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Naturparadies: Wöhrder See wird für 15 Millionen umgestaltet

Fließgeschwindigkeit soll erhöht werden, damit sich weniger Dreck ablagert - 27.07.2019 13:40 Uhr

So soll der Wöhrder See in Zukunft aussehen: Die aktuell steilen Ufer werden abgeflacht und dort entsteht eine Entwicklungszone für biologische Vielfalt. In diesem Flachwasserbereich soll Röhricht wachsen, also Schilf, Rohrkolben, Simsen und Seggen. Damit entsteht Lebensraum für Schnecken, Muscheln, Vögel und Insekten.


Es müffelt streng, nach abgestandenem Wasser, altem Modder und Bracke. Der Obere Wöhrder See bei der Heinemannbrücke hat viel zu viel Ballast, 150.000 Kubikmeter Schlamm würgen das Leben darin langsam ab, das braune Sediment ist durch das trübe Wasser mehr zu riechen als zu sehen.

Mit der Umgestaltung soll das Leben zurückkommen, die Fließgeschwindigkeit so erhöht werden, dass sich erst gar nicht so viel Dreck ablagern kann. Für Ministerpräsident Markus Söder auch eine Aufgabe, um den Klimawandel in der Stadt erträglicher zu machen. "Der Wöhrder See ist unser innerstädtisches Kühlaggregat, deshalb ist die Arbeit hier ein nachhaltiger Ansatz."

Am oberen See wird jetzt einiges dafür getan, dass sich Tiere und Pflanzen in Ruhe ausbreiten können. So werden bei diesem neuen Bauabschnitt der Gesamtgestaltung der Wasserwelt Wöhrder See noch mal 15 Millionen Euro investiert, um erst einmal 150 000 Kubikmeter Schlamm herauszubaggern. Diese Arbeit verschlingt auch den Löwenanteil der Kosten, rund acht Millionen Euro. Danach wird umgestaltet. "Schätze heben", nennt Bürgermeister Christian Vogel die Arbeiten am oberen See.

Wertvoller Naturraum in der Großstadt

Während die Menschen am unteren See vor allem Spaß haben sollen, dürfen sie am oberen See beobachten, wie wertvoll dieser Naturraum mitten in der Großstadt ist. "Wir schaffen einen Rückzugsort für die Natur, aber arbeiten für die Bürgerschaft", umreißt er die Vorgabe. Neue Wege, Beobachtungspunkte unmittelbar am See sollen die Naturpädagogik hautnah zu den Menschen bringen.

Der große Bagger wird in der kommenden Zeit viel Arbeit haben, rund 150000 Kubikmeter Schlamm müssen aus dem See geholt werden, damit es dann aussieht wie auf der Visualisierung unten.


So entstehen vier Inseln, die vor allem die Fließgeschwindigkeit des Gewässers erhöhen sollen. "Wenn das Wasser schneller fließt, dann lagert sich nicht so viel ab", erklärt Ulrich Fitzthum, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, das gemeinsam mit SÖR die Arbeiten plant und koordiniert. Die Ausbaggerung soll auch wirtschaftlich auf lange Sicht sinnvoll sein, denn bei weniger Ablagerung wird ein erneutes Ausbaggern länger nicht nötig sein. Bis zu 70 Prozent weniger Ablagerung hat die TU München errechnet.

Die Inseln unter der Wasseroberfläche bestehen aus Sand und werden durch Steindämme gesichert. Das soll auch vor Hochwasser schützen, mit dem Fitzthum aufgrund der klimatischen Veränderungen vermehrt rechnet.

Das Wehr an der Flußstraße stellt bisher für die Fische eine unüberwindliche Barriere dar. Da sie in der Laichzeit flussaufwärts wandern, um geeignete Plätze für den Nachwuchs zu finden, steht das Wehr im Weg. Es soll deshalb auf einer Breite von 25 Metern rückgebaut werden. Auf Höhe des Johann-Soergel-Weges entsteht dann eine Fischtreppe, damit die dann hoffentlich wieder zahlreichen Fische im See barrierefrei zu ihren idealen Laichplätzen schwimmen können.

Zurzeit leben Weißfische, Hechte, Karpfen, Forellen und Aale in dem Gewässer. Wenn es sauberer wird, dann könnte auch der Zander sich dort heimisch fühlen. Doch Fitzthum betont, dass auch nach der Umgestaltung das Mähboot, das Algen herausfischt, weiter im Einsatz sein wird.

Situation derzeit "schlicht katastrophal"

"Bei derartiger Sonneneinstrahlung wie in den vergangenen Tagen wächst das Gras am Seegrund einfach." Aus wasserwirtschaftlicher Sicht sei die Situation derzeit "schlicht katastrophal".

Während der untere See mit einer Investition von 15 Millionen Euro vor allem für die Naherholung aufgehübscht wurde, geht es beim oberen Teil um eine ökologische Umgestaltung.


So läuft der Ausbau des Sandstrands am Wöhrder See


Die aktuell steilen Ufer werden abgeflacht und dort entsteht eine Entwicklungszone für biologische Vielfalt. In diesem Flachwasserbereich soll Röhricht wachsen, also Schilf, Rohrkolben, Simsen und Seggen. Damit entsteht Lebensraum für Schnecken, Muscheln, Vögel und Insekten.

Bisher liegen die Bauarbeiten im Plan, wenn es so weitergeht, dann dürfte im Jahr 2024 die gesamte Umgestaltung der Wöhrder Wasserwelt fertig sein. Insgesamt rund 30 Millionen Euro werden dann verbaut sein, um dieses Kühlaggregat mitten in der Großstadt wieder neu zu beatmen und lebensfähig zu machen.

Sabine Göb

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