Hanf soweit das Auge reicht: Bio-Hof baut Cannabis an

Patrick Schroll

Redakteur Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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17.1.2018, 06:00 Uhr
Lisa Nagengast befüllt die Ölpresse mit Hanfkörnern. Die Landwirtin und ihr Mann bewirtschaften einen Bio-Bauernhof und stellen unter anderem naturbelassene Pflanzenöle her.

© Foto: Roland Huber Lisa Nagengast befüllt die Ölpresse mit Hanfkörnern. Die Landwirtin und ihr Mann bewirtschaften einen Bio-Bauernhof und stellen unter anderem naturbelassene Pflanzenöle her.

Eines vorweg: Den Cannabis von Markus Nagengast in einer Nacht-und-Nebel-Aktion heimlich zu ernten, ist zwecklos: Die Hanfpflanzen, die in der nächsten Saison erneut auf dem Acker des Hallerndorfer Landwirts austreiben werden, lassen sich nicht als illegale Rauschmittel verwenden. Streng kontrolliert von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), sind nur Hanfsorten zum Anbau zugelassen, die langfristig einen bestimmten Wert an Tetrahydrocannabinol (THC) unterschreiten. THC ist eine psychoaktive Substanz, die zu den Cannabinoiden zählt und berauschend wirkt. Bevor Nagengast erntet, läuft der Kontrolleur der BLE durch das Feld und prüft den THC-Gehalt der Pflanzen.

Das Naturprodukt - eine jahrhundertealte Kulturpflanze - lässt sich also sorgenfrei verwenden und später auch genießen. Lisa, die Frau des Bio-Landwirtes, presst Öl aus der Pflanze - genauer gesagt aus den Hanfnüssen, das sind etwa linsengroße Körner an der Pflanze.

Delikatesse für Kühe und Pferde

Fünf Kilo Nüsse braucht Lisa Nagengast, um einen Liter Öl zu gewinnen. Die gepressten Körner und getrockneten Hanfblätter landen als Delikatesse im Futtertrog von Kühen und Pferden. "Der Hanfpresskuchen ist beliebt, weil er sehr vitaminhaltig ist", erklärt die Landwirtin.

Im Hanfgeschäft ist das Ehepaar seit knapp einem Jahr, nachdem es nach einem Nischenprodukt gesucht und es in der Nutzpflanze gefunden hat. Auch Mohn- und Schwarzkümmelöl stellen die Nagengasts her. Die Saaten für ihre naturbelassenen Pflanzenöle bauen sie überwiegend selbst an, und zwar biologisch kontrolliert. Der gesamte Hof wird seit 2009 nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet.

Die meisten sehen Cannabis nur als Rauschmittel

"Hanf gerät zunehmend ins Bewusstsein der Verbraucher", sagt Markus Nagengast. Die Zuwachsraten in der Landwirtschaft seien sehr gut. Dennoch brauche es Zeit, bis sich der hohe Nutzwert der Pflanze herumspreche, denn die meisten sehen in Cannabis nur ein Rauschmittel.

Der 40-Jährige versucht deshalb, potenzielle Kunden auf die wertvollen Inhaltsstoffe des Hanföls aufmerksam zu machen. Der hohe Anteil an Omega-3-Fettsäuren ist zum Beispiel sehr gut für das Herz-Kreislauf-System. Das Öl eignet sich für Salate oder zum Verfeinern verschiedener Speisen. Nur erhitzt werden darf es nicht, warnt der Bio-Landwirt. "Das zerstört das Fettsäure-Muster." In der Medizin lasse sich das Produkt auch als Hautpflegemittel verwenden. Die Gamma-Linolensäure wirke entzündungshemmend und sei eine Wohltat bei Neurodermitis.

Auch in der kommenden Saison setzt Nagengast auf den Anbau seltener Pflanzen. "Wir gehen davon aus, dass der Absatz steigt." Seine Produkte vertreibt er über Bioläden in der Region, Wochenmärkte und den eigenen Hof. Einen Online-Versandhandel will Nagengast noch dieses Jahr starten, ein Hofladen ist in Planung. Ein Viertelliter kaltgepresstes Hanföl kostet auf dem Hof rund elf Euro. Darin einkalkuliert ist nicht nur die Arbeit: "Die Saatgutkosten liegen viermal höher als bei Getreide", erklärt der Bio-Bauer. Für den Käufer zählt der besonders nussige Geschmack des Hanföls und das Bewusstsein, dem Körper etwas Gutes zu tun.

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