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Donnerstag, 22.10.2020

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Erinnerung bewahren

Marc-Claude Giovo hat das Fischer-Haus gekauft - 09.08.2010

Der Fischer-Hund am Eingang.


Der eine Hund bewacht das Gartentor, der andere hängt im Wohnzimmer überm Sofa: Marc-Claude Giovo hat sie jetzt in der Mariahilfstraße zusammengebracht. Der eine war schon zerfallen, zerbröselt und wurde über dem erhaltenen Eisenskelett wieder aufgebaut, der andere in dichtem Fichtengrün ein mal ein Meter groß von Joachim Rosinsky gemalt.

Joachim Rosinsky mit seinem Gemälde vom Fischer-Hund im Elternhaus von Lothar Fischer.

© Fritz-Wolfgang Etzold


Beide Hunde gehören seit kurzem dem früheren langjährigen Kontrabassisten der Nürnberger Symphoniker, der vor zwei Monaten in das ehemalige Wohnhaus der Neumarkter Künstlerfamilie Fischer eingezogen ist. Beim Kauf des Hauses hat Giovo darauf bestanden, dass unter anderem „der Hund mit im Grundbuch steht“ – vielleicht meint er damit auch nur den Kaufvertrag.

Aber im Werkverzeichnis von Lothar Fischer steht er auf jeden Fall: unter der Nummer 42 („Großer sitzender Hund“), entstanden 1956. Joachim Rosinsky war weniger mit Lothar als mit dessen Vater Maximilian Fischer verbunden: als Gastschüler durfte er an dessen Kunstunterricht an der Oberrealschule Neumarkt teilnehmen, bevor ihn sein beruflicher Werdegang über eine Dekorateurslehre und über Nürnberg nach Regensburg führte. Dort war er bis zu seiner Pensionierung im Bankbereich tätig.

Einige Ausstellungen haben sein Wirken dokumentiert, seit 2002 kann er sich ganz seinem Hobby widmen. Zum 850. Jubiläum der Stadt Neumarkt hat er einen Gemäldezyklus zu seinen Erinnerungen an die Heimatstadt geschaffen, der Anfang 2010 ausgestellt war (wir berichteten). Dazu gehört auch der „Fischerhund Nr. 42“ von 2009 (Acryl auf Leinwand), deutlich erkennbar in seiner archaischen Strenge, die Giovo auf Lothar Fischers Beeinflussung durch die archaische Kunst zurückführt. Rosinsky hat zu jedem der „Memory“-Bilder auch einen Text geschrieben: „Im Föhrenhain vorm Haus / gebrannt im Ofen / Auf seinem Kalksteinsockel stand er / weithin sichtbar. / Es gibt ihn leider nicht mehr, er ist zerbröselt. / Der Zahn der Zeit.“

Nun, dem Zahn der Zeit hat Lothars Bruder Einhalt geboten, jetzt gibt es den berühmten Hund eben doppelt. In Rosinskys Erinnerungen gibt es aber kein reales Vorbild im Hause Fischer. Er selbst ist in der benachbarten Buchenstraße aufgewachsen, hat bei Fischers oft Material für die künstlerische Arbeit von Max und Rosa Fischer ins Haus geschleppt.

Als Marc-Claude Giovo, der früher in Deining lebte, jetzt Rosinskys Bild in der Ausstellung sah, war ihm klar: „Das ist doch mein Hund!“ Den hat er Rosinsky auch abgekauft und hat für das Gemälde schnell einen zukünftigen Platz gefunden. Aber nicht nur der Hund, sondern auch das Interesse an den Fischers hat Giovo und Rosinsky zusammengeführt.

Nein, ein Museum für Max Fischer soll das in der Mariahilfstraße nicht werden, schon gar keine Konkurrenz zum Museum am Schlossweiher. Aber Rosinsky, der 2012 siebzig wird, und Giovo wollen mit ihren Zukunftsprojekten der Frage nachgehen, wie Lothar Fischer zum Künstler geworden ist, welchen Einfluss seine Eltern, beide Künstler, darauf hatten. Da sprudeln die Ideen recht munter: zum Beispiel ein plastischer Wettbewerb mit dem Material, das noch Lothar Fischer aus Pelchenhofen geholt hat und das im Keller bei Giovo auf sein weiteres Schicksal wartet. Das alles mit dem Ziel: „Ich will die Erinnerung an die Eltern, die Familie Fischer bewahren.“ Und Rosinsky stimmt ein: „Ich habe das Malen bei Max Fischer gelernt – und das war bei Gott kein Freizeit-Malkurs.“ Er hat aber sein späteres Leben bestimmt: „Eigentlich wollte ich immer nur malen!“

UWE MITSCHING

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