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Für die Hupfla in Erlangen ist es fünf vor zwölf

Bauvoranfrage für den Teilabbruch des denkmalgeschützten Gebäudes liegt vor - 03.10.2018 18:15 Uhr

Von der Hupfla ist nur noch der Nordflügel erhalten. Er soll Platz für neue Forschungseinrichtungen machen. © Harald Sippel


Bayerns König Ludwig I. hatte ein Faible für die florentinische Renaissance. Und weil er davon so angetan war, ließ er zahlreiche öffentliche Bauten in diesem Stil errichten – auch die Psychiatrische Klinik in Erlangen, die 1846 eröffnet wurde. Der über 160 Meter lange verbliebene Nordflügel der ursprünglichen, kreuzförmigen Anlage soll nun (teil-)abgebrochen werden. Dazu liegt seit vergangenen Freitag dem Bauaufsichtsamt der Stadt eine entsprechende Anfrage vor.

Für den Erhalt und gegen den Abriss ziehen Erlanger Denkmalschützer schon seit Längerem zu Felde. Weichen soll das Gebäude einem Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin und zwei weiteren Gebäude des bereits bestehenden sogenannten Translational Research Centers (wir berichteten ausführlich).

Unterstützung erhalten die Denkmalschützer jetzt auch durch das Denkmalnetz Bayern (DNB), einem Zusammenschluss Denkmalbegeisterter aus ganz Bayern, dem seit seiner Gründung 2012 über 130 Initiativen beigetreten sind — von der kleinen Bürgerinitiative bis hin zu großen, traditionsreichen Vereinen mit mehreren Tausend Mitgliedern wie den Altstadtfreunden Nürnberg. Das DNB setzt sich dabei nicht nur für den vollständigen Erhalt des (in Nutzung befindlichen) Baudenkmals ein, sondern will es auch als Mahn- und Erinnerungsort für die Greueltaten des Nationalsozialismus stehen lassen.

Zur Erinnerung: In den 1940er Jahren waren die, seit dem frühen 20. Jahrhundert Heil- und Pflegeanstalten genannten Einrichtungen, auch Täterorte der sogenannten Euthanasie. Für das DNB sind historische psychiatrische Klinikbauten wie in Erlangen "somit bauliche Zeugnisse der Sozial- und Medizingeschichte, wie auch Mahn- und Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus, deren Erhalt im (besonderen) öffentlichen Interesse liegen muss".

Kritik an den Abrissplänen gibt es wie berichtet zudem von Dinah Radtke, Mitbegründerin des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben Behinderter (ZSL). Die Erlanger Ehrenbürgerin möchte den historischen Gebäudekomplex ebenfalls in einen Erinnerungsort für die Opfer der von den Nazis getöteten Patienten erhalten. Unterstützung erhält Radtke dabei unter anderen durch die SPD-Bezirks- und -Stadträtin Gisela Niclas.

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