Freitag, 06.12.2019

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Einzelhändler setzen auf die Breitscheidstraße

Nach dem Rückzieher von Sonae Sierra finden die Pläne Anklang, Fiedler, Wölfel-Areal und Park-Hotel zu entwickeln - 08.05.2010

Die Breitscheidstraße rückt in puncto Einzelhandel wieder in den Blickpunkt: Das Fiedlergebäude (links) hat die Stadt schon erworben, nun interessiert man sich fürs Parkhotel (gelbes Haus) und fürs Wölfel-Areal gleich gegenüber. © Winckler


Dass Norbert Staudt »erschüttert« ist, muss er nicht mehr betonen. Man hört es aus jedem seiner Worte - auch durch den Telefonhörer. »Erst die Neue Mitte, nun das City-Center, zeitgleich verlässt Marktkauf Fürth«, klagt der Sprecher des hiesigen Einzelhandelsverbands und bilanziert: »Wir bekommen hier ein Riesenproblem.« In der Innenstadt gebe es keine zugkräftigen Geschäfte mehr und bald nicht einmal mehr einen Nahversorger.

»Ich habe immer gesagt, wenn nicht schnell etwas passiert, dann wird es zu spät sein für die Innenstadt«, sagt Staudt. Nun hofft er, dass sich seine Prophezeiung nicht allzu rasch erfüllt. Dennoch hegt er keinen Groll gegen Sonae Sierra. Eher verwundert ihn, dass er noch nichts von anderen Investoren gehört hat, die Interesse an einer Sanierung des angeschlagenen Einkaufszentrums haben.

Von einer »betrüblichen Nachricht für die Innenstadt« spricht Christian Nowak, Chef der IHK in Fürth. Im Gegensatz zu Staudt gibt er sich allerdings überzeugt davon, dass sich ein anderer Investor des City-Centers erbarmt. »Irgendwer wird erkennen, dass man eine Stadt mit 114 000 Einwohnern nicht einfach übersehen kann«, sagt Nowak. Doch es müsse rasch passieren, damit das Einkaufszentrum nicht noch weiter »ausblutet«. Um eine erneute Hängepartie zu vermeiden, müssen ihm zufolge jedoch die Eigentümer des City-Centers einsehen, dass sie Investoren nur mit einem »moderaten Verkaufspreis« überzeugen können.

»Bedauern« über den Rückzug von Sonae Sierra äußert auch Petra Büttner-Krauss von den »Kreativen Einzelhändlerinnen«. Die Runderneuerung des 25 Jahre alten City-Centers wäre nach ihren Worten eine Chance für die Stadt gewesen. Dennoch ist sie weit davon entfernt, wegen des Scheiterns der Pläne ihren Laden in der Fußgängerzone zuzusperren. »Es ist nicht das Ende aller Tage.«

Hoffnung macht den Einzelhändlern das Vorhaben der Stadt, nach dem Fiedler-Gebäude an der Rudolf-Breitscheid-Straße auch das Wölfel-Areal und möglicherweise sogar das Park-Hotel zu erwerben und als Einzelhandelsstandort entwickeln zu lassen. »Das wäre ganz nach unserem Geschmack«, sagt Büttner-Krauss, »weil es Frequenz in die Innenstadt bringen würde.« Auch IHK-Chef Christian Nowak signalisiert der Stadt »jegliche Unterstützung« für diese Pläne. Wichtig sei, dass es zügig vonstatten geht und weiterer »Zeitverlust« vermieden wird.

Gegen Aktionismus

Anders sieht das Christofer Hornstein, Sprecher der Bürgerinitiative, die sich gegen die Pläne für das Kaufhaus »Neue Mitte« links und rechts der Breitscheidstraße eingesetzt hatte. Dass die Stadt »nun das Heft in die Hand nimmt«, um die besagten Flächen zu entwickeln, findet er »sehr, sehr gut«. Laut Hornstein decken sich die Pläne sogar zum Teil mit den Ideen der BI, die in der Diskussion um die Neue Mitte ein »Drei-Höfe-Modell« ohne Überdachung der Breitscheidstraße favorisierte.

Allerdings hält er es für falsch, nun in »Aktionismus zu verfallen.« Er plädiert bereits vorausschauend für »einen Architekten-Wettbewerb und eine Lösung, die der historischen Innenstadt gerecht wird«. Und was ist mit dem Investor, den die BI angeblich an der Angel hatte? »Den gibt es noch«, sagt Hornstein - den Namen will er trotzdem noch nicht nennen. Das Unternehmen wollte ihm zufolge in Fürth nicht aktiv werden, so lange sich dort die Konkurrenz von Sonae Sierra engagierte. Hornstein werde nun aber wieder Kontakt aufnehmen.

Einzelhandelssprecher Staudt hält eine Entwicklung an der Breitscheid-Straße sogar für wichtiger als die Sanierung des City-Centers, für die er keine zeitnahe Lösung sieht. Die Stadt müsse mit dem Kauf der Flächen ein Zeichen setzen, nur so könne der Einzelhandel sehen, dass die Kommune die Probleme ernst nimmt.

Johannes Alles

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