Drama Verschlucken: So retten Sie Ihr Kind!

Birgit Heidingsfelder

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22.12.2017, 13:30 Uhr
Drama Verschlucken: So retten Sie Ihr Kind!

© Thomas Scherer

Erste Hilfe zu leisten bedeutet vor allem: rasch und beherzt zu handeln, wenn ein Mensch in Not ist. Was wann zu tun ist, erklären Experten in der Erste-Hilfe-Serie der FN. In Videos führen sie wichtige Handgriffe vor. In der aktuellen Folge geht es  ums Verschlucken mit drohendem Ersticken insbesondere bei Kindern, die hier besonders gefährdet sind

Es ist ein Alptraum für Eltern, Omas, Opas, Babysitter: Sie bekommen vielleicht gerade noch aus dem Augenwinkel mit, dass sich das Kind eine Murmel in den Mund schiebt, können aber nichts mehr dagegen tun. Kurz darauf hustet ihr Schützling, würgt, japst nach Luft.

Als Risikogruppe, sagt Martin Neumann, Erste-Hilfe-Trainer bei der Johanniter-Unfall-Hilfe Mittelfranken, gelten vor allem Kleinkinder, deren Luftröhre viel schmaler ist als die eines Erwachsenen, und natürlich Babys, die ihre Umwelt erforschen, indem sie in den Mund schieben, was ihnen in die Finger kommt. Wegen möglicher Schluckstörungen seien auch alte Leute mehr gefährdet als andere Erwachsene.

Drama Verschlucken: So retten Sie Ihr Kind!

© Thomas Scherer

Harmlos anmutende Weintrauben etwa, Erdnüsse, Bonbons, Zuckerperlen oder Murmeln, aber beispielsweise auch die Reste zerplatzter Luftballons oder Fetzen von Taschentüchern können, wie es umgangssprachlich heißt, in den falschen Hals geraten und die Atemwege blockieren. Schlimmstenfalls ist das Leben des Betroffenen in akuter Gefahr.

Falls ich  nicht mitbekommen habe, dass das Kind etwas verschluckt hat: Woran erkenne ich den Ernst der Lage? Häufige Anzeichen für eine drohende Erstickung sind, so Neumann, Atemnot, ein vielleicht pfeifendes Atemgeräusch, bläuliche Lippen, ein roter Kopf. „Wenn all diese Dinge zusammenkommen, wissen Sie: Das ist ein Notfall, Sie müssen sofort handeln.“

Was kann ich tun? Oberste Devise sei es, so Neumann, sich gegen die aufsteigende Panik zu stemmen und Ruhe zu bewahren. Und: „Setzen Sie einen Notruf ab, wählen Sie die 112 oder bitten Sie, wenn möglich, andere Anwesende, dies zu tun.“ Professionelle Hilfe ist dann schneller vor Ort, und bis dahin lotst ein Experte telefonisch durch die möglicherweise lebensbedrohliche Situation.

Und wie  kann ich konkret helfen? „Legen Sie das Kind mit dem Bauch über Ihre Knie und klopfen Sie mit der flachen Hand bis zu fünfmal zwischen seine Schulterblätter“, empfiehlt Neumann. „Achten Sie darauf, dass der Kopf des Kindes tiefer ist als der Rest des Körpers, denn so trägt die Schwerkraft dazu bei, dass sich der Fremdkörper aus der Luftröhre lösen kann.“

Auf keinen Fall, warnt der Erste-Hilfe-Trainer, darf das Kind an den Knöcheln hochgehoben und kopfüber gehalten werden. „Die Gefahr, dass dabei das Gehirn oder Wirbel verletzt werden, ist viel zu groß.“

Was, wenn das Klopfen zwischen die Schulterblätter nichts nützt? Dann — und nur dann — sollte man, so Neumann, bei Kindern über einem Jahr den nach seinem Erfinder benannten „Heimlich“-Handgriff anwenden. Weil das Kind dabei innerlich verletzt werden könnte, empfiehlt Neumann diese Maßnahme „nur im äußersten Notfall“.

Wie funktioniert der Heimlich-Handgriff? Der Helfer kniet sich hinter das Kind, greift von beiden Seiten unter den Armen des Kindes durch, ballt eine Hand zur Faust und legt die andere darauf. Die so verstärkte Faust setzt er unter dem Brustbein des kleinen Patienten an und zieht sie nach hinten oben in den Bauchraum des Kindes. Im Idealfall provoziert das Manöver einen Hustenstoß, durch den sich der Fremdkörper löst.

Wie gehe ich bei einem Baby vor? Der Heimlich-Handgriff kommt laut Neumann jedenfalls nicht infrage, die Abläufe seien beim Baby ein wenig anders. Zunächst gilt aber auch hier: Notruf absetzen und fünfmal zwischen die Schulterblätter klopfen. Der Helfer legt sich das Baby dazu mit dem Bauch beispielsweise auf seinen linken Unterarm und stützt den Kopf (tiefster Punkt) mit der linken Hand. Weil der Rücken winzig ist, wird nicht mit der flachen rechten Hand geklopft, sondern nur mit dem Handballen.

Hilft das nicht, dreht der Helfer das Baby auf seinem Unterarm um und versucht es mit Brustkorbkompressionen. Mit nur zwei Fingern drückt er dabei fünfmal ins untere Drittel des Brustbeins. Beide Maßnahmen sind laut Neumann mehrmals im Wechsel möglich und führen bestenfalls zum Erfolg.

Was, wenn der Erstickungsanfall plötzlich vorbei ist, aber nichts herauskatapultiert wurde? Nach Neumanns Kenntnis kommt das immer wieder vor. Er warnt davor, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn: Wurde die Atemnot durch Verschlucken ausgelöst, könne es sein, dass der Fremdkörper noch immer in der Luftröhre steckt. Ein Arztbesuch sei dringend nötig.
 

 

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