FAU hat ein neues Konzept für mehr Klimaschutz

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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3.12.2019, 06:00 Uhr
Auch Stromtankstellen für Elektroautos (hier die Einweihung einer Ladesäule auf dem Südcampus im Dezember 2017) sind ein Schritt hin zu einer nachhaltigeren FAU.

Auch Stromtankstellen für Elektroautos (hier die Einweihung einer Ladesäule auf dem Südcampus im Dezember 2017) sind ein Schritt hin zu einer nachhaltigeren FAU.

Bei Innovationen in Deutschland die Nummer eins und in Europa die Nummer zwei: Darauf ist die Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) stolz. Dieser Anspruch verpflichtet, und deshalb peilt man schon das nächste ehrgeizige Ziel an, nämlich, bis spätestens 2028 die erste klimaneutrale Universität Bayerns zu werden.

Dieses Ziel wird nicht von oben gesetzt, von der Staatsregierung, vielmehr kommt es von unten: Koordiniert vom Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit der Studierendenvertretung (Stuve) haben zunächst über zehn Hochschulgruppen binnen fünf Monaten ein Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskonzept für die FAU ausgearbeitet, das mittlerweile von 43 studentischen Gruppen unterstützt wird und durchaus Erfolgsaussichten hat, wenn alle Akteure, also auch Stadt und Freistaat, mitmachen.


Erlangen: Machtvolles Signal für mehr Klimaschutz


Vor wenigen Tagen präsentierten die Initiatoren es im Schloss der Öffentlichkeit und vor allen Uni-Präsident Prof. Joachim Hornegger (wie berichtet). Denn die Umsetzung gelingt nur, wenn auch Hochschulleitung und -verwaltung mitziehen. Schon bisher hat die Zusammenarbeit gut geklappt, etwa bei der Solarmobilität oder Photovoltaik, wo eine Anlage mit Darlehen von Studierenden finanziert werden konnte.

Papier mit 24 Seiten

Wie aber wollen die Studierenden den Klimaschutz voranbringen? Das Nachhaltigkeitskonzept umfasst sechs Handlungsfelder. Ganz oben steht als erstes Universitätsleitung und Verwaltung mit der Forderung, die einzelnen Punkte des 24-seitigen Papiers in den organisatorischen Strukturen der Uni zu verankern, um zu gewährleisten, dass es mit der Umsetzung in der Verwaltung klappt.

Dazu ruht das Konzept auf drei Säulen: Es soll erstens ein "Green Office" geben, das Ideen sammelt, weiterentwickelt und weitervermittelt. Regelmäßig sollen Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht werden. Gesteuert wird alles von einem Lenkungsausschuss (die zweite Säule), dem auch Vertreter der Uni-Spitze und aller Fakultäten angehören. Die dritte Säule ist ein Klimafonds für die Finanzierung.

Das zweite Handlungsfeld ist die Lehre und Forschung als Kernkompetenz der Universität. Sie müsse in dem Konzept fest verankert werden, heißt es in dem Papier. Den Anfang macht das erstmals angebotene Forschungsseminar zu Kooperation und Nachhaltigkeit. Klimakrise und mögliche Reaktionen sollen verstärkt Thema von Lehrveranstaltungen werden, beispielsweise auch bei den Ingenieurwissenschaften.

Vorgeschlagen wird außerdem, bis spätestens Ende 2022 ein Wahlpflichtmodul "Nachhaltigkeit, Ethik und Verantwortung" einzuführen, ebenso ein Start-up für ökologische Ideen. Durch öffentliche Vorträge und Podiumsdiskussionen zum Thema Ökologie und Nachhaltigkeit könne sich zudem die Uni zusätzlich profilieren.


Globaler Klimastreik: Tausende demonstrierten in der Region


Beim Handlungsfeld Infrastruktur fordert das Papier unter anderem eine dezentrale – also lokal organisierte – Bestandsaufnahme und Bewertung aller Gebäude unter ökologischen Gesichtspunkten. Bei Neubauten solle der anspruchsvolle Goldstandard für nachgewiesene Nachhaltigkeit eingehalten werden, zudem eine optimale Einbindung von Grün an Fassaden und Dächern sowie durch urbane Gärten.

Hohe Standards verlangt das Konzept bei allen Anschaffungen, etwa bei Möbeln und Geräten, bei Umzügen oder Ausmusterungen habe immer Wiederverwendung vor Verwertung den Vorzug zu bekommen. Ansonsten wird Vermeiden und Recyceln groß geschrieben.

PV-Anlagen für alle Dächer

Das führt zum Handlungsfeld, das mit Bewirtschaftung überschrieben ist, kurz: das Ziel eines funktionierenden Ressourcenkreislaufs. Dazu gehört die Ausstattung aller Hausdächer, Parkhäuser und Freiflächen mit Photovoltaik (PV)-Anlagen. Was darüber hinaus an Strom gebraucht wird, soll von zertifizierten Ökostromanbietern bezogen werden, begleitet von Stromsparmaßnahmen wie dem Umstieg auf LED-Beleuchtung.

Damit verbunden ist die politische Forderung nach einem verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien und der Beseitigung von Hemmnissen wie der 10-H-Regelung für Windkraftwerke. Für den Wärmebedarf sieht der Plan die stärkere Nutzung von Fernwärme sowie von Geothermie und Kraft-Wärme-Kopplung vor.

Ein wichtiges Handlungsfeld ist auch an der Uni die Mobilität. Um das Umsteigen auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu erleichtern, soll die FAU mit gutem Beispiel vorangehen und für alle Parkplätze Gebühren verlangen (die Einnahmen kämen dem Klimafonds zugute).

Parallel müssten Semester- und Jobtickets billiger werden. Bei Flugreisen ist vorgesehen, dass sie finanziell kompensiert werden sollen, mit einer Ausgleichsabgabe, die in den Uni-Klimafonds fließt, wobei nur noch Flüge ab 600 Kilometern als akzeptabel gelten.

Für alle kürzeren Strecken wird die Bahn empfohlen. Überhaupt sei es sinnvoller, Dienstreisen verstärkt durch Telefonkonferenzen zu ersetzen. Für ganz kurze Strecken empfehlen sich Dienstfahrräder und neue Anreize für alle Studierenden und Beschäftigte, aufs Rad umzusteigen, etwa durch mehr Radwege und Radständer. Zugleich soll der Uni-eigene Fuhrpark ökologisch aufgewertet werden. Das bedeutet, dass die FAU nachhaltige Logistikkonzepte der Stadt Erlangen unterstützen sollte.

Beim Handlungsfeld Veranstaltungen regt das Konzept einen Ideenwettbewerb aller Fakultäten an. Bei Festen sollte das Catering nach ökologischen Kriterien ausgesucht werden, was nicht nur ein größeres vegetarisches und veganes Angebot bedeutet, sondern auch den Vorzug für regionale Produkte.

Apropos Feste: Das Schlossgartenfest geriet ja jüngst wegen des Feuerwerks in die Kritik. Da biete sich, heißt es in dem Konzept, eine reizvolle Alternative an, die Mensch, Tier und Natur weniger belastet: nämlich eine Drohnenshow.

Mehr dazu finden Sie online auf der Website der Stuve

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