Forther kaufen wieder vor der Haustür ein

2.3.2020, 17:00 Uhr
Nicht Schnee, sondern Erde und Sand wurde in Forth geschaufelt — damit die Forther bald wieder ein Einkaufszentrum in ihrer Nähe haben. Anfang kommenden Jahres soll es soweit sein.

Nicht Schnee, sondern Erde und Sand wurde in Forth geschaufelt — damit die Forther bald wieder ein Einkaufszentrum in ihrer Nähe haben. Anfang kommenden Jahres soll es soweit sein. © Isabel Krieger

Im Januar soll Eröffnung sein, die Supermarktkette Rewe und Der Beck werden einziehen. Ende eines langen Kampfes um politische Visionen und wirtschaftliche Interessen.

Um kein anderes Projekt wurde in den vergangenen Jahren in Eckental so gerungen, wie um die Ansiedlung eines neuen Supermarktes in Forth. Als im November 2014 die Nah- und Gutfiliale im Zentrum des Ortes ihre Pforten schloss, war die Aufregung groß, obwohl zu diesem Zeitpunkt schon kaum mehr jemand dort eingekauft hatte.

Ab 2015 liefen die ersten Planungen für die Ansiedlung eines neuen Supermarktes, doch in den Ortskern von Forth, soviel war schnell klar, würde sich kein Investor mehr wagen. Zu wenig Parkplätze, zu wenig Laufkundschaft. Ein Supermarkt rechnet sich heute erst ab einer bestimmten Größe. Mindestens 1500 eher 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche müssen es sein, damit das Angebot gut präsentiert werden kann und der Kunde sich wohlfühlt und einkauft. Gute Erreichbarkeit mit dem Auto nicht zu vergessen.

Schnell machen zwei Varianten die Runde: Eine große und eine kleine Lösung. Statt eines Supermarktes soll am Ortseingang von Forth nun ein Gewerbegebiet entstehen. 25 000 bis 30 000 Quadratmeter sind im Gespräch, ein Projekt, das mehrere Fußballfelder umfassen würde. Die Gegner der so genannten "großen Lösung" gehen auf die Barrikaden. Die SPD fordert ein Ratsbegehren, die Gemeinde lädt zu Infoveranstaltungen.

Im April 2016 wird die "große Lösung" nach erbitterten Diskussionen von der Mehrheit des Gemeinderates abgelehnt. Zu groß. Der Investor allobjekt, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits die Grundstücke gesichert hat, entwirft eine kleinere Variante, bestehend aus Supermarkt, Nebengewerbe und Wohnungen. Diese wird im Frühjahr 2017 nach erneuten Diskussionen beschlossen. Noch immer ist unklar, was konkret passieren soll: Die SPD will sozialen Wohnungsbau haben, damit sie zustimmt, die anderen Fraktionen verhindern, dass Supermärkte aus anderen Eckentaler Ortsteilen nach Forth abwandern. Mal ist die eine, dann die andere Supermarktkette als Betreiber im Gespräch.

Im Juli 2017 dann ein Paukenschlag: Die Pläne für das Sondergebiet Einzelhandel sind vom Tisch. Der Marktgemeinderat stimmt dem Antrag von Grünen, SPD, Unabhängigen und Freien Wählern zu, die in letzter Minute die Prüfung eines Alternativstandortes für einen Vollsortimmenter auf die Tagesordnung setzen. Bis zum Entscheid, ob sich dieses Vorhaben realisieren lässt, wird der Aufstellungsbeschluss für das Sondergebiet Einzelhandel ausgesetzt.

Mit dem Dringlichkeitsantrag erreicht die Debatte über die Nahversorgung in Forth einen neuen Höhepunkt. Über eine Online-Petition hatten bereits im Frühjahr die Gegner mehrere hundert Unterschriften gegen das Sondergebiet am Ortseingang von Forth gesammelt. Nun stehen die Planungen wieder ganz am Anfang. Werden wir jemals wieder Milch im Ort einkaufen können, fragen sich derweil die Forther.

Im Frühjahr 2018 fast schon leise und von den Bürgern kaum mehr erhofft, dann ein neuer und endgültiger Entschluss: Der Bau- und Umweltausschuss Eckental stimmt neuen und deutlich verkleinerten Planungen für Forth zu. Das Thema Gewerbegebiet in Forth-Süd ist vom Tisch. Nach mehr als vier Jahren ist der Weg endlich frei für die Ansiedlung eines Supermarktes.

Von all dem ist beim Spatenstich für den Vollsortimmenter am Freitagvormittag nicht mehr viel zu spüren. Schnee hat den Acker am südlichen Ortseingang von Forth in strahlendes Weiß getaucht, die Sonne scheint, die Spaten stehen bereit. SPD, Grüne und die Unabhängigen fehlen, es ist Wahlkampf und in dem Projekt prallten über Jahre hinweg gegensätzliche politische Überzeugungen aufeinander. Eckentals Bürgermeisterin Ilse Dölle, stets eine Befürworterin des Forther Gewerbegebietes, strahlt. Sie ist froh, dass endlich gebaut wird und die Diskussionen ein Ende haben.

Ein guter Tag für die Forther sei das, sagt sie, doch nicht nur für die: "Der Supermarkt ist ja auch für das Umland da". Auch allobjekt-Geschäftsführerin Claudia Roth zeigt gute Laune und beweist Galgenhumor. So lange habe noch kein Projekt gedauert, meint die Würzburgerin, sechs Jahre sind seit den ersten Planungen ins Land gegangen, "was lange währt...".

Bei Häppchen und Sekt wird im blauen Baucontainer am Ende angestoßen. Sobald das Wetter besser wird, soll es losgehen mit dem Rohbau, im Januar soll der neue Supermarkt in Forth dann eröffnen. Sieben Millionen Euro investiert allobjekt, 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche wird der Rewe-Markt der neuen Generation haben und mit dem Auto über die B2 mit eigener Abbiegespur von allen Richtungen aus gut erreichbar sein. Ende gut, alles gut.