In exklusiver Lage: Wanderfalken nisten auf der Burg

24.5.2013, 07:30 Uhr
Abflug von der Burg: Eigentlich war der Nistkasten für Turmfalken gedacht, nun haben sich auf der Burg Wanderfalken niedergelassen.

© LBV Abflug von der Burg: Eigentlich war der Nistkasten für Turmfalken gedacht, nun haben sich auf der Burg Wanderfalken niedergelassen.

Trotz des verregneten und nasskalten Wetters sind gut dreißig mit Regenkleidung und Ferngläsern ausgerüstete Kinder und Erwachsene zum Treffpunkt am Ölberg unterhalb der Burgfreiung gekommen, um gemeinsam mit Steve Döschner vom LBV die Wanderfalken im Sinwellturm zu beobachten. Die Vögel sind Anfang des Jahres dort eingezogen - ihr Leben kann man hier per Webcam live verfolgen.

Und prompt tut sich dann auch etwas im Turmzimmer: Einer der beiden Jungvögel steht auf der angebauten Abflughilfe und schlägt immer wieder kräftig mit den Flügeln. Er kräftig seine Flugmuskeln und übt für seinen Jungfernflug, bei dem er sich mutig in die Luft erheben und fliegen muss.

„Ich denke, dass die Jungen spätestens Mitte Juni fliegen werden. Das ist sowohl witterungs- als auch nahrungsabhängig“, erklärt Döschner, der sich für den LBV in Nürnberg und Umgebung besonders bei den Gebäudebrütern engagiert. Die Eltern sorgen vorbildlich für ihren Nachwuchs, berichtet er.

Viermal täglich werden die jungen Greifvögel mit Nahrung versorgt. Auf dem Speiseplan stehen mittelgroße Vögel wie Tauben oder drosselartige, und Fledermäuse. Wie alle Falkenarten sind auch Wanderfalken hoch spezialisierte Vogeljäger mit exzellenter Sehkraft, die ihre Beute in der Luft schlagen. Den Eindruck eines Falken-Sturzflugs, der bis zu 140 Stundenkilometer Geschwindigkeit erreichen kann, zeigt Döschner den Falkenbeobachtern mittels eines Videos auf seinem Tablet-PC.

Der Wanderfalke ist die am weitesten auf der Welt verbreitete Vogelart — und dennoch ist der Bestand des größten Falkenvogels gefährdet. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass das im Sinwellturm eigentlich für die Turmfalken aus dem Heidenturm errichtete Ersatzquartier von den Wanderfalken bezogen wurde. Obwohl der Kasten laut Vogelexperten Döschner eigentlich zu klein für die Wanderfalken ist. Damit die Vögel bleiben und brüten können, wurde die Wohnung im Turmzimmer mit Zustimmung der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung sowie des Umweltamts der Stadt Nürnberg umgebaut und mit einer Beobachtungskamera versehen. Bayern hat bei der Biodiversitätsstrategie eine besondere Verantwortung für die Greifvögel.

Im März legte das Weibchen drei Eier, aus denen Mitte April der erste Jungvogel schlüpfte. Anhand der Größe der Falkenkinder vermutet Döschner, dass es sich um ein weibliches und ein männliches Tier handelt. „Bei den Falken haben unzweifelhaft die Frauen das Sagen“, witzelt er. Auch bei den Wanderfalken auf der Burg ist das bis zu 1300 Gramm schwere Weibchen sehr dominant und das kleinere Männchen ordnet sich unter, weiß der Forstingenieur zu berichten.

Die Zuhörer erfahren, dass die Greifvögel ausgesprochen anpassungsfähig sind und deshalb auch gut in der Stadt leben können. Für ein innerstädtisches Falkenleben sind eine exponierte Lage, ein gutes Futterangebot und ein störungsfreies Umfeld wichtig. Außer auf der Burg ziehen auch auf dem MAN-Gelände in der Südstadt, am Kolosseum, am Fernsehturm und am Laufer Schlagturm Falkenpaare ihre Jungen groß.

Das Futterangebot in Nürnberg scheint für die Vögel sogar so gut zu sein, dass vor einigen Jahren, so erinnert sich Döschner, zwei Jungfalken im Tiergarten vorübergehend auf Diät gesetzt wurden und „abspecken“ mussten, weil sie aufgrund ihres Gewichts den Abflug aus dem Aufzuchtkasten am Fernsehturm nicht schafften. Die Jungvögel von der Burg werden den Abflug wohl schaffen und bald aus dem Turmzimmer ausziehen — und die Eltern werden hoffentlich bleiben, wünscht sich Döschner.

LBV, Steve Döschner, Telefon 0170/8421852, E-Mail s-doeschner@lbv.de

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