5. November 1968: Gansbraten – nicht teurer

5.11.2018, 07:51 Uhr

© Kammler

Dieses Versprechen geben Importeure und Verkäufer allen Liebhabern des schnatternden Federviehs. Das Saisongeschäft läuft und hat sich schon gut angelassen.

Der Chef eines Lebensmittelgeschäfts hat dies mit Freuden vermerkt und meint, die Leute würden sich bereits "Geschmack holen".

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Ungarn, Polen, die CSSR und Rumänien sind die Hauptlieferanten für den Martins- und Weihnachtsbraten. Dort beginnt im August und September das große Sterben. Bratfertig werden die zweieinhalb bis fünf Kilogramm schweren Vögel in Hüllen gesteckt und auf Abruf in Kühlhäusern gestapelt.

Importeur Dr. Walter Ringel, der von Nürnberg aus einen großen Teil des deutschen Marktes mit Geflügel beliefert, sorgt für volle Lager. In seinen Kühlhäusern in der Holwiesenstraße stapeln sich bei minus 18 bis 20 Grad Kartons und Kisten bis unter die Decke. Die Ware kommt in Eisenbahnwaggons an, in die Trockeneisanlagen eingebaut sind.

"Die beliebten Prager Gänse bleiben nach der Krise nicht aus", versichert Dr. Ringel. Er nennt zwei Gründe für den steigenden Verbrauch an Geflügel aller Art: einmal den günstigen Preis, zum anderen den Wunsch nach Abwechslung. Im letzten Jahr wurden in der Bundesrepublik 17.000 bis 18.000 Tonnen Gänsefleisch verzehrt: das sind zwischen vier und fünf Millionen Martinsvögel oder statistischer Beweis, daß jede dritte Familie eine Gans kaufte. Etwa zwei Drittel des Gesamtverbrauchs wurden eingeführt.

Nürnberg und der fränkische Raum liegen im Gänsekonsum weit über dem Bundesdurchschnitt. Hier hat der Martinsbraten ebenso Tradition wie die Gans- und Karpfenpartien in den Gaststätten, bei denen jeder Wirt seine Ehre darin setzt, das Beste vom Besten zu bieten.

Wer glaubt, mit einem ganzen Vogel nicht fertig zu werden, kann sich mit Keulen oder Hintervierteln begnügen. Diese Portionen gibt es ebenfalls tiefgekühlt, zum Teil schon für 4,50 bis 5 DM pro Kilo. Martinsgänse am Stück sollen in Nürnberg in diesem Jahr 4,90 bis 5,70 DM je nach Herkunft und Fleischart, kosten. Dies entspricht den Vorjahrspreisen.

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