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Friedensbotschaften am Gräfenberger Kriegerdenkmal

Der Bildhauer Wolfram von Bieren hat zwei Handläufe gestaltet - 11.06.2015 15:26 Uhr

„Es gibt keinen Weg zum Frieden — Frieden ist der Weg“: Der Künstler Wolfram von Bieren hat auf eine der zwei Bronze-Tafeln am Aufgang zum Gräfenberger Kriegerdenkmal einen Spruch von Mahatma Gandhi angebracht. © Edgar Pfrogner


Die Aufmärsche der Neonazis im beschaulichen Gräfenberg hat Wolfram von Bieren regelmäßig in der Zeitung verfolgt. Voller Bewunderung war der Künstler für die rührigen Aktivisten des vielfach ausgezeichneten Bürgerforums. Denn das Bündnis bot den Rechtsextremisten mit einfallsreichen Aktionen so lange Paroli, bis sie Ende 2009 nicht mehr ausreichend „Gesinnungsfreunde“ für die Kundgebungen mobilisieren konnten und sich aus dem 4000-Seelen-Ort zurückzogen. „Mich haben die Kreativität und der Mut von den Mitstreitern tief beeindruckt“, sagt von Bieren, „war aber selbst nie bei den Gegendemonstrationen dabei.“

Zugang zu Bauwerk gesperrt

Heute ist der Bildhauer, der in Buckenhof (Landkreis Erlangen-Höchstadt) lebt und in Effeltrich sein Atelier hat, nicht nur beim Gräfenberger Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit dabei, sondern dafür sogar eine Art Katalysator. Genau an jenem Ort, der zum Sinn- und Schreckensbild der rechtsradikalen Umtriebe wurde, sind nun seine Kunstwerke zu sehen – nämlich am Treppenaufgang zum monumentalen Kriegerdenkmal auf dem Gräfenberger Michelsberg.

Weil das Mahnmal schnell zur Pilgerstätte für alte und neue Nazis sogar dem Ausland wurde, hatte der Stadtrat in Gräfenberg den Zugang zu dem Bauwerk gesperrt und schon 2008 eine künstlerische Umgestaltung beschlossen. Kritik der Bewohner an dem Vorhaben und finanzielle Hürden hatten das Projekt aber immer wieder verschoben.

Doch am Freitag wird der Wunsch der Räte und des Bürgerforums verwirklicht: In einem Festakt mit Politikern, dem Künstler und Schülern der Ritter-Wirnt-Realschule wird von Bierens Werk enthüllt. Ermöglicht haben das unter anderem die das Engagement des Bürgerforums und zahlreicher freiwillige Helfer wie der Kulturreferentin und Stadträtin Renate Krause (FW) sowie Sponsoren, darunter allen voran der Verleger der Nürnberger Nachrichten mit seinen Heimatzeitungen, Bruno Schnell, als auch die Bürgerbewegung für Menschenwürde Mittelfranken.

Zwei etwa jeweils 1,40 Meter lange Tafeln aus Bronze hat der Bildhauer, der ehrenamtlich fast genau zwei Jahre mit Herzblut bei der Sache war, erschaffen; angebracht hat er sein Werk mit dem Titel „Handläufe“ an die beiden Pfeiler rechts und links beim Treppenaufstieg: Auf der linken Seite steht der Mahatma-Gandhi-Satz „Es gibt keinen Weg zum Frieden – der Frieden ist der Weg“; gegenüber davon findet sich ein ebenfalls pazifistisches Zitat des Propheten Jesaja: „Und Frieden wird sein der Gerechtigkeit Frucht.“

Die Enthüllung erfolgt am Freitag, 12. Juni, um 18.30 Uhr.

Der Programmablauf:
1. Posaunenchor (Leitung Andrea Kasch)
2. Begrüßung und Sponsoren-Dank (1. Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla, eventuell weitere Grußworte)
3. Gedicht: "Wozu sind Kriegerdenkmäler da?“ (Manfred Schwab)
4. Enthüllung der Handläufe mit Inschriften (Künstler Wolfram von Bieren)
5. Lied: "Wir singen für den Frieden“ (Schülerinnen und Schüler der Realschule Gräfenberg, Leitung Irmgard Reck)
6. Lesung: "Gräfenberg ist bunt und beispielhaft“ (Manfred Schwab, aus dem Buch „Nachdenken über NSX“)
7. Posaunenchor
8. Gedicht: "Am besten du" (Inken Weiand, aus "Nachdenken über NSX“, Lesung MS)
9. Redebeitrag des Bürgerforums Gräfenberg (Günter Pierdzig)
10. Luther-King-Lied (Realschüler-Chor)

  

SHARON CHAFFIN

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