Der Kleeblatt Campus sucht die nächsten Manager

11.7.2016, 06:00 Uhr

© Foto: Thomas Scherer

Die Atmosphäre hat etwas. Rechts der Blick auf den Stadionrasen, links mehrere Fernsehbildschirme, die die Powerpoint-Präsentation des Dozenten für jeden gut lesbar übertragen. Während die Bauarbeiter an der neuen Haupttribüne gegen Freitagmittag langsam ins Schwitzen kommen, weht durch den abgedunkelten großen Raum im VIP-Gebäude des Ronhofs ein angenehmes Lüftchen. Ein schöner Ort für einen Hörsaal.

Für den Abend erwarten die Studenten einen besonderen Gastdozenten: Rainer Ernst, Deutschlands "Rasenpapst". Der Landschaftsarchitekt verlegt Fußballfelder, die deutsche Nationalmannschaft etwa ließ ihn dafür extra ins Campo de Bahia nach Brasilien einfliegen. Aber auch Christian Seifert, Vorsitzender der Deutschen Fußball-Liga, war schon in Fürth und plauderte über seinen milliardenschweren Fernsehvertrag, DFB-Sportdirektor Hansi Flick sprach über "die Mannschaft".

Ein neuer Uli Hoeneß? Bitte nicht!

Es ist das Netzwerk von Kleeblatt-Präsident Helmut Hack, das das Fernstudium zum Sportmanager so attraktiv macht, dass sich mehr Leute bewerben als Kathrin Lehmann annehmen kann. Die 36-jährige Züricherin ist Geschäftsführerin der Sportbusiness Campus GmbH, der Fernuni hinter dem Kleeblatt Campus mit Sitz in München.

Wie viele genau sie bereits ablehnen musste, will sie nicht verraten, "um niemandem den Mut zu nehmen". Denn ihr ist wichtig, dass die Zielgruppe sehr weit gefasst ist: "Jemand, der in der Gastro arbeitet und einen 2,7er-Abi-Schnitt hat, kann auch geeignet sein." Einen Numerus Clausus gibt es nicht. Denn ihr Credo ist, die aufzunehmen, "die es wirklich wollen". Entscheidend ist das Motivationsschreiben. Dort will sie Sätze wie "Ich möchte Uli Hoeneß sein" nicht lesen.

36 Monate, 28.000 Euro

Es ist ein Luxusproblem, schließlich kostet der 36-monatige Bachelor-Studiengang mit Schwerpunkt Sportbusiness rund 28.000 Euro. Eine Weiterbildung zu einem Hochschulzertifikat ist günstiger und dauert nur ein Jahr. Für das hat sich etwa der ehemalige Tanzsportler Oliver Gilhaus entschieden. Der 47-Jährige ist gelernter Bänker, tanzte auf Weltmeisterschaften und möchte nun "im Sport arbeiten". Sein Antrieb sind die schlechten Erfahrungen, die er gesammelt hat: "In meiner Sportart bist du nicht gut betreut worden." Als künftiger Manager weiß er bereits, was ein Athlet braucht, weil er selbst einer war.

Auch neun Fürther Fußballprofis drückten im Premierensemester des Projekts 2014/15 neben dem Training die Schulbank, darunter Stephan Fürstner und Niko Gießelmann. Noch hat Letztgenannter keinen im aktuellen Kader begeistert, es ihm gleich zu tun. Bis zum 15. August ist noch Zeit, sich für das Wintersemester zu bewerben. Extra für ambitionierte Sportler zugeschnitten ist ein Modus, der seinen Präsenztag alle zwei Wochen an einem Montag hat und nicht freitags und samstags, da dann die Zielgruppe bei ihren Wettkämpfen ist.

Ice-Tigers-Torhüter Andreas Jenike hat sich schon eingeschrieben, "doch wir haben auch einen Schauspieler, einen Musiker und einen Schiedsrichter", berichtet Lehmann. Nur die Frauenquote sei noch ausbaufähig, die sei am VfL-Campus in Wolfsburg, einem weiteren Partner der Fernuni, höher.

Wie praxisnah es auch nach dem Studium zugeht, beschreibt Lehmann stolz an einem Beispiel: Im ersten Jahrgang studierte ein IT-Experte am Kleeblatt Campus und begann, die Leistungsdaten der Profis zu verarbeiten. Davon profitierte die Spielvereinigung gerne, doch nur kurze Zeit. Ein anderer Bundesligist warb ihn ab.

www.sportbusinesscampus.de

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