10. November 1968: Wohnungsbau wieder im Aufwind

10.11.2018, 07:00 Uhr

© Kammler

Der Schwerpunkt des Wohnungsbaus liegt dabei weiterhin in Langwasser. Aber auch die neuen Siedlungen und einzelnen Baustellen überall im Stadtgebiet sind Zeichen, daß es wieder aufwärtsgeht.

Über 5.000 Wohnungen: das bedeutet eine Annäherung an das Jahr 1966, in dem rund 5.400 Wohnungen für die Nürnberger und solche, die es werden wollten, neu in Angriff genommen wurden. „Wir liegen gut im Rennen, weil das bayerische Konjunkturprogramm geholfen hat. Wir konnten in Nürnberg 1.045 Wohnungen fördern“, erklärt dazu Dr. Oswald Fiedler.

Was dagegen die Zahl der Wohnungen angeht, die heuer bezogen werden können, so beginnt sich jetzt der Rückgang auszuwirken, der im vergangenen Jahr durch die geringere öffentliche Förderung ausgelöst worden war. Denn viele Wohnungsunternehmen wagten es damals nicht, geplante Mietwohnungen freifinanziert zu errichten und warteten erst einmal ab. Dr. Oswald Fiedler bedauert: „Wir erreichen das Ergebnis von 1967 nicht, sondern liegen um rund 1.000 Wohnungen darunter. Dafür aber werden wir mit einem Bauüberhang in das neue Jahr gehen, der gegenüber dem Vorjahr um 17 v. H. größer ist.“

Immerhin werden 1968 – über den Daumen gepeilt – etwa 4.800 Wohnungen bezugsfertig. In der Hauptsache sind es Mietwohnungen (61 v. H.) im sozialen und freifinanzierten Wohnungsbau. Eigentumswohnungen (29 v. H.) und Eigenheime (10 v. H.) rangieren dahinter.

Im übrigen haben sich beim Bedarf die Gewichte verlagert. Nicht zuletzt durch die Wohngeld-Gesetzgebung konnte die Stadt den kinderreichen Familien helfen und sie in Wohnungen unterbringen, die den vielen Köpfen angemessen sind. Zur Zeit, so erklärt Dr. Fiedler, sind Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen besonders gesucht, insbesondere von jungen Ehepaaren, bei denen sich Nachwuchs eingestellt hat. Aber auch die Aufnahme eines Elternteils spielt bei der Drei-Zimmer-Wohnung wieder eine Rolle.

Neben den Neubauten gilt die Sorge auch den alten Wohnungen, von denen es in Nürnberg trotz der Zerstörungen im Kriege noch eine ganze Anzahl gibt. 3.650 sind vor dem Jahre 1870, weitere 17.800 in der kaiserlichen Zeit bis zum Beginn des ersten Weltkriegs errichtet worden und entsprechen oft nicht mehr den Ansprüchen. In den vergangenen Jahren wurden aber viele Häuser renoviert.

Die Bilanz, die der Chef des Amtes für Wohnungs- und Siedlungswesen zieht, sieht recht günstig aus. 183.000 Wohnungen, von denen rund 119 000 nach dem zweiten Weltkrieg gebaut worden sind, werden am Jahresende in Nürnberg vorhanden sein. Kein Wunder, daß Dr. Oswald Fiedler meint: „Wir können recht zufrieden sein!“

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