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Cadolzburger Modell ist Vorbild in Mittelfranken

Ehrenamtliche Schülercoaches trafen sich zum Erfahrungsaustausch - 01.04.2013 22:00 Uhr

Peter Held, hier im Gespräch mit Schülerinnen, hat das Cadolzburger Modell entwickelt. Die Schülercoaches sind inzwischen in der ganzen Region gefragt. © Günter Distler


„An Ord’n kannst scho gräjng, obber a Geld fürn Held gibt’s ned.“ In seinem humorigen Impulsreferat, das er als Zwiegespräch mit seinem Gartenzwerg Fritz zum Besten gab, hat es der ehemalige Leiter der Mittelschule, Norbert Autenrieth, aus der Sicht der Schülercoaches auf den Punkt gebracht. Öffentliche Anerkennung in Form von Auszeichnungen sind schön und gut, aber um noch mehr zu erreichen, wäre ein wenig finanzielle Förderung von staatlichen Stellen äußerst hilfreich.

Für den von Autenrieth gemeinten Initiator des Schülercoach-Projekts, Peter Held, ist dessen Konzept Segen und Fluch zugleich: „Wir liefern eine emotionale Zuwendung, die nicht messbar und nicht bewertbar ist.“ Während andere institutionalisierte Programme mit Vermittlungszahlen von Schülern in Ausbildungsberufe glänzen können, hinterfragt Held diese zahlenfixierte Praxis: „Wir wissen ja gar nicht, ob die Jugendlichen diesen Beruf tatsächlich wollen, die Probezeit schaffen oder die Lehre irgendwann doch hinwerfen.“

Das „Cadolzburger Modell“ unterscheidet sich von ähnlichen Projekten durch seinen ganzheitlichen Ansatz („Persönlichkeit — Schule — Ausbildung“) und seine nachhaltige, über mehrere Jahre geplante Tandembeziehung zwischen Coach und Jugendlichen bei gleichzeitiger Abwesenheit institutioneller Autorität, wie sie zum Beispiel Lehrer darstellen. Peter Held und sein Projekt wurden dafür unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, der Verdienstmedaille des Landkreises Fürth und dem Mittelfränkischen Integrationspreis ausgezeichnet.

Wurzeln und Flügel

Um seine Stiftung „Der Schülecoach“ zu beschreiben, wählt der 68-Jährige Bilder aus der Tier- und Pflanzenwelt. „Die Kinder sollen nicht nur Wurzeln schlagen, sondern Flügel bekommen“, lautet eine seiner Maximen. Als Hilfe zur aktuellen Verbesserung der Lebensqualität gedacht, sollen die Mädchen und Jungen „nicht gefüttert und umhegt werden wie Tiere im Zoo, weil man die später auch nicht mehr auswildern kann“. Auf den jungen Menschen übertragen: Nur selbstständige, erfolgreich „ausgewilderte“ Heranwachsende können ein selbstbestimmtes und damit glückliches Leben führen.

Nicht die Vermittlung in den Arbeitsmarkt oder die Nachqualifizierung stehen bei Peter Held und seinen ehrenamtlichen Mitstreitern im Vordergrund, sondern die optimale Entwicklung des persönlichen Potentials. Um dies weiterhin mit Erfolg praktizieren zu können, war das Treffen der mittelfränkischen Teamleiter in Cadolzburg auch zur Reflexion gedacht. In Arbeitsgruppen erörterten die Teilnehmer Themen wie Eigenmotivation, Aus- und Weiterbildung der Coaches, Werbung neuer Coaches oder Öffentlichkeitsarbeit und Sponsorensuche. „Wir bekommen keinen Cent von offizieller Stelle“, macht Held deutlich. Nur dank privater Spenden halte sich das Projekt über Wasser, „damit tun wir jede Menge Gutes, aber es wäre noch viel mehr möglich“.

Mit inzwischen über 300 Schülercoaches in der Metropolregion sind die Kapazitätsgrenzen erreicht. „Was wir vorne aufbauen, fällt hinten wieder runter“, so Peter Held bedauernd. Nötig wären daher professionellere Strukturen, etwa ein hauptamtliches Servicebüro. Die Nachfrage schätzt er auf rund 1000 Siebtklässler in der Region.

Wer sich selbst engagieren oder die Stiftung finanziell unterstützen möchte, findet Infos unter www.der-schuelercoach.de
  

A. LEBERZAMMER

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