Bürgerprotest

Bürger formieren sich gegen ICE-Werk zwischen Postbauer-Heng und Ezelsdorf

6.6.2021, 08:31 Uhr
Die Initiatoren, auf dem Palettenstapel Jürgen Rupprecht und Gabriele Bayer, waren überrascht, dass rund 110 Bürger aus Postbauer-Heng, aber auch dem nahen Ezelsdorf zur Gründung der BI gekommen waren. Mit so einem Zuspruch hatten sie nicht gerechnet, sagten sie offen.

Die Initiatoren, auf dem Palettenstapel Jürgen Rupprecht und Gabriele Bayer, waren überrascht, dass rund 110 Bürger aus Postbauer-Heng, aber auch dem nahen Ezelsdorf zur Gründung der BI gekommen waren. Mit so einem Zuspruch hatten sie nicht gerechnet, sagten sie offen. © Foto: Wolfgang Fellner

Kurz, bevor die Veranstaltung unter freiem Himmel auf dem Parkplatz des Friedhofes von Postbauer begann, rollte ein ICE im Schritttempo auf der Gleistrasse nicht weit davon entfernt Richtung Bahnhof Postbauer-Heng. "Der sucht wohl schon das Instandhaltungswerk", witzelte ein Teilnehmer der Veranstaltung. Zum Lachen war dabei keinem.


So könnte die Bahn das Werk zwischen Postbauer und Ezelsdorf quetschen


Das Werk soll 3,2 Kilometer lang und 450 Meter breit werden, das sind 43 Fußballfelder, rechnete Gabriele Bayer vor. Die Werkshalle sei 450 Meter lang, 60 Meter breit und zwölf Meter hoch. Einen Lichtdom bei Nacht rund ums Werk, das ohrenbetäubende Testen der ICE-Hupen, das vor dem Einfahren in die Halle passieren müsse, damit die Arbeiter in ihr keinen Schaden nehmen: Jürgen Rupprecht hatte sich über ein Werk bei Köln erkundigt. Hinzu kämen die ständigen Betriebsgeräusche, da alle Aggregate auch unter Volllast geprüft werden müssen, so Rupprecht. Und diese Arbeiten liefen von 18 bis 6 Uhr.

Massiver Eingriff in Natur

Gabriele Bayer, 3. Bürgermeisterin, machte neben der starken Lärmbelästigung vor allem der massive Eingriff in die Natur große Sorgen. Im Planungskorridor befänden sich ein ausgedehntes Landschaftsschutzgebiet sowie Biotopflächen. Das Naherholungsgebiet in der "Lach" sei für die Postbauer-Henger ein wichtiges Erholungsgebiet. Werde das Werk gebaut, werde es zerstört. Bayer: "Lasst uns das Werk gleich hier am Friedhof beerdigen."

Oberstes Ziel sei deshalb die Verhinderung des möglichen ICE-Werks am Standort Ezelsdorf/Postbauer-Heng, sagten Gabriele Bayer und Jürgen Rupprecht. Wobei sie betonten: Der Ausbau des Bahnverkehrs, vor allem des ÖPNV, habe für sie hohe Priorität. Und dass ICE-Züge gewartet werden müssen, sei klar. Aber eben nicht in der nahen Lach.


Wenig Platz für ICE-Werk bei Postbauer-Heng


Das Werk werde, so es gebaut würde, fast komplett auf der anderen Seite der Gemeindegrenze in Mittelfranken liegen, sagte Bürgermeister Horst Kratzer: "Als der Plan auf dem Tisch lag, dachte ich erst, das sei ein Witz." Aber Postbauer-Heng sei durch die kleinteiligen Strukturen genauso betroffen, man müsse gegen den Plan unbedingt mobil machen.

"Warum sollen wir hier draußen Opfer der verfehlten Bahnpolitik in Nürnberg werden", sagte der Schwarzenbrucker Bürgermeister Markus Holzammer, der ebenfalls gekommen war. Dort habe sich die Bahn ein großes Areal vergolden lassen, auf dem werde nun die TU Nürnberg entstehen. Von dort seien Zauneidechsen umgesiedelt worden – nach Schwarzenbruck. "Und jetzt wollen sie hier bauen." Denn nicht nur bei Ezelsdorf, auch bei Mimberg hat die DB eine Fläche entdeckt, auf der das Werk entstehen könnte.

Die BI hat schon rund 90 Mitglieder, sagte Rupprecht. Als nächster Schritt sollen die Sprecher bestimmt werden, dann werden erste Aktionen geplant. Wer sich für die Arbeit der BI interessiert, kann diese unter BI-kein-ICE-Werk@web.de kontaktieren.

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