Kommentar

Nicht nur das Abwasser: In Hallerndorf gärt es schon länger

11.5.2021, 08:05 Uhr
Die Kläranlage von Hallerndorf und Eggolsheim - an ihr entzündet sich der aktuelle Konflikt. 

Die Kläranlage von Hallerndorf und Eggolsheim - an ihr entzündet sich der aktuelle Konflikt.  © Johannes Götz

Es gehört jedenfalls nicht wirklich viel Menschenkenntnis dazu, um zu konstatieren, dass der aktuelle CSU-Ortsvorsitzende namens Gunselmann und der neue Chef im Rathaus namens Bauer wohl keine Freunde mehr werden. Und das war auch schon lang vor der Kommunalwahl im März 2020 so, als Bauer noch einfaches Mitglied des Gemeinderats war und Gunselmann auf dem Bürgermeisterstuhl saß.

Die Gründe für die gegenseitige Abneigung müssen auch nicht zwingend in der Politik liegen. Man kann sich ja auch privat nicht mögen. Ein Dorf kann ziemlich klein sein. Und verwandtschaftliche und betriebliche Interessen könnten auch beim Abwasser nah beieinander liegen.

Aktuell argumentieren die beiden Seiten auf der politischen Ebene für ihre jeweilige Position in Sachen Abwasser. Im Hintergrund versammeln die Kontrahenten seit Längerem ihre Allianzen hinter sich und Anlässe, sich gegenseitig in die Suppe zu spucken, werden dankbar aufgegriffen und genutzt.

Das kann durchaus Vorteile für das Dorf haben: Wenn die lokalen Akteure wissen, dass ihnen immer jemand auf die Finger schaut, verringert das die Versuchung, sich Regelverstöße zu leisten. Andererseits fließt so auch viel Energie ins Streiten. Für das Finden konstruktiver Lösungen fehlen dann vielleicht Zeit und Kraft. Das wäre schlecht fürs Dorf.

Die Probleme beim Abwasser sind real und sie gehören angepackt. Die Lösung dafür muss nicht nur gut funktionieren, sondern auch gerecht sein. Dass um das "Wie?" leidenschaftlich gerungen wird, kann in der Politik ein Ansporn für die Kreativität aller Beteiligten sein. Nur eines sollte dabei nicht passieren: Dass das eigentliche Ziel – die gute Lösung für das Gemeinwesen – aus dem Blick gerät.

Keine Kommentare