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Die Freude am Geben

Hans-Georg Mathias erhielt den Fürther Stifterpreis - 20.09.2010 10:00 Uhr

„Ich bin der glücklichste Mensch, den man sich vorstellen kann.“: Hans-Georg Mathias (2. v. li.) samt seinem Preis und umrahmt von OB Thomas Jung, Landrat Matthias Dießl und Sparkassenchef Hans Wölfel (von li.). © Scherer


Als das Tuch fiel, unter dem die Auszeichnung verborgen war, entpuppte sich der neugeschaffene Preis als Auszeichnung mit hohem Symbolwert: Einen Rettungsring, knapp ein Kilo schwer und aus Acrylglas mit Goldschrift gearbeitet, darf sich Hans-Georg Mathias nun in die Vitrine stellen. Der 89-Jährige wurde geehrt, weil er als Stifter unter anderem dazu beitrug, den Grundstein für die Kulturstiftung zu legen, die als erstes Projekt das Kulturforum mit ermöglicht hat. Sparkassenchef Hans Wölfel erklärte: „Mathias hat viel für seine Heimatstadt getan.“

Mathias, ein leidenschaftlicher Pädagoge, der viele Jahre Rektor der Grundschule am Kirchenplatz war, wurde im dicht besetzten Stadttheater von den Gala-Gästen, die sich von ihren Plätzen erhoben, mit minutenlangem Applaus bedacht. „Ich bin überwältigt“, versicherte der agile Mann und verriet, dass vor allem seiner Ehefrau die Ehre gebühre: „Sie hat unser Geld verwaltet und aufgeteilt. Was übrig blieb, von dem, was wir für das tägliche Leben brauchten, wurde gleich zur Sparkasse gebracht.“

Das Ersparte sollte zur Alterssicherung dienen. Doch nach dem Tod seiner Frau, sei ihm klar geworden, dass er „das Geld alleine gar nicht ausgeben mag“. So habe er einen Weg gesucht, der Stadt Fürth, in der er „die schönsten Jahre seines Lebens verbrachte, etwas zurückzugeben“.

Die Möglichkeit, sein Vermögen in eine Stiftung einzubringen, sei für ihn dann genau das Richtige gewesen. Hans-Georg Mathias, der seit 1953 im Eigenen Heim lebt, begeisterte die Gäste im Stadttheater mit seinem herzlichen Enthusiasmus. Der bis heute aktive Sportler, der von 1956 bis 1972 das städtische Sportfest mit bis zu 3500 Teilnehmern im Ronhof organisierte, erklärte: „Ich bin der glücklichste Mensch, den man sich vorstellen kann.“

Lange Tradition

Zuvor hatte Oberbürgermeister Thomas Jung daran erinnert, dass die Stadt auf eine lange und bedeutende Stiftungstradition zurückblicken kann; gerade jüdische Mitbürger hätten auf diese Weise vieles ermöglicht. Namen wie Nathan, Krautheimer und Berolzheimer seien bis heute eng mit Fürth verbunden. Auch Landrat Matthias Dießl verwies darauf, wie unverzichtbar Stiftungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens sind.

Robert Zimmermann vom Bayerischen Rundfunk, der als Moderator kurzfristig für die stark erkältungsgeplagte Evi Kurz einsprang, präsentierte den Gästen der Gala, mit der Sparkasse und Stiftergemeinschaft für diese Form des Engagements warben, Exemplarisches: die Kulturförderstiftung sowie die Stiftungen „Kinderheim St. Michael“, „Kinderarche“ und „Der Schülercoach“. Wie wesentlich diese Form der Unterstützung ist, betonte zum Beispiel Musikschulleiter Robert Wagner: „Die Kulturförderstiftung hat es mit der Stadt fertiggebracht, dass wir im schönsten Musikschulgebäude der Welt untergebracht sind. Bei uns erleben 1700 Schüler von 2 bis 83 Jahren das Musizieren als Bereicherung ihres Lebens.“

Im Gespräch mit Roland Zimmermann verdeutlichte Horst Ohlmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftungstreuhand AG, die Vorteile der Stiftergemeinschaft. Sie mache das unter Umständen relativ komplexe Thema „Stiftung“ für den Einzelnen einfach und unkompliziert. Ohlmann erläuterte noch einmal, dass in einer Stiftung im Gegensatz zur Spende das Vermögen dauerhaft erhalten bleibt und so langfristig das gewählte Projekt unterstützt wird.

Gepflegt umrahmt wurden Preisverleihung und Informationen von den vier Musikerinnen von „Salut Salon“, die ihre Zuhörer zu einer Reise um die Welt animierten. Angelika Bachmann (Geige), Iris Siegfried (Geige und Gesang), Sonja Lena Schmid (Cello) und Anne von Twardowski (Klavier) verführten mit einem schwungvollen Mix von Romantik bis zu Rock und Pop – und scheuten dabei vor artistischem Körpereinsatz nicht zurück. Schön zu sehen, dass eine Violine auch kopfüber gespielt werden kann.

Als zum „Tatort“-Motiv dann auch noch der Flügel qualmte, war nicht nur Fürths erster Stifterpreisträger Hans-Georg Mathias sicher: „Die vier Damen können einen begeistern.“

VON SABINE REMPE

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