze gewonnen. Zum ersten Mal haben wir zudem die Top Ten in der Weltrangliste geknackt, auch wenn wir es nicht lange halten konnte. Doch wir waren mal da — das macht Lust auf mehr.

Ist das Ihr langfristiges Ziel?

Auf jeden Fall. Wir wollen konstant in den Top Ten bleiben. Wenn man sich dort lange behaupten kann, kommen die Medaillen hoffentlich auch.

Ihr größte Niederlage: Rio 2016? Sie waren nicht mit dabei.

Ja. Das war ein Schlag. Das muss man auch erst einmal verdauen. Doch es war vielleicht einen Tick zu früh für mich. Deswegen greifen wir das in zwei Jahren noch einmal an. (überlegt) Ach Gott, es sind ja nicht einmal mehr zwei Jahre! Wie die Zeit rennt.

Olympia: Nicht nur ideell, auch finanziell wichtig

Sind die Olympischen Spiele immer im Hinterkopf?

Doch, schon. Manchmal ist das vielleicht nicht ganz gesund. Ich versuche, mich davon ein bisschen zu lösen. Dass nicht die ganze Karriere nur an Olympia hängt, sondern man auch so einige Erfolge hat. Doch: Olympia ist einfach groß. Vom DOSB kommt natürlich der Druck, Medaillen bei Olympia sind das, was zählt. Da hängt viel Förderung dran. Deswegen hat im Deutschen Badminton-Verband Olympia einen gewissen Stellenwert — nicht nur ideell, auch finanziell.

Wie finanzieren Sie sich?

Es sind ein paar Säulen. Mein Bundesliga-Verein unterstützt gut, die Deutsche Sporthilfe kommt dazu, mein Ausrüster und die Sportstiftung Saar. Man muss ein gutes Gesamtpaket schnüren.

Wie wird man professionelle Badmintonspielerin?

Am Anfang hat man das gar nicht so professionell forciert. Als Jugendliche macht man einfach den Sport, den man liebt. Bei mir kamen recht schnell Erfolge. Dann war klar, dass ich dabei bleiben möchte. Mit 17 Jahren bin ich nach Hamburg ins Sportinternat. Das war ein Riesenschritt Richtung Leistungssport. Doch es gab nie den einen Zeitpunkt, an dem man sich klar dafür oder dagegen entscheiden musste. Irgendwie ist man damit groß geworden.

+++ Das Interview mit Isabel Herttrich im Lokalsportcast +++ 

Wie kamen Sie zum Badminton?

Meine Eltern spielen auch. Ich hatte also schon früh einen Schläger in der Hand. Zuerst war ich aber im Handballverein, als Neunjährige habe ich mit Badminton beim TV Hersbruck angefangen. Ich musste mich dann entscheiden . . .

Es wurde Badminton. Wie hart ist es, für den Sport alles aufzugeben?

Freut sich auf Erlangen: Isabel Herttrich (links, mit Carla Nelte).

Freut sich auf Erlangen: Isabel Herttrich (links, mit Carla Nelte).

Zu dem Zeitpunkt gar nicht schwer. Es ist das, worauf man Bock hat. Im Nachhinein erscheint mir die Entscheidung, mit 17 nach Hamburg zu gehen, schwieriger. Doch ich habe daheim ein super Umfeld, eine verständnisvolle Familie und Freunde, die immer wussten, dass ich voll in diesem Badminton drin stecke.

Haben Sie mal überlegt, alles hinzuwerfen?

Joa. (lacht) Das ein oder andere mal. Zuletzt vor dem Wechsel nach Saarbrücken. Ich habe mich gefragt: Soll ich jetzt noch einmal alles umwerfen?

"Man realisiert mehr, was man wieder alles aufgibt"

Das wollten Sie nicht?

Ich habe davor sechs Jahre am Badminton-Stützpunkt in Mülheim gelebt, mir wieder ein Umfeld aufgebaut, Freunde, die Uni. Ich hatte nicht den Plan, dort weg zu gehen. Nach der Umstrukturierung musste ich nach Saarbrücken. In meinem Alter realisiert man mehr, was man wieder alles aufgibt, auch weil man es schon ein-, zweimal gemacht hat. Das musste ich mir länger überlegen als den Schritt nach Hamburg. Doch ich bereue es nicht, dass ich es gemacht habe.

Wie ist das, wenn das Leben so fremdbestimmt ist?

Es war eine heiße Phase, als der Verband beschlossen hat, die Stützpunkte zu verändern. Von Spielerseite gab es Diskussionen. Davor haben in Mülheim nur wir Mädels trainiert, die Jungs in Saarbrücken. Jetzt wird in Saarbrücken Doppel und Mixed trainiert, die Einzel sind in Mülheim. Für mich hat sich die Trainingssituation verbessert: Wir können nun auch Mixed trainieren, das konnten wir früher gar nicht. Da standen wir ohne gemeinsame Einheit auf dem Feld. Die Erfolge in diesem Jahr zeigen, dass das Sinn macht. Für mich war in dem Umzug auch mehr Perspektive dabei. Der Hunger und die Lust waren groß genug, weiter zu machen.

Was vermissen Sie am meisten an der Heimat?

Die Familie. Das hängt aber weder an Hersbruck, wo meine Eltern wohnen, oder an Franken. In Nürnberg lebt zum Beispiel meine Schwester. Und ich vermisse auch die Sprache: Wenn ich in Franken Radio höre, freue ich mich über jede Kleinigkeit an Dialekt. Da geht einem das Herz auf.

Zur Person: Das EM-Qualifikationsturnier der Deutschen Badminton-Nationalmannschaft in Erlangen ist für Isabel Herttrich (links, mit Carla Nelte) ein Heimspiel. Die Hersbruckerin wird gegen Österreich (8. Dezember, 18 Uhr) und Schweden (9. Dezember, 15 Uhr) im Damen-Doppel und Mixed spielen. Los geht das Turnier bereits am Freitag (18 Uhr, Emmy-Noether-Halle) mit dem Auftaktmatch gegen Slowenien. Herttrich, die für den 1. BC Saarbrücken-Bischofsheim spielt, ist mehrfache Deutsche Meisterin. Für Deutschland holte sie zudem zahlreiche EM-Medaillen. Aktuell schreibt die 26-Jährige auch ihre Bachelorarbeit in BWL.

 

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