Sonntag, 08.12.2019

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Hemhofen: Grimmige Hähne spielen Football

Beim TSV Hemhofen hat sich eine Truppe gebildet, die gleich ambitioniert in den Liga-Betrieb startet - 02.03.2018 19:16 Uhr

Früher hat Ralf Ober (links) in Norddeutschland Gegenspieler umgerannt, heute macht er das beim TSV Hemhofen. © Thomas Hahn


Es ist knapp 20 Jahre her, dass Ralf Ober sich den goldenen Football-Helm über den Kopf gestülpt hat. Jetzt, mit 52, macht er es trotzdem wieder. "Wenn man es einmal drin hat, dann leckt man Blut", sagt er grinsend. Als es die Gelegenheit gab, zu seinem alten Lieblingssport zurückzukehren, hat er keine Sekunde gezögert.

Früher, in den Achtzigern, hat Ober in Norddeutschland gespielt, bis hinauf in die 2. Liga. Doch das waren noch ganz andere Zeiten, sagt er, weniger professionell. Den Hype, der heute auch in Deutschland um den Super Bowl gemacht wird, gab es damals noch nicht.

Für Football hat Ober sich zu begeistern angefangen, als er amerikanische Soldaten beim Spielen im Stadtpark beobachtete. Vor Jahren ist er berufsbedingt nach Erlangen gezogen – da traf es sich gut, dass die Football-Leidenschaft, die seit einiger Zeit in Deutschland grassiert und die beispielsweise dafür sorgt, dass die Bamberg Phantoms in Forchheim trainieren, auch das kleine Hemhofen erreicht hat.

Hier haben Theofanis Triantafillos (28) und Ralf Gambel (25) mit anderen Begeisterten die "Hemhofen Gechers" ins Leben gerufen. Der Sport ist amerikanisch, der Name sollte es nicht auch noch sein, sagt Triantafillos.

Also kam man auf das fränkische Wort für Hahn, der jetzt grimmig vom Wappen schaut. Er symbolisiert die Herkunft der neuen Football-Abteilung des TSV Hemhofen: Die meisten der Spieler kommen vom Dorf. Ein bisschen Augenzwinkern ist auch dabei, schließlich gilt American Football eher als ein Sport für harte Männer als für Hühner, respektive Hähne. Auch wenn sie noch so grimmig sind.

Obwohl das Klischee vom muskelbepackten Football-Spieler eben auch nur das ist: ein Klischee. "Der Sport bietet für jeden Körpertyp die richtige Position", sagt Triantafillos: "Wir haben Leute dabei, die hatten mit Sport vorher gar nichts zu tun und sind jetzt bei jedem Training dabei."

Er und sein Vorstandskollege Gambel kommen allerdings aus dem Kraftsport, denn natürlich spielt etwa Schnellkraft auf vielen Positionen im Football eine wichtige Rolle. Und der Kopf: Die Spielzüge, die im "Playbook" des Trainers niedergeschrieben sind, muss jeder lernen.

Angefangen hat alles damit, dass ein paar Hemhofener Football-Fans einen Stammtisch gründeten und sich am Sportplatz ein paar Bälle zuwarfen. Daraus ist inzwischen eine eigene Abteilung mit 32 Mitgliedern zwischen 18 und 38 Jahren geworden – Ober ist mit seinen 52 bislang die Ausnahme.

Im Frühjahr will das junge Team bereits in den Liga-Betrieb starten. In der Aufbauliga Nord soll es gegen Teams aus Coburg, Neustadt/Aisch, Nürnberg und Schweinfurt gehen. Die Saison startet im Juni. Überall in Bayern sprießen neue Teams aus dem Boden. "Es ist ein totaler Hype da", sagt Triantafillos.

Ein Hype, der allerdings einen Nährboden braucht. Der American Football Verband Bayern hat strenge Regeln für seine Vereine. Schon ab dem zweiten Jahr muss eine funktionierende Jugendarbeit nachgewiesen werden.

In anderer Beziehung nehmen die Regeln aber Rücksicht darauf, dass American Football in Deutschland nicht gerade ein etablierter Sport ist. So dürfen zum Beispiel auch Fußballtore als sogenannte field goals herhalten. Das sind die Torstangen, durch welche die Footballer den Ball dreschen. Realistisch gesehen werden wohl die meisten Football-Spiele in Bayern auf Fußballplätzen ausgetragen werden.

So auch in Hemhofen, wo die "Gechers" zum Beispiel im Rahmen des 90-jährigen Vereinsjubiläums des TSV auch auf dem A-Platz spielen werden. Mit dabei sein soll bei allen Partien ein Stadionsprecher, der den Zuschauern die nicht immer einfachen Regeln erklärt. Gespielt wird in der Aufbauliga nach solchen, die sich am amerikanischen College-Football orientieren – und nicht am komplexen Regelwerk der Profiliga NFL.

Dass sich die Hemhofener Hobby-Footballer innerhalb von wenigen Monaten zu so einer ambitionierten Truppe entwickelt haben, hat auch mit ihrem Trainer zu tun. Thomas Sinner hat 2003 mit seinem Bruder die Erlangen Sharks gegründet, die heute in der Bayernliga Nord spielen. Die Trainingsmethoden sind den Ambitionen des Teams angepasst – sogar die Videoanalyse kam schon zum Einsatz. Die "Gechers" meinen es ernst mit dem Football.

ZDie "Gechers" suchen immer noch nach Spielern. Interessierte können sich bei Theofanis Triantafillos unter der Telefonnummer 0176/82 39 28 00 melden.

Alexander Pfaehler E-Mail

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