Wlan in Flüchtlingsunterkünften

Es hapert nur noch am Elektriker

Christoph Benesch
Christoph Benesch

Erlangen

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8.2.2022, 12:30 Uhr
Vor allem die Freifunker haben sich neben dem Flüchtlingshilfe-Verein und der Stadt eingebracht, um die Unterkünfte mit kostenfreiem Internet für die Bewohner auszustatten. 

© Foto: Harald Sippel Vor allem die Freifunker haben sich neben dem Flüchtlingshilfe-Verein und der Stadt eingebracht, um die Unterkünfte mit kostenfreiem Internet für die Bewohner auszustatten. 

Ende Dezember 2020 berichtete diese Zeitung erstmals über die Problematik, dass kostenfreies, frei zugängliches Internet in den Erlanger Flüchtlingsunterkünften fehlt. Nun, im Februar 2022, hat es die EFIE, die Erlanger Flüchtlingshilfe, gemeinsam mit den ehrenamtlichen Freifunkern geschafft, nahezu alle Gemeinschaftsunterkünfte mit Wlan zu versorgen. Wäre da nicht die Angst eines Elektrikers vor einer Corona-Infektion.

Teils geschieht die Verkabelung auf Spendenbasis mit eigenem Anschluss, teils über Richtfunkantennen vom Rathausdach. „Die Situation“, sagt Michael Schöttler von der EFIE, „ist deutlich besser geworden.“ Immerhin sind Handy und Internet für viele Geflüchtete der einzige Weg, um mit der Familie in der Heimat in Kontakt zu bleiben. Durch die Corona-Pandemie wurde die Digitalisierung noch wichtiger: Kontaktbeschränkungen und die Schließung des Publikumsverkehrs auf Ämtern und Rathäusern machen einen Internetanschluss auch für all die Bürokratie unerlässlich. „Vor allem aber“, sagt Schöttler, „für die Schulkinder.“ Durch Quarantänesituationen oder Distanzunterricht waren und sind immer noch Kinder aus geflüchteten Familien zum Teil vom Unterricht und vom Lernen abgeschnitten - sie können weder digital teilnehmen noch Arbeitsblätter oder Arbeitsaufträge von den Lehrern geschickt bekommen.

Wlan oder Freifunk

Konkret haben die Unterkünfte in der Hartmannstraße mittlerweile einen eigenen, spendenfinanzierten DSL-Anschluss. Die Wohncontainer in der Marie-Curie-Straße haben seit Ende 2021 ebenfalls einen Vertrag. Bei allen angemieteten Wohnungen der Stadt waren die Anschlussbuchsen meist vorhanden, es mussten nur noch Verträge abgeschlossen werden.

Der staatliche Bau in der Gundstraße wird nun vom Rathausdach via Richtfunk versorgt. Ebenso die Container in der Schallershofer Straße. Vor einer Woche etwa ging auch die Regierungsunterkunft am Erlanger Weg ans Netz, hier ist die GewoBau Eigentümer des Gebäudes, das kurioserweise ohne Leitungen konzipiert worden war. Man nahm offensichtlich an, dass Geflüchtete grundsätzlich nie Anspruch auf Internet besitzen werden. Glücklicherweise aber fing der Architekt diese Fehlplanung auf, die sehr wohl verlegten Leitungen mussten nun nur noch hinter Putz nach vorne geholt werden. In der Wohnanlage Zeppelinstraße, in der anerkannte Flüchtlinge als Zwischenlösung untergebracht werden, bis sie auf dem Wohnungsmarkt fündig geworden sind, war Internet bereits vorhanden.

Der Gasthof Strauß, ein ehemaliges, von der Stadt angemietetes Hotel, in der Rückertstraße ist nun mit Richtfunk versorgt. Aufgrund der nachlassenden Nachfrage jedoch will die Stadt sich aus Kostengründen bis April wohl von den Wohnungen trennen. Bleiben also lediglich die staatlichen Unterkünfte in der Michael-Vogel-Straße übrig. „Hier ist die Versorgung leider ins Stocken geraten“, sagt Michael Schöttler.

Schwer erreichbar

Der private Eigentümer sei nur sehr schwer zu erreichen, die Absprachen daher kompliziert. Doch auch hier wurde auf Staatskosten all die nötige Infrastruktur für Internet geschaffen - „jetzt“, sagt Schöttler, „müsste nur noch der Elektriker in die Wohnungen und alles anschließen.“ Das Problem: Der traue sich nicht aufgrund der Pandemie.

Einen anderen Handwerker, der notfalls in Schutzausrüstung zum Montieren käme, möchte aber der Eigentümer nicht beauftragen, wie die Regierung von Mittelfranken in einer E-Mail mitteilte, die der Redaktion vorliegt. Einen direkten Kontakt zum Vermieter gaben die Behörden mit Verweis auf Datenschutz nicht weiter. „Es ist verzwickt“, findet Michael Schöttler, „vor allem, weil ausgerechnet hier noch immer 15 bis 20 Kinder untergebracht sind.“

Eigentlich war es ursprünglich das erklärte Ziel der bayerischen Staatsregierung, den Kindern während der Pandemie den Online-Unterricht auch in den staatlichen Gemeinschaftsunterkünften zu ermöglichen. Dieses Ziel wird nun in der Michael-Vogel-Straße, wo nach über einem Jahr endlich alle technischen Voraussetzungen erfüllt wären, verpasst. Nach der Pandemie, heißt es immerhin, würde der Elektriker aber sofort anfangen.

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