Preisschock

Fränkisches Dorf zahlt nun über 200 Prozent mehr Abwassergebühren: Bürgermeister erklärt den Grund

Alina Boger

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19.1.2024, 17:30 Uhr
Die Bürger von Abtsgreuth müssen ab 2024 218 Prozent mehr Abwassergebühren zahlen. Der Bürgermeister erklärt, woher diese Kosten kommen. (Symbolbild)

© Oliver Berg, NN Die Bürger von Abtsgreuth müssen ab 2024 218 Prozent mehr Abwassergebühren zahlen. Der Bürgermeister erklärt, woher diese Kosten kommen. (Symbolbild)

Statt 4,30 Euro pro Kubikmeter Wasser müssen die 75 Einwohner von Abtsgreuth nun 13,68 Euro bezahlen. Für die meisten sei das ein Schock, die Bürger fühlen sich überrumpelt, erklärt der Ortssprecher Christoph Pölloth im Gespräch mit der Redaktion. Dass eine Steigerung der Gebühren kommen würde, sei den meisten Bewohnern klar gewesen, sagt Jürgen Riedel, Bürgermeister der Gemeinde Müchsteinach. Er erklärt, warum die Gebühren so hoch sein müssen und warum der Preisunterschied mit den anderen Gemeindeteilen so groß ist.

Mehrere Faktoren beeinflussen die hohe Gebühr

Die Gründe für solch eine hohe Preisanpassung sind komplex. Abtsgreuth hat trotz der kleinen Einwohnerzahl eine eigene Teichkläranlage. Als sie im Jahr 2000 errichtet wurde, war sie noch auf eine Einwohnerzahl von 120 Menschen ausgelegt. Mittlerweile leben nur noch 75 Menschen in dem Dorf. Die Kosten verteilen sich somit auf eine kleinere Anzahl an Menschen. Der einzelne Bürger muss somit mehr zahlen, erklärte Bürgermeister Riedel.

Außerdem musste die Gemeinde das Wasserrecht nach 20 Jahren erneuern. Dabei entstanden Kosten von 46.000 Euro. Dazu kommt noch, dass die Kläranlage in Abtsgreuth genau zu diesem Zeitpunkt gereinigt werden musste. Diese Arbeiten kosteten weitere rund 13.000 Euro.

Zusätzlich wurde die Gemeinde von der Rechnungsprüfung gerügt. Früher hat man den Großteil der Personalkosten der Kläranlage aus dem Haushalt der Gemeinde gezahlt. Das darf sie jetzt aber nicht mehr und die Personalkosten werden auf die jeweilige Kläranlage umgebucht.

Aus allen Kosten entstand ein Defizit von 105.000 Euro. Damit die Einwohner von Abtsgreuth nicht die gesamte Summe tragen müssen, habe der Gemeinderat geprüft, welche Kosten aus dem Haushalt der Gemeinde gezahlt werden könnten. Insgesamt sollen nun 38.000 Euro aus dem Haushalt genommen werden. Die restlichen 68.000 Euro sollen in den nächsten vier Jahren über die Abwassergebühren der Abtsgreuther bezahlt werden.

Kosten können nicht komplett vom Haushalt gedeckt werden

Ortssprecher Pölloth findet aber, der Vorgang sei nicht gründlich kommuniziert worden. Man habe den Bürgern nur schwammig erklärt, wie die Rechnung zustande gekommen ist. Seiner Meinung nach sei es in einer Solidargemeinschaft normal, dass solche Kosten auf alle Bürger der Gemeinde aufgeteilt werden und aus dem Haushalt gezahlt werden. Dass solch eine Möglichkeit laut dem Bürgermeister nur teilweise besteht, glaubt Pölloth nicht. "Die Möglichkeit besteht schon, man muss es nur wollen." Er erklärte außerdem, dass es solch einen Vorschlag gegeben haben soll, dieser jedoch gar nicht erst von dem Gemeinderat in Betracht gezogen wurde, da der derzeitige Beschluss schon feststand.

Laut Riedel sei das aber nicht möglich, da jeder Ortsteil eine eigene Kläranlage hat und die Kosten nicht aufgeteilt werden können. Zudem hat der Bürgermeister jedem Haushalt ein Schreiben zukommen lassen, welches erklärt, wie die Kosten zustande gekommen sind. Dort sind alle Beträge aufgelistet und es wird auch erklärt, wofür diese Beträge rausgingen. Die Sache sei also durchaus transparent gewesen, die Einwohner seien aufgeklärt worden, warum die Kosten so hoch sein müssen.

Hohe Kosten sollen zwei Jahre anhalten

Obwohl die Gesamtsumme von 68.000 Euro erst in vier Jahren getilgt wäre, erklärt der Bürgermeister, dass die hohen Abwasserkosten dennoch nur für voraussichtlich zwei Jahre andauern sollen. In zwei Jahren ist eine gemeinsame Kläranlage für die gesamte Gemeinde geplant. Die alten Anlagen sollen abgestellt werden. Dann könnten die restlichen Kosten auf die gesamte Gemeinde aufgeteilt werden und die Abwassergebühr würde dementsprechend sinken. Die Abtsgreuther hätten somit nur ein Drittel des gesamten Defizites gezahlt, so der Bürgermeister. Die Entscheidung sei nicht leicht gewesen, aber einen anderen Weg hätte der Gemeinderat nicht gesehen.

Pölloth aber glaubt nicht, dass es in zwei Jahren schon so weit wäre, auch wenn die Bürgerinnen und Bürger von Abtsgreuth eine gemeinsame Kläranlage gutheißen. Seiner Meinung nach kann sich solch ein Beschluss in die Länge ziehen.

Bürger müssen nun sparen

Laut Pölloth suchen sich jetzt einige der 75 Bürgerinnen und Bürger aus Abtsgeuth rechtlichen Beistand, um gegen den Beschluss vorzugehen. "Ich kann sagen, dass das Thema vielleicht für die Gemeinde durch ist, aber für die Bürgerinnen und Bürger hier in Abtsgreuth hat es, glaube ich, gerade erst angefangen", erklärt er.

Für die Abtsgreuther steht nun eines an: Sparen. Geld für die Abwasserrechnung und das Wasser selbst, damit die Rechnung nicht allzu hoch ist.

Der Bürgermeister bedauert, dass es keine bessere Lösung gibt. Er kann verstehen, dass die Einwohner jetzt eine große Last tragen müssen und das den wenigsten gefallen wird. Wenn die Kosten zu hoch werden, könne man im Einzelfall auch miteinander reden, erklärt er.

"Wir denken, wir haben nichts Gutes, aber das Bestmögliche für die Abtsgreuther getan", fasst Riedel zusammen.