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Freitag, 05.06.2020

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Kunstkreis-Gastspiel mit sehenswertem Effekt

Der Kunstkreis Jura zeigt in Amberg rund 50 verschiedenartige Exponate — Noch bis September - 02.08.2010

Auch der „Mexikaner“ von Angela Weigl (im Vordergrund) ist von Neumarkt nach Amberg gereist, um hier die künstlerische Fahne der Jurastadt hoch zu halten. © Mitsching


Manches davon kennt man von den letzten Neumarkter Ausstellungen, von den Nominierungen zum Kunstkreis-Kunstpreis. Alles ist jetzt in verkleinertem Rahmen wirkungsvoll in Amberg präsentiert.

Erster Eindruck: da zeigt sich die Neumarkter Künstlergilde durchaus mit Effekt. Für die Amberger, die Neumarkt nicht kennen, hat Hortense Kurth aus neuester Produktion ein paar sympathische Neumarkt-Ansichten beigesteuert, Aquarelle, die eine lebhafte Einkaufsstadt wiedergeben und das Kunst-Aushängeschild der Fischer-Reiter vor dem Reitstadel. Damit versucht Neumarkt dem Klein-Venedig-Ambiente Ambergs paroli zu bieten.

Natürlich darf ein Michael Pickl hier in Amberg nicht fehlen, schon weil er aus Kastl kommt. An der Zeughausstraße sind seine Skulpturen aus Lindenholz eindeutig der Blickfang: rot das Kleid, groß die Körperspannung. Die besteht bei Pickl auch zwischen den Personen. Wie auf große hölzerne Stoßzähne hat er „Mann und Frau“ gestellt – ob diese Beziehung wohl gut geht?

Schon bei der Nominierungssichtung zum Kunstpreis waren die beiden Köpfe „Windsbraut“ und „Mexikaner“, Keramik in Raku-Brannt, von Angela Weigl aufgefallen. Hier sind sie von der Last, etwas zum Neumarkter Stadtjubiläum aussagen zu sollen, befreit: eine ideale Verbindung von Material, Herstellungsprozess und archaischer Wucht. Von der sind auch die acht verschieden großen Schilde geprägt, die Hubert Baumann beiträgt: schmal wie Rotorblätter, in ganz urtümlichem Farbauftrag, aber als Schutzschild für einen Stammeshäuptling wohl kaum praktikabel – dennoch bedrohlich wirkende Stücke von hohem ästhetischen Reiz.

Dazu passen die Afrika-Bilder von Ulrika Knoblich in ihren erdbraunen Farben: afrikanische Dörfer, ausgedörrt der Boden, unfruchtbare Trockenheit. Solche dichten Landschaftsstimmungen hat Christine Scheuerer-Grötsch aus verschiedenem textilen Material effektvoll zusammengewoben: farblich sehr delikat und in schönem Kontrast zu den monochromen Tuffsteinarbeiten von Brigitte Demmel.

Erna Fliers Bleistiftzeichnungen „Ausblick“ sind Fingerübungen dazu, was man mit einem einzigen zusammenhängenden Strich alles erreichen kann. Was zunächst so abstrakt aussieht, formt sich dann doch zu Dachfirsten, Häuserfronten inmitten von Baum und Busch – aus der Umgebung herauspräparierte Landschaftsausschnitte. In schmale Segmente hat Alexandra Hiltl ihre Frauen-Landschaften zerschnitten: Sie reduziert in raffiniert kombinierten Farben Körper auf die bewusst gewählte Dimension. Natürlich darf ein Bild hier in Amberg nicht fehlen: Ingrid Gogela-Wondrejs’ „Fischerman’s Friend“, ihre Huldigung an Lothar Fischer, wofür sie heuer den Kunstpreis bekommen hat.

Die Ausstellung läuft noch bis 12. September, Dienstag bis Freitag, 11 bis 16 Uhr, Samstag/Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei

UWE MITSCHING

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