Herzogenaurach: Ratskeller-Gewölbe wird geschlossen

20.5.2018, 06:00 Uhr

© Foto: Groh

Für Christoph Schmidt, den Architekten, wäre es nach eigenem Bekunden eine Stunde Arbeit mit "drei Strichen" einen Welcome Desk ins Rathaus-Foyer einzuplanen, wenn der Bauherr dies wolle. Der Bauherr, der Stadtrat, hat sich in der Sitzung am Donnerstag an der Entwurfsplanung für den Rathaus-Neubau gut zwei Stunden abgearbeitet.

Was der Architekt über die Grundrisse im Neubau und im historischen Schloss vortrug, fand im Grunde Gefallen im Plenum. Auch die Arbeitsschritte. Demnach soll im Sommer der Untergrund sondiert werden, um zu klären, auf welchem Fundament der barocke Schlossbau ruht.

Vor dem Abriss des 60er-Jahre-Trakts sollen Bäume, die im Weg stehen, umgepflanzt werden, zwei Pappeln gefällt. Beim Ausheben der einmal sechs bis sieben Meter tiefen Baugrube wird ein Archäologe den Arbeitern praktisch ständig über die Schulter schauen. Die Baugrube selbst bekommt eine dichte Wand aus Beton-Bohrpfählen, das Grundwasser wird aus Brunnen-Rohren abgepumpt und abgeleitet. Zwei bis drei Jahre lang werden deshalb die Herzogenauracher mit einer oberirdischen Wasserleitung quer durch die Stadt leben müssen, bis der Rohbau des neuen Rathauses steht und schwer genug ist, nicht mehr aufzuschwimmen.

Johannes Grad schilderte dann noch die Elektro-Erschließung von einer neuen Trafo-Station über möglichst flexible und nachrüstbare Bürstenleisten- und Bodenkanäle und machte auch schon Vorschläge für Beleuchtungskörper und Steckdosen.

Heftige Debatten um zwei Einzelheiten

Laut Jan Königs vom zuständigen Passauer Büro bekommt der Bau eine Kombination aus einem kleinen Blockheizkraftwerk und einem Gaskessel. Ersteres wird 40 Kilowatt Wärmeenergie und 20 Kilowatt Strom liefern, der Gaskessel 150 Kilowatt. Weil der Bau den energetischen Standard von KFW 55 erfüllen wird, bekommt er auch ein flächendeckendes Lüftungssystem, genauer, zwei Anlagen. Eine ver- und entsorgt nur den Ratssaal, die zweite den Rest des Baus.

Trotz des fraktionsübergreifenden Urteils, das sei insgesamt ein gelungener Entwurf, gab es außer der Fundamentalkritik der Freien Wähler, die "diesen Klotz" ganz ablehnen, noch heftige Debatten um zwei Einzelheiten. Christoph Schmidt, der Architekt, hatte fallen lassen, die Entrauchungsanlage im Ratskeller werde demontiert, weil dort nur noch Sozialräume für den Gastronomiebetrieb und die Lüftung Platz finden sollen.

Bernhard Schwab (CSU) griff dies auf und äußerte sein Missfallen über die Aufgabe des Kellers als Lokal. Woanders, so Schwab, werde so ein Raum restauriert. Und der Keller des Stadtmuseums am Kirchenplatz zeige doch, wie schön man so einen Raum nutzen könne. Schwab ließ auch den Hinweis nicht gelten, im Museumskeller gebe es einen zweiten Fluchtweg, nicht aber im Ratskeller. Dort sei das Gewölbe ein "gefangener Raum", im Brandfall eine Falle und nur genehmigungsfähig als Lokal, wenn man einen Fluchtweg anlege - sehr aufwendig. So Bürgermeister German Hacker, der auch sagte, die hässlichen Lüftungsrohre blockierten derzeit eine schöne Freifläche am Schloss, die man ebenfalls schön nutzen könne.

Muff von 50 Jahren

In dem aus energetischen Gründen nötigen schleusenartigen Windfang am Eingang zum Neubau ist ein Raum für einen "Pförtner" eingezeichnet - ebenfalls Stein des Anstoßes. So etwas grenze aus, sei überhaupt nicht mehr zeitgemäß, wirke hoheitlich und nicht einladend.

Ille Prockl-Pfeiffer (CSU) weitete diese Kritik auf die ganze Innengestaltung aus. Sie sagte, hinter den Mauern herrsche der Muff von 50 Jahren, die Innenplanung habe keine innovativen Elemente, sei nicht zukunftsorientiert im Sinne eines "Rathauses 4.0": nichts Flexibles, keine Kommunikationsflure: Sie lehne ab.

Bernhard Schwab hatte noch kritisiert, die in allen Fraktionen vorhandenen Fachleute und die Stadträte seien in das Raumkonzept nicht eingebunden gewesen. Was ihm die Entgegnung einbrachte, das 40 Millionen teure Landratsamt habe er als Kreisrat ganz ohne Einbindung durchgewinkt, und Peter Simons (Die Grünen) Zusammenfassung, die CSU sei offenbar schon im Wahlkampfmodus.

Und überhaupt, so der Bürgermeister, sei ein Rathaus komplexer als ein Firmensitz, weil für 24.000 "Kunden" öffentlich. Es werde ein ebenerdiges Bürgerbüro und ein helles, freundliches Foyer geben. Erstaunlich, so Hacker, dass so harte Worte gefallen seien.

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