FAU: Umzug nach Nürnberg entzweit CSU-Duo

25.11.2013, 07:00 Uhr
Der Vorsitzende der Metropolregion, Erlangens OB Siegfried Balleis (rechts), ist mit seinem Parteikollegen Sebastian Brehm in Sachen Uni-Umzug mächtig aneinander geraten.

Der Vorsitzende der Metropolregion, Erlangens OB Siegfried Balleis (rechts), ist mit seinem Parteikollegen Sebastian Brehm in Sachen Uni-Umzug mächtig aneinander geraten. © Fotomontage ajs

„Kirchturmdenken“ hatte Sebastian Brehm, OB-Kandidat der CSU, dem Erlanger Stadtoberhaupt vorgeworfen, weil Balleis eine Übersiedlung von Teilen der Technischen Fakultät vom Erlanger Südgelände auf die Nürnberger Hochschulmeile an der Fürther Straße ausgeschlossen hatte.

Gerade wegen seiner Tätigkeit für die Metropolregion wäre von Balleis ein Blick über den Tellerrand zu erwarten gewesen. Kurz: Mit seinem klaren Nein sei er seiner Rolle nicht gerecht geworden. „Albern“ fand Balleis diesen Vorwurf, wie er im Gespräch mit den Erlanger Nachrichten betonte. Schließlich sei er in erster Linie OB der Stadt Erlangen. „Was glauben Sie, wie mein geschätzter Kollege Maly im umgekehrten Fall sich verhalten würde?“, ergänzt Balleis auf NN-Anfrage.

Zumal es in Erlangen die einmalige Chance gebe, nach dem Umzug des Siemens-Konzerns aus der Innenstadt auf den geplanten Siemens-Campus im Süden der Hugenottenstadt einen Teil der Innenstadt quasi neu zu planen. Platzmangel, der bislang als Argument für einen Teilauszug der Technischen Fakultät genannt wurde, gibt es offenbar nicht mehr.

„Basta-Politik geht nicht“

Balleis ablehnende Haltung wertete Brehm als „Basta-Politik“. Am Rande des CSU-Parteitages näherte sich das Duo an: „Nürnberg bekommt nicht null Komma nix, wie Balleis das gesagt hat, sondern es wird eine universitäre Nutzung geben“, sagte Brehm. Und legte noch mal nach: „Eine Basta-Politik findet mit uns nicht statt.“ Brehms Fazit nach dem Streit mit Balleis: „Er hat übers Ziel hinausgeschossen und unglückliche Formulierungen gewählt.“

Doch auch nach Beendigung des Zwists bleibt offen, welche Institute oder Lehrstühle aus Erlangen nach Nürnberg ziehen sollen. Brehm will weiterhin „um Teile der Technischen Fakultät ringen“. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Erlanger Stimmkreisabgeordneter, hatte vergangene Woche allerdings diesbezügliche Hoffnungen gedämpft - er könne sich nicht vorstellen, dass es vom Erlanger Südgelände Verlagerungen nach Nürnberg gibt.

Bis vor wenigen Wochen galt es noch als wahrscheinlich, dass im ehemaligen Quelle-Areal entlang der Fürther Straße Uni-Einrichtungen aus Erlangen sowie der Technischen Hochschule Nürnberg angesiedelt werden. Mittlerweile schließt CSU-Finanzminister Markus Söder eine Uni-Ansiedlung auf Quelle kategorisch aus. Er votiert stattdessen für einen Teilabriss des denkmalgeschützten Gebäudes.

Weiterer Abzug droht

Unterdessen droht Nürnberg ein weiterer Abzug von Studenten: Weil die Gebäude der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät an der Regensburger Straße baufällig sind - den Sanierungsbedarf beziffert Uni-Präsident Prof. Karl-Dieter Grüske auf 30 Millionen Euro -, könnte die Grundschullehrer-Ausbildung nach Erlangen verlagert werden.



„Auch aus fachlichen Erwägungen“, wie Grüske sagte. „Dafür müsste es aber einen Ausgleich geben“, fordert selbst der Erlanger Oberbürgermeister Balleis. Eine Aussage, die CSU-Fraktionschef Brehm freuen dürfte.

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