Bühne frei für begeisterte Tänzer

10.6.2019, 08:00 Uhr
Beim Europafestival am Jakobsplatz im Mai zeigten die jungen Tänzer des Familienclubs "Mischpaha" Vielfalt auf der Bühne: Neben dem russischen Tanz (Bild) präsentierten sie dem Publikum italienische, georgische und ukrainische Volkstänze.

© Michael Matejka Beim Europafestival am Jakobsplatz im Mai zeigten die jungen Tänzer des Familienclubs "Mischpaha" Vielfalt auf der Bühne: Neben dem russischen Tanz (Bild) präsentierten sie dem Publikum italienische, georgische und ukrainische Volkstänze.

Von der Bühne gingen sie dabei als Sieger und dürfen nun Ende Juni beim Dance World Cup in Portugal Deutschland vertreten.

Neben den Nürnbergern werden noch weitere knapp 6000 Tänzer aus über 50 Ländern nach Portugal reisen. "Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht", sagt Lisa Faynshteyn. Die 13-Jährige tanzt seit acht Jahren beim Verein "Mischpaha", so wie die meisten Kinder aus ihrer Tanzgruppe. Zweimal die Woche trainieren sie mit ihrer Choreographin Anna Alesikova. "Mir ist vor allem wichtig, dass Kinder die Begeisterung für das Tanzen entwickeln. Ich muss aus ihnen keine professionellen Tänzer machen. Die Idee, am Tanzwettbewerb teilzunehmen, hatten die Kinder selbst." Alesikova ging dem Wunsch der Kinder nach: "Ich sage immer den Kindern: Es ist wichtig, seinem Traum zu folgen."

Anna Alesikova (links) überlässt beim Training nichts dem Zufall und arbeitet mit den jungen Tänzern an jedem Detail. Das Ballett nimmt sie dabei als Grundlage für alle Tänze, die die Choreographin mit den Kindern einübt.

Anna Alesikova (links) überlässt beim Training nichts dem Zufall und arbeitet mit den jungen Tänzern an jedem Detail. Das Ballett nimmt sie dabei als Grundlage für alle Tänze, die die Choreographin mit den Kindern einübt. © Roland Fengler

Zuerst mussten sie sich bei einem regionalen Wettbewerb behaupten, bevor sie sich beim deutschlandweiten Entscheid gegen etwa 1600 andere Bewerber in Fürstenfeldbruck durchsetzen konnten. In Portugal zeigen sie gleich mehrere ihrer Tänze. Dazu gehören ein georgischer, ein italienischer und ein russischer Tanz, die Grundlage dafür bildet jedoch das Ballett. Bei den Trainings überlässt die Choreographin, die selbst früher professionelle Tänzerin war, nichts dem Zufall: Jede Bewegung muss sitzen. Doch es geht noch um einiges mehr, erläutert die 41-Jährige: "Tanz ist die Kunst, Gefühle zu vermitteln." Beim Deutschlandentscheid ist es den Kindern gut gelungen. "Viele Eltern, die im Saal saßen, haben erzählt, dass sie beim Auftritt unserer Kinder Gänsehaut hatten", freut sich Alesikova.

Auch wenn es in der Regel nicht viele von ihnen in den Tanzgruppen gibt: Diese Jungs halten bereits seit mehreren Jahren ihrem Hobby die Treue.

Auch wenn es in der Regel nicht viele von ihnen in den Tanzgruppen gibt: Diese Jungs halten bereits seit mehreren Jahren ihrem Hobby die Treue. © Roland Fengler

Für "Mischpaha" ist es ein ganz besonderes Ereignis, dass die 30 Kinder zum internationalen Wettbewerb fahren. Den Familienclub haben jüdische Einwanderer aus den GUS-Ländern vor 15 Jahren in Nürnberg gegründet, um ihre Kinder bei der Integration im neuen Land zu unterstützen. Es gibt Nachhilfeunterricht, man kann dort auch malen, ein Musikinstrument lernen oder eben tanzen. "Und nun vertreten Kinder aus unserem Verein Deutschland im Ausland", sagt Alesikova.

Ihre Tanzgruppe trainiert so kurz vor dem großen Wettbewerb noch intensiver als sonst. "Wir haben dadurch einen noch stärkeren Teamgeist entwickelt", stellt Lisa Faynshteyn fest. Auf Portugal freuen sie sich alle, sagt Daniel Prylepko: "Es wird bestimmt Spaß machen. Klar wäre es sehr schön, wenn wir gewinnen würden. Wir geben auf jeden Fall unser Bestes", so der Zwölfjährige.

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