Storchen-Expertin beruhigt: So helfen sich die Tiere im Winter

9.2.2021, 15:30 Uhr
„Sie haben ihre Daunenjacken schon an“: Das Storchen-Ehepaar trotzt auf dem Gebäude der Steinbach Brauerei derzeit Schnee und Kälte.

„Sie haben ihre Daunenjacken schon an“: Das Storchen-Ehepaar trotzt auf dem Gebäude der Steinbach Brauerei derzeit Schnee und Kälte. © Screenshot: Webcam Steinbach Bräu

Der Winter hat mit eisigen Temperaturen noch einmal Einzug erhalten, in der Nacht auf Montag standen beide offensichtlich sehr traurig nebeneinander in ihrem Nest, das Gefieder aufgeplustert, während Schneeflocken um sie herum tanzten. Und das wird wohl noch einige Tage so andauern, wenn man auf den Wetterbericht blickt.

Angst um diese und alle weiteren Störche in Bayern, sagt Oda Wieding, Storchenexpertin vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), muss man aber nicht haben, auch wenn noch sehr viel eisigere Temperaturen folgen sollen. Im Gegenteil: Die Störche halten einiges an Kälte aus, rund 300 Tiere überwintern Jahr für Jahr in Bayern. So wohl auch die Storchendame vom Steinbach Bräu, die im Nürnberger Zoo die Wintertage verbringt. Ihr Gemahl hingegen zieht westwärts – und den wird der Temperaturschock nun nach Tagen in der Sonne schon um einiges härter treffen.

Einige Tage ohne Futter

Aber auch um ihn, sagt Wieding, muss man wirklich keine Angst haben. "Bei der gegenwärtigen Größe der Störche kann man getrost annehmen, dass sie einige Tage ohne Futter auskommen", sagt die Expertin. Anders die Singvögel, denen man eine Futterstelle bei geschlossener Schneedecke aufbauen kann. Diese muss man dann aber unbedingt regelmäßig füllen, da sich die Vögel ans Füttern gewöhnen.

Anders der Storch, dem man nichts aufbauen muss – und auch keine Fischabfälle zuwerfen soll: "Es ist durch die Satellitenortung, mit der wir einige Tiere versehen haben, nachweisbar, dass sie bei Not in die einige Kilometer entfernten Kompostierungsanlagen fliegen und sich dort Mäuse schnappen", sagt Oda Wieding. Die Tiere wissen sich also zu helfen bei Futtermangel.

Peilsender an den Störchen

Auch beobachten die LBV-Experten seit Jahren ihre mit Peilsendern ausgestatteten Störche, um mehr über ihre Flugrouten herauszufinden. Die Ergebnisse kann man auf der Website www.lbv.de verfolgen, immer wieder schreibt Oda Wieding anschaulich, wo die Tiere sich gerade aufhalten. Das klingt dann etwa so: "Klippi funkt mal wieder aus dem Tschad. Er hat in Süddarfur überwintert, den Sommer anscheinend in Israel verbracht und ist jetzt wieder nach Afrika geflogen. Dort gibt es nur wenig Funkkontakt."

Manche überwintern auf Müllhalden Nahe Madrid oder in der Camargue in Südfrankreich. "Baar-Ebenhausen hat sich verflogen und nicht den Weg nach Afrika über den Kanal von Suez genommen, sondern hängt jetzt rum an der Südspitze der Sinai-Halbinsel." Auch das kommt vor. Erlanger Störche sind leider nicht mit Peilsendern versehen.

Clevere Energiesparer

Dafür haben sie gelernt, Energie zu sparen. Bedeutet: Wenn sie unbeweglich längere Zeit auf einer Stelle stehen, ein Bein womöglich noch eingezogen, heißt das nicht, dass sie am Erfrieren sind. "Sie haben ihre Daunenjacke schon an", sagt Wieding. Bedeutet: Die Wärme der Federn, die wir uns in einer Jacke zu Nutze machen, tragen die Störche schon am Körper. Zudem besitzen sie ein ausgeklügeltes Wärmesystem, das die Füße nicht kalt werden lässt. Sollte es doch einmal zu kalt werden, wissen sie sich auch hier zu helfen und suchen sich Laternen oder fließendes Gewässer, auf beziehungsweise in das sie sich dann stellen, um sich zu wärmen.

"Man kann ihnen nur helfen, in dem man sie in Ruhe lässt, also auf den Wegen bleibt und seine Hunde anleint", sagt Oda Wieding. Wenn die Störche auf Futtersuche aufgeschreckt werden, ist es vorbei mit dem Energiesparen: Todesangst kostet Kraft. Wer grundsätzlich ein Herz für Störche hat, kann eine Patenschaft über den LBV eingehen. Mit den Spendengeldern werden dann zum Beispiel die Nester ausgebessert. Aus denen, ist sich Oda Wieding sicher, wird auch im Sommer 2021 wieder der Nachwuchs frech klappern – egal, wie hart letztlich der Winter war.

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