Nürnberg beantragt Entwidmung der Bibertbahntrasse

27.1.2013, 10:00 Uhr
Wo heute Lastwagen um Pylonen fahren und einst die Bibertbahn tuckerte — unser Bild zeigt das Gelände an der Kreuzung Schwabacher und Rothenburger Straße — will die Stadt Nürnberg die alte Bahntrasse entwidmen lassen.

Wo heute Lastwagen um Pylonen fahren und einst die Bibertbahn tuckerte — unser Bild zeigt das Gelände an der Kreuzung Schwabacher und Rothenburger Straße — will die Stadt Nürnberg die alte Bahntrasse entwidmen lassen. © Distler

Denn die Stadt Nürnberg hat beim Eisenbahn-Bundesamt den Antrag gestellt, die letzten 610 Meter der Trasse auf Nürnberger Grund von "Bahnbetriebszwecken" freizustellen. Die Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGBB) und die Zirndorfer Eisenbahn-Freunde (ZEF) schlagen Alarm.

Denn damit, sagen IGBB-Vorsitzender Dieter Beck und Eisenbahnfreund Helmut Kletzander, wäre die Trasse auf dem Gebiet des Landkreises Fürth vom Bahnnetz abgekoppelt. Die Entwidmung des Trassenabschnitts zwischen Gebersdorfer und Rothenburger Straße hätte zur Folge, dass die Strecke Nürnberg-Stein-Unternbibert, auf der bis 1986 Personenzüge fuhren, für eine Nahverkehrslösung auf der Schiene verloren wäre.

Für die Städte Zirndorf und Oberasbach, die Gemeinden Ammerndorf, Großhabersdorf im Landkreis Fürth sowie Dietenhofen im Nachbarlandkreis Ansbach hätte die Entwidmung „fatale Folgen“: Sie würden dauerhaft von einem attraktiven, schienengebundenen Nahverkehr abgeschnitten.

Dass es mit einer U-Bahn in diesen Korridor nichts wird, haben Gutachten zu einem Ast Richtung Oberasbach und ein Bürgerentscheid in Zirndorf in der Vergangenheit gezeigt. Und auch die Chance, die parallel zur stark belasteten Rothenburger Straße verlaufende Trasse als letzte Möglichkeit, diese Staatsstraße mit einem schienengebundenen Verkehrsmittel zu entlasten, wäre nach Ansicht Becks vertan. Nicht zuletzt habe sich der Landkreis im Oktober zwar gegen die kurzfristige Reaktivierung über einen privaten Investor ausgesprochen, aber klar dafür votiert, die Trasse langfristig für die Zwecke des öffentlichen Personennahverkehrs reserviert zu lassen, um sich alle Optionen offenzuhalten. Eine Freistellung von Bahnbetriebszwecken, wie sie die Noris jetzt fordere, schaffe endgültige und schwer umkehrbare Tatsachen, argumentieren ZEF und IGBB in ihrem gemeinsamen Einspruch gegen die Entwidmung.

Ähnlich sieht das auch der Bündnisgrüne Norbert Schikora, 3. Bürgermeister von Oberasbach und Kreisrat. Er brachte das Thema diese Woche in seinem Stadtrat und im Kreisausschuss aufs Tapet. Während Bürgermeisterin Birgit Huber von der Angelegenheit noch nichts wusste, war Landrat Matthias Dießl kurzfristig von Kreisrat Friedrich Biegel unterrichtet worden.

Schikora forderte sowohl die Stadt als auch den Landkreis auf, Einspruch gegen die Entwidmung einzulegen. „Das ist für den Landkreis ein äußerst sensibler Bereich. Wenn das Teilstück aus der Trasse herausgebrochen wird, sind wir von Nürnberg abgeschnitten“, so Schikora. Dass der Landkreis daran interessiert ist, dass die Trasse innerhalb seiner Gebietsgrenzen für den Personennahverkehr reserviert bleibt, werde die Kreisverwaltung im Anhörungsverfahren gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt klarstellen, erklärte Behördensprecher Bernd Kuch auf Anfrage.

Allerdings herrschte im Landratsamt noch Anfang der Woche Rätselraten über den Hintergrund des Antrags aus der Noris. Auf Nachfrage im Büro von Oberbürgermeister Ulrich Maly brachte Kuch in Erfahrung, dass die Stadt Nürnberg im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die Verlängerung der U-Bahn 3 bis Gebersdorf tätig wurde. Im Bereich der letzten 610 Meter der Bibertbahntrasse auf Nürnberger Grund, speziell am früheren Kohlelager — das freie Gelände an der Kreuzung von Rothenburger und Schwabacher Straße, das heute gern als Standort für Flohmärkte genutzt wird — sollen, so Kuch, U3-Endbahnhof sowie ein Abstellgleis entstehen. Und das, so habe die Regierung von Mittelfranken der Stadt Nürnberg mitgeteilt, sei nur genehmigungsfähig, wenn die Trasse entwidmet ist.

Die Möglichkeiten des Landkreises, auf das Projekt auf Nürnberger Grund Einfluss zu nehmen, hält Kuch für „sehr begrenzt“: Die Planung der Stadt Nürnberg sei sehr konkret, „2020 bis 22 soll die U3 in Gebersdorf angekommen sein. Da tun wir uns mit der Argumentation, dass bei uns vielleicht eines Tages doch etwas auf der Trasse Richtung Nürnberg fahren könnte, sehr schwer.“

 

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