Photovoltaik: Sonnenstrom erlebt einen Boom

14.5.2021, 10:02 Uhr
Photovoltaik: Sonnenstrom erlebt einen Boom

© Archivfoto: Günter Distler

Landkreis-Sprecher Michael Gottschalk kann nicht so recht erklären, warum es gegenwärtig im Landkreis Neumarkt einen regelrechten Run auf genehmigungsfähiges Gelände für Freiflächen-Photovoltaikanlagen gibt. "Wir registrieren sehr viel Nachfrage von Investoren – und angeblich fließen auch sehr hohe Pachtzahlungen."

Doch die vermutete Goldgräberstimmung bei Verpächtern hält Michael Vogel für übertrieben: Die Entgelte seien quasi naturgegeben "betriebswirtschaftlich limitiert", meint der Vorstand der Öko-Energie-Genossenschaft Jurenergie. Bei realisierbaren Anlagengrößen zwischen fünf und 15 Megawatt und festgeschriebenen Einspeisungsvergütungen für den Solarstrom sei eine erzielbare Pacht praktisch vorgegeben.

 

Doch bei der Frage nach konkreten Euro-Beträgen wird Vogel etwas zurückhaltend. Denn auch die Jurenergie bemüht sich derzeit um die Sicherung von Grundstücken für Sonnenstrom-Felder. Welche Pacht die Jurenergie zahlt? An wievielen Projekten die Genossenschaft dran ist? Welche Investitionssumme im Raum steht? Der Vorstand wird hier aus Wettbewerbsgründen etwas einsilbig.

Bald neue Genossen?

Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass die Jurenergie von dem Solarkuchen etwas abbekommen möchte. Zusätzliche Projekte wären ein Schlüssel dafür, dass sich die Genossenschaft über die rund 920 Anteilseigner hinaus wieder öffnen kann und zusätzliche Kapitalgeber aufnimmt. Bei Dividenden bis zu 3,5 Prozent ist ein Jurenergie-Anteil als Anlage attraktiv. Das zeigen Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet. Michael Vogel: "Die Bürger sind bereit, ausreichend zusätzliches Eigenkapital zur Verfügung zu stellen."

Dass die Jurenergie im Prinzip neue Genossen nur aus dem Landkreis Neumarkt aufnimmt, hilft dem Öko-Strom-Unternehmen nach eigener Einschätzung, in Konkurrenz mit anderen Investoren bei den Kommunen zu landen. Vorstand Michael Vogel ist sich sicher: "Das ist ein Argument, mit dem ich punkten kann." Denn seiner Ansicht nach orientieren sich Gemeinden bei Genehmigungen daran, ob sich Bürger an Projekten wirtschaftlich beteiligen können. Auch mancher Verpächter knüpfe Verträge an solche Modelle regionaler Investoren.

Und warum erleben Solaranlagen im Moment einen Boom? Michael Vogel führt dies auf sinkende Preise für Solarmodule auf dem Weltmarkt zurück. Und auf die angebliche Erwartung, dass der Bund die Solar-Ausbauziele gesetzlich verändert. Schließlich habe auch die bayerische Staatsregierung Flächen für 200 zusätzliche Photovoltaik-Anlagen in "benachteiligten Gebieten" freigegeben.

Konzept gegen Wildwuchs

Eine Reihe von Landkreis-Gemeinden wollte für den Ansturm auf Sonnenstrom-Areale gewappnet sein: Die Kommunen haben sich vom Institut für Energietechnik der OTH Amberg-Weiden einen Kriterienkatalog zur Ausweisung von geeigneten Flächen ausarbeiten lassen. Etliche Gemeinderäte haben in den vergangenen Wochen schon Gebiete ausgewiesen und Anträge bearbeitet (wir berichteten).

Der Landkreis mischt sich hier in die kommunale Planungshoheit nicht ein. Sprecher Michael Gottschalk stellt aber zufrieden fest: "Es ist gut, dass sich die Gemeinden untereinander abstimmen, damit da kein Wildwuchs entsteht."

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