Auswilderungs-Programm

Hoffnung auf Nürnberger Bartgeier in den bayerischen Ostalpen

Alexander Brock

Lokales

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23.1.2022, 16:40 Uhr
Seit vergangenem Jahr sind sie in den Ostalpen bei Berchtesgaden unterwegs: die beiden Bartgeierweibchen Wally und Bavaria.

© Markus Leitner, dpa Seit vergangenem Jahr sind sie in den Ostalpen bei Berchtesgaden unterwegs: die beiden Bartgeierweibchen Wally und Bavaria.

Jedes Jahr wollen der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Nationalpark Berchtesgaden in Zusammenarbeit mit dem Tiergarten Nürnberg zwei bis drei Bartgeier im Nationalpark in den Ostalpen auswildern. Während sich die vom Aussterben bedrohten Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran, so der LBV. Das auf zehn Jahre angelegte Projekt soll jetzt dort für einen stabilen Bestand wildlebender Bartgeier sorgen.

Eine wichtige Rolle im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) spielt das Bartgeierpaar, das im Tiergarten Nürnberg lebt. Wie der Zoo bekannt gibt, haben sich die beiden Greifvögel bereits gepaart und mit dem Nestbau begonnen. "Mit etwas Glück legt das Weibchen im Laufe des Januars ein bis zwei Eier, die auch befruchtet sind - und das Paar beginnt mit der etwa zwei Monate dauernden Brut", sagt der stellvertretende Tiergartendirektor Jörg Beckmann.

Erfolglose Brut in Nürnberg

Der Tiergarten Nürnberg hält - mit kurzen Unterbrechungen - seit 1965 Bartgeier (Gypaetus barbatus). Der majestätische Greifvogel zählt mit seiner Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Das Nürnberger Weibchen ist 22 Jahre alt, das Männchen 42. Das Paar hatte in der Vergangenheit bereits fünf Mal Nachwuchs. Vier der Jungtiere wurden großgezogen, drei davon im Rahmen des EEP ausgewildert.

Nahaufnahme: Dieser Bartgeier sitzt in einer Anlage im Berliner Zoo.

Nahaufnahme: Dieser Bartgeier sitzt in einer Anlage im Berliner Zoo. © Monika Skolimowska, dpa

Doch Beckmann weiß auch, dass die Brut des aktuellen Paars auch wieder erfolglos sein kann. So wie im vergangenen Jahr. Obwohl das erfahrene Brutpaar aus dem Tiergarten Anfang Januar 2021 zwei Eier gelegt hatte, ist kein Jungvogel geschlüpft. Ein Bartgeier-Ei ist während der Brut zerbrochen, das andere war zwar befruchtet, der Embryo ist aber vor dem Schlupf gestorben. "Natürlich haben wir aber die Hoffnung, dass im zweiten Auswilderungsjahr auch ein fränkischer Bartgeier in Berchtesgaden dabei sein wird", fügt LBV-Projektleiter Toni Wegscheider an.

Federn gebleicht und Sender angepasst

Alleine wäre der junge Bartgeier in den Ostalpen dann nicht. Denn dort halten sich bereits die beiden ausgewilderten Bartgeierweibchen Wally und Bavaria aus der Zuchtstation Guadaletin in Südspanien auf. Wally und Bavaria markieren den Beginn des auf zehn Jahre angelegten Projekts, durch das dort wieder ein stabiler Bartgeier-Bestand aufgebaut werden soll. Beide Greifvögel-Weibchen haben zuvor auch bereits Station in Nürnberg gemacht: Anfang Juni 2021 kamen die beiden in die Außenstelle des Tiergartens in Schwaig. Dort wurden laut LBV ihre Federn gebleicht und die Sender angepasst. Anschließend hat das Tiergarten-Team die Vögel in den Nationalpark Berchtesgaden gebracht.

Ab November 2021 herrschte allerdings Funkstille beim Bartgeier-Weibchen Bavaria: Ihr GPS-Sender war ausgefallen. Doch jetzt ist wieder Empfang da, teilt der LBV mit. Der Akku war leer, doch nun hätten die Solarzellen diesen wieder aufgeladen.

Über den Sender sind die Flugrouten nachvollziehbar. Die Flüge der zusammen mit Bavaria im Sommer 2021 zweiten ausgewilderten Bartgeierdame Wally konnten hingegen trotz kleiner technischer Probleme weitgehend lückenlos überwacht werden. Es sind die ersten Bartgeier seit mehr als 100 Jahren nach ihrer Ausrottung in Deutschland. Das öffentliche Interesse an den beiden ist so groß, dass nach dem Ausfall des Senders eine Vielzahl besorgter Nachfragen beim LBV und beim Nationalpark eingegangen seien, berichtete der LBV.

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