Fünf Seidla stärken den Wanderer

13.10.2010, 12:06 Uhr

© Reinhard Löwisch

Mit dem Steig ist vermutlich das Ansteigen des Wanderweges von der Weißenoher Klosterbrauerei nach Thuisbrunn hinauf gemeint, was immerhin mehr als 130 Höhenmeter ausmacht — mit je einem halben Liter Bier pro besuchter Brauerei intus durchaus eine sportliche Leistung.

Insider gehen deshalb den Weg in entgegengesetzter Richtung: Sie lassen das Auto in Egloffstein stehen am Wanderparkplatz und laufen hoch übers Todtsfeldtal nach Thuisbrunn, wo die eigentliche Biertrink-Wanderung mit einem frischen Pils oder Dunklen im Gasthaus Seitz, dem Stammsitz der erst vor drei Jahren von Georg Kugler eröffneten Brauerei Elch, beginnt. In Hohenschwärz, der nächsten Station, erwartet 20 Minuten später die Brauerei Hofmann mit einem bernsteinfarbenen Exportbier die durstigen Kehlen. Hier wird die Sudpfanne noch mit einem Holzofen befeuert und es gibt nur die eine Sorte Bier. Außerdem bietet die Wirtin einen „Shuttle-Service“ zum Gräfenberger Bahnhof an.

Viele Geschmacksrichtungen

3,5 Kilometer weiter liegt schon Gräfenberg mit seinen beiden Brauereien Friedmann und Lindenbräu. Erstere braut sechs Biersorten; für jeden Geschmack ist also etwas dabei; darunter ist der „Ritter-Wirnt-Trunk“ der nach dem mittelalterlichen Gräfenberger Minnesänger benannt ist. Im Bräustüberl und auf dem Bergschlösschenkeller kann das „flüssige Lebensmittel“ genossen werden. Nicht minder gut ist der „Lindenbräu“ aufgestellt mit ebenfalls sechs Geschmacksrichtungen, die man in der mit Hopfendolden behängten gemütlichen Wirtsstube genießt.

Mit zwei Besonderheiten wartet die Brauerei auf: Man malzt noch selber, womit natürlich auch der Geschmack des „Brehmer-Öls“ beeinflusst wird. Eine weitere Besonderheit ist das kleine Brauereimuseum im Nachbarhaus, dass der Vater der jetzigen Besitzerin, Georg Brehmer, vor Jahren eingerichtet hat. Es enthält tausende alter Steingut-Maßkrüge und altes Brauereiwerkzeug; viele Stücke erzählen von der harten Arbeit früherer Braumeistergenerationen. Apropos Braumeister: Auf dem Fünf-Seidla-Steig brauen vier Frauen in drei Brauereien das Bier — einmalig in der Region mit seinen 74 Brauereien. In Hohenschwärz ist es Elfriede Hofmann, in Gräfenberg Irene Brehmer-Stockum und Siggi Friedmann mit ihrer Tochter Bärbel.

Die letzte (oder erste) Station des Wanderweges ist — je nach Laufrichtung — die Klosterbrauerei in Weißenohe. Sie ist die größte der fünf Brauereien am Weg mit zwölf Biersorten und zwei Mischgetränken, wovon das eine ein Hanfbier mit Namen „Cannabis Club“ ist. Von hier aus kann man mit dem Bus zurück nach Egloffstein, wenn dort das Auto steht, oder mit dem Zug weiter nach Nürnberg fahren, wenn man aus dieser Richtung gekommen ist.