Wenn die Löffel am Finger kleben bleiben

3.10.2013, 15:00 Uhr
Die Löffel fallen nicht von den Fingern herunter, obwohl sie nachweislich nicht festgeklebt sind.

Die Löffel fallen nicht von den Fingern herunter, obwohl sie nachweislich nicht festgeklebt sind. © Roland Huber

Peter Magsam, selbstständiger Software-Entwickler, kennt den skeptischen Blick und er lächelt verständnisvoll: „Ja, ja, ich habe das auch nicht geglaubt“, sagt er. Aber schon zu oft habe er die positive Wirkung der Gabe seiner Frau Olesia erlebt. „Es hat auch null mit Esoterik zu tun“, setzt er nach.

Und dann erzählt er von Erwin, einem Rentner aus der Nachbarschaft, der mit Sicherheit nicht an außergewöhnliche Kräfte glaube. Also, der Erwin hatte Probleme mit seinem Arm, er konnte ihn nicht mehr heben, Arztbesuche haben ihm nicht geholfen, da wandte er sich an seine Nachbarin. „Olesia hat ihn behandelt und er konnte seinen Arm wieder heben“, erzählt Peter Magsam.

Im Internet kennengelernt

Olesia Magsam stammt aus Charkow in der Ukraine. Sie hat eine Ausbildung als Masseurin gemacht. Ihren Mann hat sie vor gut vier Jahren im Internet kennengelernt. „Wir haben uns ein halbes Jahr lang jeden Abend drei Stunden lang über Skype unterhalten.“ Dann haben die beiden geheiratet, jetzt leben sie in Wichsenstein — mit Hund Atayu und Kater Jane.

Ihre ungewöhnlichen Kräfte habe sie per Zufall entdeckt, erzählt sie zu Hause am Küchentisch. Sie habe vor 22 Jahren im Fernsehen eine Reportage gesehen, in der jemand gezeigt hat, dass er einen Löffel an der aufrecht gestreckten Hand halten kann, ohne ihn festzuhalten. „Da habe ich gespürt, das kann ich auch.“ Und es ging tatsächlich.

Zum Beweis demonstriert sie ihre Fähigkeit. Sie muss sich konzentrieren: Sie legt ihre Hände wie zum Gebet aneinander, schließt kurz die Augen. Dann nimmt sie einen ganz normalen Löffel und hält ihn an die senkrecht geöffnete Handfläche — und der Löffel bleibt an ihrer Hand hängen, als wäre sie ein Magnet.

Sie nimmt einen weiteren Löffel, dann noch einen und noch einen, befestigt sie mit Tesafilm am Stiel aneinander und hängt das Bündel an ihre Handfläche — und es bleibt dort wie angeklebt, ist es aber nicht. Auch ein Bügeleisen legt sie mit der Glättplatte an ihre Handfläche — und das schwere Gerät gehorcht nicht der Schwerkraft, es fällt nicht herunter.

Ein leichtes Prickeln

„Sie können alles überprüfen“, sagt Olesia Magsam. Sie zeigt ihre Hände, dort ist nichts, rein gar nichts Außergewöhnliches zu sehen. Sie hält ihre ausgestreckte Hand an meine Hand und es ist ein kühler Hauch, ein leichtes Prickeln zu spüren. Ich teste das mit dem Löffel: Hänge ihn an ihre Handfläche, er bleibt einfach haften. Als ich ihn wegziehe, ist ein kleiner Ruck zu spüren, wie wenn man ein Metall von einem Magneten löst. Mit 15 Jahren sei sie in der Ukraine einmal im Krankenhaus gewesen. Eine ältere Frau lag mit ihr im Zimmer, sie konnte nicht schlafen. Sie habe ihr über den Kopf gestreichelt und die Frau konnte nachts wunderbar schlafen, erzählt sie.

Da habe sie gemerkt, dass sie ihre ungewöhnlichen Kräfte auch heilend einsetzen kann. Das klingt ganz schön mystisch. Olesia lächelt und sagt: „Viele Menschen glauben das nicht, sie lachen. Aber was hilft, ist gut.“ Sie habe Menschen mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder mit Schlafbeschwerden schon gut helfen können.

In der Ukraine habe sie Angebote gehabt, ihre Fähigkeiten in großen Gruppen zu zeigen, sie zu vermarkten. Doch das lehnt die 37-Jährige ab. „Meine Heilkräfte sind ein Geschenk Gottes“, ist sie überzeugt. Sie und ihr Mann seien gläubige Christen, aktiv in der Freien evangelischen Gemeinde in Kirchehrenbach. „Wenn man diese Kraft vermarktet, dann ist sie weg.“ Aus diesem Grunde nehme sie auch kein Geld — und sie habe bisher nur Bekannten geholfen, die sie darum gebeten haben.

Kann sie sich erklären, wie ihre Kräfte wirken? „Ich weiß nicht, aber die Leute fühlen sich später besser. Das ist wichtig“, antwortet sie. Auch das will ich nachprüfen. „Ich bin zurzeit im Nackenbereich sehr verspannt. Können Sie mich behandeln?“ Das sei kein Problem, meint Olesia Magsam.

Sie reibt sich kurz die Hände und knetet, streicht und massiert vorsichtig meinen Nacken und den Schulterbereich. Immer wieder hält sie ihre Hände knapp über meinen Kopf und ich fühle, wie meine Haare wie elektrisiert nach oben stehen. Nach 20 Minuten ist sie fertig. Mein Nacken fühlt sich warm und gelockert an. „Was hilft, zählt“, denke ich. Erklären kann ich es nicht.

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