Dienstag, 12.11.2019

|

zum Thema

Kriminell erfolgreich

Das Fürther Kriminalmuseum wird fünf Jahre alt - 15.09.2015 13:00 Uhr

Wilfried Dietsch mit einem „Kollegen“ von 1910. Die Uniform hat ein hiesiger Sammler dem Museum zur Verfügung gestellt. In diesem Raum wird die Fürther Polizeigeschichte dokumentiert. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Am Anfang war die Idee. Stephan Popp, Vorsitzender Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth, wollte interessante Kriminalfälle der Kleeblattstadt ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Im 2006 pensionierten Fürther Polizeichef Wilfried Dietsch fand er einen begeisterten Mitstreiter. 200 Jahre Fürther Polizeigeschichte arbeitete Dietsch für das gemeinsame Projekt auf.

Ein Verein wurde gegründet, Sponsoren wurden gewonnen und Spenden gesammelt. 2009 war es so weit: Im Rathauskeller konnten ehemalige Archivräume zum Museumsquartier ausgebaut werden konnten. Dank guter Kontakte der Projekt-Väter halfen viele Institutionen der Polizei und Justiz beim Aufbau mit. Aber auch Privatleute stellten Exponate zur Verfügung. Vor allem historische Uniformen, Dokumente und Fotos.

Der Museumsaufbau orientierte sich inhaltlich an den Räumen. So gibt es etwa Abteilungen mit Falschgeld und Tatwaffen, mit Drogendelikten, Krawallen und Tumulten, Bahn- und Verkehrsunfällen, mit Rechtsradikalismus und einen begehbaren Tatort mit einer Schaufensterpuppe als Leiche. Der Fokus auf Fürth ist landesweit ein Alleinstellungsmerkmal. Kein anderes Kriminalmuseum in Bayern konzentriert sich derart. Trotz des Lokalbezugs werden Besucher überregional angelockt. Unter ihnen viele Nürnberg-Touristen, die den U-Bahn-Anschluss zum Fürther Rathaus nutzen, um das originelles Detail der Museumslandschaft kennenzulernen.

Spitzenreiter am Museumstag

Obwohl das Kriminalmuseum nur Sonntags geöffnet ist, braucht es sich in Sachen Besucherzahlen nicht zu verstecken. Beim Museumstag im Mai war es mit 143 Gästen Spitzenreiter, gefolgt vom Rundfunkmuseum (138), Stadtmuseum (107) und Jüdischem Museum (103). Insgesamt 12 444 Neugierige haben seit der Eröffnung am 25. September 2010 den Weg in die Rathausgewölbe gefunden.

Für Dietsch sind diese Zahlen eine Bestätigung dafür, dass es richtig war, die angebotenen Räume an der Peripherie der Stadt abzulehnen, und den Verlockungen zu widerstehen, die Polizeigeschichte ohne klaren lokalen Bezug zu präsentieren. Der Besucher merke, dass ihm kein seelenloses Sammelsurium vorgesetzt wird.

Vielmehr öffnen Kenner der Materie mit pädagogischem Ansatz den Blick für Fürther Besonderheiten. Unaufdringlich wird vor Augen geführt, dass sich kriminelle Umtriebe nicht lohnen. Und nebenbei wird auch ein Beitrag zur Kriminalitätsprävention geleistet.

Den Museumsbetrieb halten neben Dietsch und seiner Ehefrau Brigitte rund 25 ehrenamtliche Helfer aufrecht. Die Stadt muss keinen Cent aufwenden. Die 200 Quadratmeter Kellerräume überlässt sie dem Museumsverein für eine symbolische Miete von einem Euro im Monat. Für zusätzliche Besuchsanreize sorgen regelmäßig Autorenlesungen. Die nächste steht am 18. Oktober auf dem Programm. Um 18 Uhr beschäftigt sich die Literaturwissenschaftlerin Frauke G. Bayer mit der kriminelle Biografie des „Frauenschänders von Paris“, Marquis de Sade.

Kriminalmuseum Fürth, Rathaus, Brandenburger- Ecke Ludwig-Erhard-Straße, sonntags 13-18 Uhr (April-September) 13-17 Uhr (Oktober-März), 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, Familien 1,50 Euro. Führungen: Tourist Information

VOLKER DITTMAR

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth